Tod eines Massenmörders

22. April 2010, 11:56
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    foto: youtube

    Hideo Murai kurz vor seinem Tod: TV-Kameras filmten den Mord an dem Aum-Chemiker live mit.

Vor 15 Jahren übte ein japanischer Mafioso Selbstjustiz und erstach vor laufenden TV-Kameras den Chemie-Chef der Aum-Sekte - Ein Ableger des Vereins existiert weiter

Um kurz nach halb acht Uhr morgens traf Hideo Murai vor den Augen der Weltpresse seinen Mörder. Alles ging sehr schnell, eine der Dutzenden Kameras vor Ort filmte die zehn Messerstiche mit, die den Bauch des 37-Jährigen trafen. Sechs Stunden lang rang Murai mit dem Tod. Im Krankenhaus verlor er den Kampf. Dabei wollte Murai an diesem 23. April 1995 nur das tun, was er immer tat: seinem Guru Treue schwören, das nahe Ende der Welt verkünden, Pläne zu neuen Morden schmieden. Vor genau fünfzehn Jahren ereilte ihn selbst dieses Schicksal. 

Der Täter, ein junger Koreaner namens Hiroyuki Jo, wurde noch am Tatort zusammen mit zwei Komplizen verhaftet. Der 29-Jährige hatte das Küchenmesser in einem Briefumschlag zum  Hauptquartier der Sekte geschmuggelt, wo er auf Murai traf. Er habe aus Wut über den Anschlag gehandelt, den Murai und seine Kumpanen einen Monat zuvor in der Tokioter U-Bahn verübt hatten, gab er zu Protokoll. Später widerrief er seine Aussage. Die Yakuza, die japanische Mafia, hätten ihm die Tat befohlen, sagte er aus.

Tödlicher Sarin-Anschlag

Einen Monat zuvor, am 20. März 1995, hatten Murai und seinesgleichen die japanische Metropole in Angst und Schrecken versetzt. Bei Giftgasanschlägen der obskuren Aum Shinrikyo-Sekte auf fünf Züge der Tokioter U-Bahn starben 13 Menschen, mehr als 6.200 Passagiere und Angestellte wurden zum Teil schwer verletzt. Seither wurde das Hauptstadtquartier der Endzeit-Apologeten von Fernsehteams belagert.

Der studierte Astrophysiker, Röntgenexperte und Computerprogrammierer Murai machte aus seinen Ansichten keinen Hehl. Kurz vor dem Anschlag auf die U-Bahn gab er vor versammelter Auslandspresse die Ergebnisse seiner Forschungen bei Aum zum Besten. Er könne Erdbeben künstlich auslösen und stünde kurz davor, Mikrowellen- und Plasmawaffen zu entwickeln, prahlte er. Sein großes Vorbild: Nikola Tesla, ein serbo-kroatischer Elektroingenieur, der den Wechselstrom erfand.

"Wissenschaftsminister" und Mörder

Tatsächlich war Murai als sekteneigener "Wissenschaftsminister" für die Entwicklung des tödlichen Nervengases Sarin zuständig, das in einer eigens dafür erworbenen Farm in der australischen Wüste an Schafen getestet wurde und schon vor dem großen Coup in Tokio 1994 gegen Zivilisten in einer japanischen Provinzstadt eingesetzt worden war. Gerüchten zufolge benutzten Aum-Mitglieder das abgelegene Grundstück auch zum Test selbstgebauter Bomben.

Die Sekte Aum Shinrikyo, was zu Deutsch etwa so viel heißt wie "Höchste Wahrheit", beruft sich auf krude Versatzstücke anderer Glaubensrichtungen, etwa des in Japan verbreiteten Buddhismus und des Christentums, und Praktiken aus der Yoga-Lehre.

Ideologisch begründet sich die Mordlust der Aum-Sekte in der Annahme, die Welt sei korrupt und verdorben und ein Mord könne sowohl den Täter als auch das Opfer "zur Erleuchtung bringen". Gegründet Anfang der Achtzigerjahre, expandierte die Sekte nach dem Ende der Sowjetunion auch nach Russland, wo sie nach und nach eine größere Zahl an Anhängern rekrutieren konnte als im Mutterland Japan. Schätzungen gingen in den 1990ern von etwa 40.000 Mitgliedern weltweit aus.

