User fragen - derStandard.at antwortet

Wie verläuft der Weg der Entwicklungshilfe-Gelder?

21. April 2010, 17:22

Die Austrian Development Agency im E-Mail-Interview über Organisation und drohende Einsparungen

User "der allschmächtige" hat sich mit einer "Bitte an die Redaktion" gewandt: "Da hier offensichtlich die Mehrheit der poster der Meinung ist, die Entwicklungshilfegelder würden nicht richtig eingesetzt, wäre es sinnvoll, die Leser mit einem eigenen redaktionellen Artikel über die tatsächlichen Wege dieser zu informieren."

derStandard.at hat bei bei der "Austrian Development Agency" mit einem E-Mail-Interview nachgefragt.

derStandard.at: Wie ist die Entwicklungshilfe in Österreich organisiert?

ADA: Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) verfolgt ihre Ziele Armutsminderung, Friedenssicherung und Umweltschutz im internationalen Kontext. Die politischen und programmatischen Vorgaben werden mit der Europäischen Union sowie in internationalen Gremien (EU, UN, OECD, Internationale Finanzinstitutionen) abgestimmt. Die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf ausgewählte Partnerländer in den sieben Schwerpunktregionen Ostafrika, Südliches Afrika, Westafrika/Sahel, Himalaya-Hindukusch, Zentralamerika, Südosteuropa/Westbalkan und Südkaukasus. Auch die multilaterale Entwicklungszusammenarbeit spielt im Gesamtkonzept der österreichischen Entwicklungspolitik eine wesentliche Rolle. Sie ist neben der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit eine der beiden Säulen der österreichischen Entwicklungspolitik. Österreich unterstützt die Arbeit multilateraler Entwicklungsorganisationen durch Finanz- und Programmbeiträge sowie durch die Umsetzung gemeinsamer Projekte.

Grundlage der Zusammenarbeit ist das Dreijahresprogramm der österreichischen Entwicklungspolitik. Dieses wird vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMeiA, also Außenministerium) erstellt und definiert die Eckpunkte der strategischen Ausrichtung der gesamten Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA). Die Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, ist in erster Linie für die Umsetzung der aus dem Budget des BMeiA finanzierten bilateralen Programme und Projekte verantwortlich und verwaltet das entsprechende Budget. Die Programme und Projekte werden dabei von der ADA in enger Zusammenarbeit mit anderen öffentlichen Einrichtungen, Entwicklungsorganisationen und Unternehmen umgesetzt.

derStandard.at: Wieviel Geld wird derzeit von Österreich genau für Entwicklungshilfe ausgegeben?

ADA: Die österreichische ODA, d.h. die Leistungen aller Ministerien, Länder und Gemeinden, belief sich im Jahr 2009 insgesamt auf voraussichtlich rund 823 Millionen Euro - das sind 0,30 % des Bruttonationaleinkommens (BNE). Die endgültigen Zahlen liegen im Herbst 2010 vor.

derStandard.at: Warum gibt Österreich im Vergleich zu anderen Ländern weniger Geld für Entwicklungshilfe aus, wie DER STANDARD berichtete?

Österreichs öffentliche Entwicklungshilfeleistungen lagen im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (BNE) in den vergangenen Jahren immer im vorderen Feld der Mitgliedsländer des Entwicklungshilfeausschusses der OECD:

2006: 0,48% BNE, 8. Platz unter 22 Ländern

2007: 0,49% BNE, 7. Platz unter 22 Ländern

2008: 0,43% BNE, 11. Platz unter 22 Ländern

Der Rückgang der ODA im Jahr 2009 auf 0,30 % am BNE ist auf den Ausfall einer großen, für dieses Jahr von der internationalen Gebergemeinschaft vorgesehenen Entschuldung zurückzuführen. Die vom Außenministerium und der ADA bereitgestellten Leistungen für bilaterale Entwicklungszusammenarbeit blieben auch 2009 gleich hoch wie in den Vorjahren.

derStandard.at: Wäre es sinnvoller, die Entwicklungshilfe zentraler zu gestalten – etwa gleich von Brüssel aus anstatt von den unterschiedlichen EU-Ländern?

