Der Schritt folgt nach Misshandlungsvorwürfen von Heimkindern, die Mixa zunächst geleugnet und erst nach Wochen öffentlich gestanden hat - Es gilt als sicher, dass der Papst das Gesuch annimmt
Augsburg - Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat beim Papst seinen Rücktritt eingereicht. Die anhaltende öffentliche Diskussion um seine Person habe in den vergangenen
Wochen die Priester und Gläubigen im Bistum schwer belastet, heißt es den
Angaben zufolge in dem Schreiben des Bischofs. Es gilt als sicher, dass der Papst das Gesuch annimmt.
Mixa ist in die Kritik geraten, weil er früher als Pfarrer Jugendliche
geprügelt und Geld einer Waisenhausstiftung satzungswidrig verwendet
haben soll. Nach wochenlanger Debatte hat sich Mixa zu diesem Schritt entschlossen, nachdem zuletzt auch die Führung der katholischen Kirche in Deutschland von ihm abgerückt war. Der Freiburger Erzbischof Robert
Zollitsch hat Mixa öffentlich geraten, eine Auszeit zu nehmen.
Unglaubwürdig geworden
Der Präsident des deutschen Laiengremiums "Zentralrat der Katholiken" (ZdK),
Alois Glück, nannte den Rücktritt Mixas eine unausweichliche Konsequenz. Der
Würdenträger sei durch seinen Umgang mit den Vorwürfen unglaubwürdig geworden
und habe die gesamte katholische Kirche belastet, sagte Glück im
Deutschlandfunk.
"Watschen" für Heimkinder
Walter Mixa soll als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in den Siebziger- bis in die Neunzigerjahre Heimkinder geprügelt haben. Der Bischof gestand erst nach langer medialer Diskussion öffentlich ein, früher "Watschen" verteilt zu haben. Während Mixa von "Watschen" sprach, werfen ihm Opfer vor, sie teilweise mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Bischof hat sich nach wochenlangen Leugnen zu einer Entschuldigung erst sehr spät bereit erklärt.
Kunst und Wein mit Waisenhaus-Geldern
Bei den Vorwürfen der Veruntreuung, handelt es sich um zweckentfremdetes Verwenden von Waisenhaus-Vermögen, um Kunstgegenstände und größere Mengen an Wein zu kaufen. Ein Sonderbeauftragter untersucht dies gegenwärtig.
Rücktritt um räumliche
Distanz zu gewinnen
Mixa habe am
Mittwochabend einen Brief an Papst Benedikt XVI. geschrieben und seinen
Rücktritt sowohl vom Amt des Bischofs von Augsburg als auch vom Amt des
Militärbischofs der Bundeswehr angeboten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Zollitsch hat zuvor erklärt, dass er mehrfach mit Mixa gesprochen habe. "Dabei haben wir überlegt, wie Mixa in der schwierigen Situation im Bistum Augsburg
zur
Beruhigung beitragen und ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der
räumlichen
Distanz hilfreich sein könne, um eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit
bei den
notwendigen und auch von ihm gewünschten Klärungen zu bewirken", sagte
der
Erzbischof. Darüber hinaus könnte eine vorübergehende räumliche Distanz
Mixa die
Möglichkeit geben, "nach sehr erhitzten Wochen neue Kräfte zu sammeln
und die
Geschehnisse mit mehr Ruhe zu bedenken".
Übergeordnete Verantwortung
Mixa begründete sein Rücktrittsgesuch mit einer
übergeordneten Verantwortung für sein Bistum. Die "anhaltenden öffentlichen
Diskussionen" um seine Person hätten Priester und Gläubige schwer belastet,
heißt es in Mixas Brief. Er wolle nun den Weg für einen Neuanfang
freimachen. "Alle, zu denen ich ungerecht gewesen sein mag, und alle, denen ich
Kummer bereitet habe, bitte ich heute noch einmal um Verzeihung", zitiert die Augsburger Zeitung. An einer weiteren lückenlosen Aufklärung aller gegen ihn erhobenen Vorwürfe
wolle er auch in Zukunft weiter aktiv mitwirken.
Familienministerin begrüßt Rücktrit
Die deutsche Familienministerin Kristina Schröder (CDU) begrüßt den Rücktritt des Augsburger Bischofs Walter Mixa. Die CDU-Politikerin sagte am Donnerstag im ZDF, sie könne die Kritik am Bischof nachvollziehen aber habe Respekt vor seinem Schritt.
Finanzminister: Bin gespannt, wie der Vatikan auf das
Angebot reagiert
Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) bezeichnete den
angebotenen Rücktritt Mixas als notwendig. "Ich glaube, er hat jetzt die
notwendigen Schritte eingeleitet, ich bin gespannt, wie der Vatikan auf das
Angebot reagiert", sagte Fahrenschon, der auch Mitglied im ZdK ist, am
Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. "Wer Bischof Mixa kennt, der weiß, das Bischof Mixa sich seiner Verantwortung bewusst ist und sich
seiner Verantwortung stellt", sagte Fahrenschon weiter.(APA)