Der in seiner Heimat auf die Vollstreckung der Todesstrafe wartende Sektenführer Shoko Asahara nannte sich abwechselnd "Christus", "Lamm Gottes" und "Erleuchteter", jedenfalls schreckte er vor keiner Gewalttat zurück, um seine Macht durchzusetzen. Als erwiesen gilt heute, dass auch Chefchemiker Murai höchstselbst Hand an seine Opfer gelegt hat. Im November 1989, sechs Jahre bevor die Sekte weltweit Aufsehen erregte, wurden in Yokohama der Anwalt Tsutsumi Sakamato, dessen Frau und der 14 Monate alte Sohn nach einem Einbruch in ihrem eigenen Haus mit Giftinjektionen und Schlägen ermordet. Sakamoto vertrat Gegner der Sekte bei einem Gerichtsprozess.

"Erleuchtung"

Nach dem U-Bahn-Anschlag verlor Aum Shinrikyo neben einem Großteil ihrer Finanzmittel und Mitglieder auch die Zulassung als Religionsgemeinschaft. Mittlerweile besteht die Sekte aber unter dem Namen "Aleph" sowie unter einigen Abspaltungen weiter. Hiroyuki Jo, der Attentäter, der vor fünfzehn Jahren Hideo Murai erstach, lebte ebenfalls nicht mehr lang. Wenige Tage nach seiner Inhaftierung wurde er tot in seiner Zelle aufgefunden. Offiziell hatte er Selbstmord begangen. (Florian Niederndorfer, derStandard.at, 22.4.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 77
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europa.eu
01
23.4.2010, 06:56
Bin ich der einzige, der Mühe hat,

den roten Faden im Artikel zu finden...?

Speaker of the US Congress
00
Nein.

auch 2 Monate später finde ich ihn nicht.

jaja-nein
 
00
geht mir auch so ...

zum ereigniss ... tja ein monster das 6000 lebensbedrohent verletzte ... ein mörder der tot am gewissen hatte ..ist selbst ermordet worden ... gerechte strafe sag ich ..keine lücke in der menschheitsgeschichte

Mork vom Ork
00

jetzt fehlt nur noch, dass sie "so wie bei Kennedy" schreiben..

nodiesop
22
22.4.2010, 22:33
man sieht das Video und ist normalerweise betroffen

aber bei so einem Typen geht das seltsamerweise ganz emotionslos...

der wird erstochen - ja und? kein Verlust für die Menschheit...

wie viele Tote haben eigentlich Manager auf dem Gewissen? ich weiß zumindest von einem (Kollegen), der nach Kündigung einen tödlichen Unfall hatte, bei dem auch ein Kind starb...
btw. die Kündigung wurde ausgesprochen als die Wirtschaft so richtig gut gelaufen ist - vor der Krise - und der Konzern für den wir gearbeitet haben, jedes Jahr eine Gewinnsteigerung von über 30% hatte...

komischerweise mußte er dennoch unbedingt einsparen um mehr Gewinn an die Aktionäre ausschütten zu können...

in den Statistiken scheinen derartige "indirekte Morde" ja leider nicht auf...

Mork vom Ork
00

Ich versteh ihre Argumentation nicht...

Wenn ich einen Mitarbeiter nicht brauche, kündige ich ihn...

Oder stellen sie einfach so zur Gaude privat jemanden an?

spekulant_in, realwirtschaftlich
01
23.4.2010, 02:35
auch wenns off topic ist:

Rätselhafte Serie von Selbstmorden beim französischen Telekommunikationskonzern France Télécom: In den vergangenen 18 Monaten nahmen sich 23 Angestellte das Leben. Gewerkschafter behaupten, die Arbeitsbedingungen seien daran Schuld, der Konzern weist die Vorwürfe zurück.

http://www.spiegel.de/wirtschaf... 71,00.html

soll auch sonst öfters vorkommen

Zwei Und Vierzig
00
22.4.2010, 20:50
Ohne Kommentar

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Zwei Und Vierzig
00
23.4.2010, 02:51
... immerhin ...

... die Werbeeinschaltung wurde jetzt entfernt.

obstbau1
00
23.4.2010, 07:40
Jetzt ist sie leider wieder da. ... non olet.

Ain't got no how watchamacallit
11
22.4.2010, 20:41

"Ideologisch begründet sich die Mordlust der Aum-Sekte in der Annahme, die Welt sei korrupt und verdorben und ein Mord könne sowohl den Täter als auch das Opfer "zur Erleuchtung bringen".

Dieser Satz benötigt folgende Umformulierung:

"Ideologisch begründet sich die Mordlust der Aum-Sekte in der Annahme, ein Mord in dieser korrupten und verdorbenen Welt könne sowohl den Täter als auch das Opfer "zur Erleuchtung bringen".

