"Like"-Funktion soll zur zentralen Schnittstelle werden
Facebook stellt mit über 400 Millionen angemeldeten Nutzern schon seit langem einen zentralen Knotenpunkt im Internet dar. Auf der Entwicklerkonferenz F8 vergangenen Mittwoch stellten die Betreiber rund um Gründer Mark Zuckerberg allerdings einige Neuerungen vor, die das soziale Netzwerk endgültig zum Zentrum des Internet-Universums werden lassen könnten. Für manche Brancheninsider hat das noch junge Unternehmen damit sogar den Webgiganten Google überholt. "Facebook hat (hiermit) das Internet für sich gewonnen", meinte Damon Cortesi, CTO Mitbegründer von Untitled Startup im Anschluss an die Konferenz gegenüber dem IT-Portal ZDnet.
"Facebook war immer schon sozial, aber in Sachen Web-Führerschaft gegenüber Google haben sie heute die wichtigen Schritte unternommen", so Cortesi.
Like - Schnittstelle zum Web
Die wesentlichen neuen Funktionen, mit denen Facebook das gesamte Netz verknüpfen möchte, sind die so genannten "Social Plug-ins". Das Portal ermöglicht es Betreibern von beliebigen Webseiten - sei es ein Blog, ein Nachrichtenmagazin oder ein Webshop - eine Schnittstelle zu implementieren, die den Inhalt der Seite mit dem Nutzerprofil von Facebook verbindet. Im Rampenlicht steht hier der "Like"-Button (z.D.: "gefällt mir"). Dieser kann vom Webseitenbetreiber zu jedem Seiteneintrag, wie einem Nachrichtenartikel, Produkt, Blogbeitrag oder Video hinzugefügt werden und erlaubt Besuchern somit unmittelbar mit einem Klick auf den Like-Button den Seiteneintrag für andere Facebook-User zu empfehlen. Voraussetzung dafür ist lediglich ein angemeldeter Zugang zum sozialen Netzwerk. Nach dem Klick erscheint auf dem eigenen Facebook-Profil eine Nachricht, wonach Nutzer XY folgendes Produkt, Artikel oder Video empfiehlt. Selbstverständlich mit Link, damit Freunde der Empfehlung auch gleich folgen können.
Gleichgesinnte sehen
Ein weiteres dazu passendes Plug-in ist der "Activity Feed". Damit können Besucher von Webseiten sehen, welche anderen Facebook-Freunde die besuchten Seiten ebenfalls empfohlen ("geliked") haben. Gleichzeitig kann ein Shop-Betreiber etwa dann gezielt diejenigen Produkte anzeigen, die Freunde aus Facebook ebenfalls mögen. Über das "Facepile"-Plug-in können sogar die Profil-Bilder von angemeldeten Besuchern angezeigt werden.
Für Entwickler soll die Implementierung der neuen Funktionen dem Unternehmen nach keine sonderlichen Umstände bereiten. Die Plug-ins lassen sich in den bestehenden HTML-Code oder alternativ über XFBML-Tags via Facebooks freiem JavaScript-Entwicklungswerkzeug einfügen.
Relevantes Marketing
Während die neuen Features aus Nutzersicht den Umgang mit Web-Inhalten erleichtern, sind sie aus der Perspektive der Webseiten-Betreiber hilfreiche neue Marketing-Werkzeuge. Facebook umschreibt den Rücklauf von Web-Inhalten auf das eigene Facebook-Profil mit dem Begriff "Open Graph". Dieser Graph eröffnet auch dem Seitenbetreiber neue Möglichkeiten. Sobald ein Besucher einen Seiteninhalt über den Like-Button empfiehlt, öffnet er dem Webseitenbetreiber eine Schnittstelle zu seinem Facebook-Profil. Das bedeutet nicht, dass ein Webseitenbetreiber ein gesamtes User-Profil auslesen kann. Aber basierend auf seinen Empfehlungen soll er dank einer überarbeiteten Graph-API wesentlich einfacher Anwendungen stricken können, die auf dem sozialen Graph der Nutzer aufbauen. Gleichzeitig verspricht Facebook Werbetreibenden über das Analyse-Werkzeug Insights, besser das Benutzerverhalten analysieren zu können. Es handelt sich dabei im Grunde genommen um eine kleinere Version der Webanalyse-Tools Google Analytics, mit Hilfe dessen demographische Daten, wie Alterseinstufungen, Geschlecht oder Frequenz von Empfehlungen ausgewertet werden können.
Privatsphäre?
Bei allen Möglichkeiten, die die Vernetzung des Internets über eine gemeinsame Schnittstelle bietet, ruft die damit zunehmende Ausbreitung von Facebook auch die Datenschützer aufs Tableau. Indem Nutzer über Funktionen, wie die Empfehlungen, mehr über ihre persönlichen Vorlieben preisgeben, ermöglichen sie damit Außenstehenden genauere Persönlichkeitsprofile zu erstellen.
Mark Zuckerberg versprach in seiner Präsentation am Mittwoch zwar, dass über Open Graph nicht mehr Informationen über Nutzer einsehbar sind, als dies Dritten jetzt schon erlaubt ist. Die unzähligen Veränderungen der vergangenen Jahre in den Datenschutzbestimmungen Facebooks sorgen in diesem Zusammenhang allerdings nicht gerade für Beruhigung unter den Datenschützern. ZDnet kommentiert, Facebooks Umgang mit Privatsphäre bleibe weiterhin eine Black-Box. "Was viele Menschen womöglich nicht verstehen ist, dass sie mit der Verwendung dieser Funktionen persönliche Informationen herausgeben", gibt Cortesi zu Bedenken. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 22.4.2010)