ADA: Österreich beteiligt sich an der gemeinsamen Entwicklungszusammenarbeit der EU oder auch der Vereinten Nationen bereits mit namhaften Beträgen. Gleichzeitig bleibt die Entwicklungszusammenarbeit für Österreich - wie auch für den Rest der Gebergemeinschaft - ein wesentlicher Bestandteil seiner von ihm selbst gestalteten Außenpolitik. Eine enge Koordination mit anderen Gebern sowie die Eigenverantwortung der Partnerländer für ihre Entwicklung stellen dabei sicher, dass die österreichischen Mittel weiterhin sinnvoll eingesetzt werden.

derStandard.at: Was passiert genau mit den österreichischen Geldern?

ADA: Im Rahmen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit setzt die Austrian Development Agency (ADA) Programme und Projekte in den Schwerpunktländern der OEZA um. Arbeitsschwerpunkte sind: Bildung und Wissenschaft, Energie, Wasser und Sanitärversorgung, Ländliche Entwicklung, Gute Regierungsführung und Privatsektorentwicklung. Im Rahmen der multilateralen Zusammenarbeit fließen Beiträge an internationale Organisationen wie z.B. UNDP, UNHCR, UNICEF, UNIFEM, UNRWA usw.

derStandard.at: Wie verläuft der tatsächliche Weg der Entwicklungshilfe-Gelder?

ADA: Das hängt von der Art der Entwicklungszusammenarbeit ab. Bei der bilateralen Zusammenarbeit fließen abhängig von der Art der Kooperation Mittel z.B. direkt an Regierungen bzw. Verwaltungen in den Partnerländern sowie an Nichtregierungsorganisationen oder Unternehmen als Partner der OEZA.

derStandard.at: Wie wird garantiert, dass die Gelder auch tatsächlich entsprechend ihrer Bestimmung eingesetzt werden?

ADA: Der korrekte Einsatz der Mittel wird anhand strenger Kontrollmechanismen überprüft. Die Evaluierungsberichte werden auf http://www.entwicklung.at veröffentlicht.

derStandard.at: Wird es künftig durch die Einsparmaßnahmen der Regierung noch weniger Entwicklungshilfe-Gelder aus Österreich geben?

ADA: Da von der aktuellen, noch nicht abgeschlossenen Diskussion um geplante Sparmaßnahmen alle Bundesministerien betroffen sind, können vorübergehende Kürzungen auch bei den ODA-Leistungen einzelner Ressorts nicht ausgeschlossen werden. Gleichzeitig hält die Bundesregierung in ihrem Regierungsprogramm aber weiterhin am Erreichen des Zieles fest, 0,7% des BNE für Entwicklungshilfe bereitzustellen. (rasch, derStandard.at, 21.4.2010)

Kommentar posten
14 Postings
Name d. Redaktion bekannt
00
24.4.2010, 15:15
die ada sollte mal die rudimentärsten regeln...


...des geschäftslebens einführen und einhalten.

und zwar: bei anfragen bitte eine antwort senden.
und wenn es nur beinhaltet "interessiert mich nicht, kann ich nicht, will ich nicht" etc.

es ist ganz einfach und es machen gaaaanz viele unternehmen so.

selten so einen unkooperativen haufen gesehen, der sowenig auf kundenservice und/oder dienstleistung haltet.

Austrian Development Agency
00
29.4.2010, 11:32

Die Öffentlichkeitsarbeit der ADA beantwortet prinzipiell jede Anfrage. Sollten Sie also Fragen haben, wenden sie sich bitte gerne an oeza.info@ada.gv.at.

Name d. Redaktion bekannt
00
29.4.2010, 11:42
danke vielmals,



jedoch ziehe ich es nun vor, die verantwortliche person telefonisch ausfindig zu machen und dann eine mail zu schreiben.

erschien mir aussichtsreicher, aber danke nochmals für die mailadresse.

wansuk
10
23.4.2010, 09:54
waere ich minister

wuesste ich spaetestens jetzt wo ich mir eine milliarde fuers budget holen koennte.
so ein unsinn dass ein so armes land wie oesterreich sich so was leistet.
die afrikanischen laender sind unermesslich reich, ebenso brasilien.
vieleicht koennte mir jemand posten welches land aermer ist als oesterreich. ich meine jetzt bodenschaetze

