Demonstranten versuchten, Regierungsgebäude anzuzünden - 69 Verletzte, darunter 30 Polizisten
Sarajevo - In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo ist es am Mittwoch zu
Zusammenstößen zwischen Bereitschaftspolizei und mehr als 5.000 Kriegsveteranen
gekommen. Die Veteranen protestierten gegen geplante Kürzungen der
Sozialleistungen durch die Regierung der Bosniakisch-Kroatischen Föderation, sie
überwanden Polizeisperren und stürmten das Regierungsgebäude der Föderation.
Dort warfen sie Scheiben ein und schleuderten Brandsätze in das Gebäude.
Nach Angaben aus den Krankenhäusern der Stadt wurden 69 Personen, darunter
etwa 30 Polizisten, zum Teil durch Tränengas verletzt. Ein Mann erlitt eine Schädelfraktur. Die Polizei hatte
vergeblich versucht, die Menge mit Tränengas zu zerstreuen.
Ministerpräsident verurteilt Proteste
Der Ministerpräsident der Föderation, Mustafa Mujezinovic, übte heftige
Kritik an den Protesten der Veteranenverbände, denen er politische Ambitionen
vorwarf. Es sei der Machtwechsel in Bosnien-Herzegowina und insbesondere in der
Föderation geübt worden.
Die Probleme der Veteranen seien zu kompliziert, um sie mit einem Schlag zu
lösen, sagte der Politiker. Etliche Forderungen der Kriegsveteranenverbänden
seien bereits bei einer Regierungssitzung am Dienstag erfüllt worden. Nächste
Woche soll auch die Forderung nach Anpassung der niedrigsten Pensionen sowie
nach einer Aufnahme einzelner Bestimmungen des aufgehobenen
Kriegsveteranengesetzes in ein neues Gesetz erörtert werden.
Proteste auch in Travnik und Mostar
Die Situation vor dem Föderations-Regierungsgebäude beruhigte sich am späten
Nachmittag wieder. Einige Veteranenverbände forderten ihre Anhänger auf, die
Proteste zu beenden. Veteranen protestierten auch in Travnik und Mostar. In der
herzegowinischen Stadt gingen nicht nur ehemalige Angehörige der bosniakischen
Kriegsarmee auf die Straße, sondern auch ehemalige bosniakische Gegner aus dem
Kroatischen Verteidigungsrat.
Seit dem Dayton-Vertrag von 1995 besteht Bosnien-Herzegowina aus zwei
Entitäten: der Bosniakisch-Kroatischen Föderation und der Republika Srpska. Die
beiden Entitäten haben gegenüber der gesamtstaatlichen Regierung ein starkes
Eigenleben. (APA)