Mork vom Ork
00

nein, ihr satz hat einen anderen Sinn.

Sie setzen voraus, dass die Welt korrupt und verdorben ist.

Sie teilen also schon mal 50% der Ansichten der Setke ;)

salt&pepper
21
22.4.2010, 18:10
seinesgleichen

unwort des jahrzehnts.
und überhaupt, was soll dieser artikel?

LCD
20
22.4.2010, 17:34
"Vor 15 Jahren übte ein japanischer Mafioso Selbstjustiz und erstach vor laufenden TV-Kameras den Chemie-Chef der Aum-Sekte - Ein Ableger des Vereins existiert weiter"

Klar existiert die Yakuza weiter, weil die Aum Sekte sie noch nicht ausgerottet hat. Ich hoffe dass dieser Mörder des Hideo Murai in der Hölle schmorrt.
Der Artikel ist unvollständig, es fehlt ein Link zu der Homepage der Sekte, wo man beitreten kann. ;-)

Hornhifi
32
22.4.2010, 16:18

Werden Onlineredakteure wirklich sooo schlecht bezahlt?

Minimonk
00
ja

Hornhifi
10
22.4.2010, 16:13

Sehr schönes Messer!

vanille
13
22.4.2010, 16:04
serbokroatisch...

war mal amtssprache oder auch kroatoserbisch.
ein mensch ist nicht serbokroatisch. nikola tesla ist serbe.

Voronwe
21
22.4.2010, 16:24
Nja, er WAR Serbe...

Station Sloterdijk
00
22.4.2010, 19:48

naja, er wurde einen steinwurf von gospic von einer serbischen mutter geboren, hab den ort jetzt nicht im kopf. also stimmt serbo-kroatisch mit bindestrich schon ;)

Voronwe
00
22.4.2010, 23:24
Das "war" hat sich auf die Tatsache bezogen, dass Tesla seit bald 70 Jahren tot ist...

Aber bei der hitzigen Diskussion, was für einer Nationalitä Tesla angehörte, ist dies wohl ganz anders aufgefasst worden. Nja egal...

Ceterum censeo, dass diese Diskussion ziemlich unnötig ist... Für die Meinung, dass er Serbe war, steht die Tatsache, dass seine Eltern Serben waren, und dass er in Serbien begraben liegt. Für die Kroaten zählt die Tatsache, dass er im heutigen Kroatien geboren wurde. Die Österreicher könnten sagen, der Geburtsort war früher ein Teil der K. u. k. - Monarchie, und die Amis könnten sagen, bei ihnen ist Tesla gestorben...

vanille
00
23.4.2010, 11:29
im prinzip isses mir wurscht...

...allerdings finde ich das, was sie hier anführen schon sehr an den haaren herbeigezogen.
genauso seltsam finde ich, wie in diversen artikeln, seine herkunft beinahe krampfhaft verschwiegen/umschrieben (siehe obiger artikel, wobei, wie station sloterdijk erwähnt, diese schreibweise noch nachvollziehbar ist: a la austro-kanadier:)))
warum können sie tesla nicht einfach einen serben sein lassen und aus?
ihre mit dem geburtsort verknüpften beispiele finde ich übrigens ziemlich unmöglich.

Voronwe
00
24.4.2010, 01:49
Mannmannmannn...

Lesen ist wohl eine Kunst...

1.) Die Wahheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters.
2.) Wo ist das Problem mit serbo-kroatisch? Wo wird da eine Herkunft verschwiegen/umschreiben? Bitte jetzt bloß keine langweiligen VT...
3.) Ich habe ja geschrieben, er war Serbe... Die Betonung liegt eben auf "WAR", Vergangenheit, tot und so...
4.) Zur Erläuterung: Wer in den USA geboren wird, ist US-Amerikaner, selbst wenns in einem US-Flieger übern Atlantik war. Ius soli, Amendment 14. Prinzipiell ähnliches gilt in auch vielen Staaten Südamerikas, in Kanada, UK, Irland, Frankreich, Australien, sogar in Deutschland gibt es entsprechende Regelungen. Was daran also unmöglich sein soll, wissen wohl nur Sie...

Hoinz
 
34
22.4.2010, 12:35
Tesla, Erfinder des Wechselstromes,

auch nicht schlecht...

contains sugar
00
22.4.2010, 23:08

"finder" des wechselstroms?

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