Weltstaat
 
00
23.4.2010, 20:29
aHaha, selten so gelacht :)

Weltstaat
 
03
22.4.2010, 11:34
Schönfärberei

Der Prozentsatz der EZA am BIP wäre wesentlich niedriger würde man nur tatsächliche Projekthilfen und Zuschüsse an bilaterale sowie multilaterale Partner miteinberechnen. Ein wesentlicher Teil der ODA besteht aus Entschuldungsmaßnahmen. Aber auch Unterstützungen für Studenten aus "Entwicklungsländern" oder die Betreuung von Asylanten werden der ODA zugerechnet, um diese aufzupolieren. Die heutige EZA ist pure Heuchelei und dient einzig und allein dem Image in der internationalen Gebergemeinschaft sowie dem Erhalt der bestehenden Machtverhältnisse, aber bestimmt nicht der unter Krieg und Hunger leidenden Bevölkerung der Peripherie!

Cogito Ergo Dumm
00
22.4.2010, 08:19
Ich fürchte aber,

dass bei der Berechnung des Prozentsatzes die Mittel, die für die internationalen Organisationen gespendet werden (Jahresbeiträge) gleichfalls herangezogen worden sind, was andere Staaten nicht tun. Daher ist der international vergleichbare Wert für Österreich viel niedriger.
Auch ist der Einsatz in Tschad dazugerechnet worden, was andere Länder gleichfalls nicht machen...
Somit ist das Augenauswischerei!

Atempause
02
21.4.2010, 23:30
Geld zusätzlich direkt auszahlen

Als Ergänzung zu den üblichen Programmen sollten stärker soziale Geldtransfers diskutiert werden. Die Ergebnisse der umfassenderen Ansätze sind beeindruckend.

Interessant dazu ist insbesondere das Grundeinkommens-Projekt in Namibia:

Grundeinkommen macht nicht faul:
http://diepresse.com/home/wirt... 0/index.do

Redaktion International
00
22.4.2010, 12:38
In diesem Zusammenhand ist das brasilianische Modell

der "bolsa familiar" vielleicht auch von Interesse.

Brasiliens Minister für Hungerbekämpfung im Interview:

http://derstandard.at/125674502... -verlassen



al vvi
00
21.4.2010, 21:12

Bei der Oesterreichischen Entwicklungshilfe handelt es sich um die effizienteste Hilfe ueberhaupt. Von meinem Geldboerserl in das Geldboerserl meines Freundes.

Jan Smaal
01
22.4.2010, 08:00
Ohne Belege

bleibt ihr Posting eine leicht braun gefärbte verleumderische Unterstellung. Schade.

Gerda Soros
11
22.4.2010, 08:50

Die ADA hat ihren Mitarbeiterstand in den letzten Jahren fast verzehnfacht und damit viele Mittel von Projekteinsätzen abgezogen. Viele der Personalentscheidungen waren rein politischer Natur, wie z.B. die Einstellung komplett unqualifizierter Personen nach ''Empfehlung' des unsäglichen Ex-Ministers Strasser oder Kinder von ÖVP-Abgeordneten, die keinerlei Erfahrung im verlangten Gebiet hatten (Einstellung dank Schüssel und Ferrero-Waldner).

Jan Smaal
00
22.4.2010, 22:18

Wow. Sie sind ja richtig gut informiert...

Wenn sich die Zahl der Mitarbeiter der ADA verzehnfacht hat, dann müssten ja über 900 Leute dort arbeiten. So weit ich weiss, sind es aber nur ein bisschen mehr als 100...

Pater Penis
 
00
21.4.2010, 23:01
Das kennzeichnet nicht nur die österreichische Entwicklungshilfe

E-Hilfe war schon immer ein Instrument um Machtverhältnisse aufzubauen/beizubehalten und ist es auch heute noch.

Und das Schuldenerlässe überhaupt als E-Hilfe gelten sollte sehr stark hinterfragt werden! Was hat die Bevölkerung davon...?
Dass sich die ADA dann auch noch darauf ausredet zeigt auf welcher "seite" sie steht..

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