Die Weltwirtschaft wächst schneller als erwartet. Europa hinkt allerdings hinterher
Washington - Die Euroländer fallen beim Wachstum immer weiter hinter die USA, Japan und die asiatischen Schwellenländer zurück. Während die US-Prognose für 2010 am Mittwoch vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gegenüber der Schätzung im Jänner um 0,3 Prozent auf 3,1 Prozent angehoben wurde, wurde jene für den Euroraum bei nur einem Prozent belassen. Das Wachstum der Weltwirtschaft beschleunigt sich von 3,9 auf 4,2 Prozent.
Besser als zuletzt gedacht entwickelt sich auch Ost- und Mitteleuropa, wo die Wirtschaft heuer um 2,8 Prozent wachsen soll.
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Wien/Washington - Die Amerikaner hängen die Europäer in wirtschaftlicher Hinsicht wieder einmal ab. Der Internationale Währungsfonds (IWF) korrigierte die Wachstumsprognosen für den US-Markt am Mittwoch neuerlich nach oben. Heuer wird das amerikanische Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich um 3,1 Prozent zulegen. Im Vergleich zur Jänner-Prognose bedeutet das einen Anstieg um 0,4 Prozent. Innerhalb des letzten halben Jahres wurde die Vorschau sogar um mehr als 1,5Prozent angehoben.
Davon profitiert naturgemäß auch die globale Wirtschaft. Die Weltwirtschaft soll demnach 2010 um 4,2 Prozent wachsen, für 2011 sind sogar 4,3 Prozent prognostiziert. "Die globale Erholung kommt schneller voran als erwartet" , heißt es dazu in der IWF-Frühjahrsprognose.
Gestützt wird die Weltwirtschaft aber nicht nur von den Amerikanern, sondern vor allem auch von den asiatischen und südamerikanischen Märkten. China wird 2010 ein Wachstum von 10,0Prozent vorausgesetzt, Indien eines von 8,8 Prozent. Brasiliens Wirtschaft soll um 5,5 Prozent zulegen.
Europa kann bei all diesen Positivnachrichten nicht mithalten. Die Erwartungen des IWF sind unverändert niedrig angesetzt. Sowohl in der Euro-Zone als auch in der gesamten EU wird 2010 mit einem Wachstum von nur einem Prozent gerechnet. 2011 sollen es immerhin 1,5 bzw. 1,8 Prozent sein. Positive Ausreißer in Europa sind die Slowakei und die Türkei, die heuer um 4,1 bzw. 5,2 Prozent wachsen sollen. Zur Orientierung:Für Österreich werden - ähnlich wie von den heimischen Wirtschaftsforschern - 1,3 Prozent für 2010 und 1,7 Prozent für 2011 vorausgesagt.
Das ist aber nicht die einzig schlechte Nachricht für die Europäer: Jene Länder, deren Wirtschaft sich schneller erholt, werden diesen Vorsprung voraussichtlich auch halten, meint der IWF.
Wende einleiten
Wesentlich für die globale Erholung waren jedenfalls die staatlichen Konjunkturprogramme. Diese sollten 2010 auch noch fortgesetzt werden, heißt es vom IWF. Gleichzeitig wird aber neuerlich eindringlich an die Staaten appelliert, möglichst rasch Überlegungen anzustellen, um ab 2011 mit dem Abbau der dramatisch angewachsenen Budgetdefizite beginnen zu können. Im Schnitt werden die Industriestaaten 2014 eine Verschuldensrate von 100 Prozent des BIP haben - um 35 Prozent mehr als vor der Krise.
Nach wie vor schlecht sind die Prognosen für den Arbeitsmarkt. Ein Rückgang bei den Arbeitslosen wird in kaum einem Land erwartet. Die meisten haben den Höhepunkt noch vor sich. Zum Teil würden die Statistiken auch gar nicht die tatsächlichen Probleme widerspiegeln, weil nicht alle Beschäftigungslosen erfasst würden. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.04.2010)