Immer mehr "Heiße Luft" -Deals

Johanna Ruzicka, 21. April 2010 20:20
  • Artikelbild
    grafik: standard

Preis für Verschmutzungsrechte aber wegen zunehmender Unsicherheiten am Boden

Wien - Der Markt für "Assigned Amount Units" (AAUs) erlebt gerade eine - möglicherweise nur kurze - Blüte. Diese Verschmutzungsrechte wurden im Rahmen des Kioto-Klimaschutzprotokolls an alle Kioto-Vertragsländer vergeben. Da aber mit der Auflösung des Ostblocks dort eine weitreichende Deindustrialisierung stattgefunden hat, sitzen die Länder von Litauen bis Russland nun auf überschüssigen Verschmutzungsrechten. Diese verkaufen sie nun immer häufiger an Länder wie Österreich, die ihre CO2-Einsparziele verfehlen (siehe Tabelle).

Dieser Handel (nicht zu verwechseln mit dem EU-Emissionszertifikatehandel) wird zumeist als "Heiße Luft" bezeichnet, da den Verschmutzungsrechten keine Klimaschutzmaßnahmen gegenüberstehen. Der frühere EU-Umweltkommissar Stavros Dimas hatte immer wieder kritisiert, dass Länder, die die Klimaschutzziele nicht erreichen, sich so relativ billig freikaufen können.

Nun hat sich das Joanneum Research, und zwar das Institute of Energy Research, den komplett unreglementierten Markt für AAUs angesehen und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Klimawirksamkeit der einzelnen Deals immer von den bilateralen Partnern abhängt. So habe Österreich bei seinen bisher vier Käufen mit in Summe 8,4 Millionen Tonnen Treibhausgasen immer darauf gedrängt, dass die Einnahmen vom Verkäuferland in Umwelt- oder Klimaschutzprojekte wandern. "Und dies wird auch überwacht" , sagt Andreas Türk vom Joanneum Research. Österreich will bis 2012 insgesamt 45 Millionen Tonnen zukaufen und dürfte für rund 40 Millionen Tonnen auch bereits vorgesorgt haben. Dabei wurden neben AAUs auch andere Zertifikate angekauft, und zwar solche, mit denen treibhausgassparende Projekte finanziert werden.

Wenig zimperlich beim Zukauf von Emissionsrechten ist etwa Japan, das seine Kioto-Vorgaben soweit als möglich über solche AAU-Zukäufe bewerkstelligen will. Japan interessiere sich dabei weniger dafür, was das Verkäuferland mit den Einnahmen macht.

Viel zu viele Emissionsrechte

Die Preise für diese CO2-Scheine haben einen starken Trend nach unten und liegen zurzeit bei knapp neun Euro pro Tonne CO2. Hauptgrund dafür ist, dass die Länder des ehemaligen Ostblocks mehr überschüssige Zertifikate loswerden wollen, als die Industrieländer aufnehmen können. Im Kioto-Protokoll ist festgehalten, dass jedes Industrieland seine "Lücke" nur über einen gewissen Prozentsatz mit Zukäufen schließen darf. Was auch auf den Preis drückt: In Ermangelung eines Kioto-Nachfolgevertrages ist nicht klar, wie es mit den Zertifikaten ab 2013 weitergeht. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.04.2010)

Erzpiefke
 
21.04.2010 23:50
Schafft die Unsinnszertifakte ab!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.