Wien - Für die ÖBB hat der Vulkanausbruch und die Luftfahrtturbulenzen
deutlich mehr Geld in die Kassen gespült. Österreichweit sei der Umsatz im
Personenverkehr alleine am Wochenende (Freitag bis Sonntag) von 3,2 Mio. auf
über 6 Mio. Euro gestiegen, am Westbahnhof, Drehscheibe für die meisten
gestrandeten Passagiere, wurde der Umsatz am Wochenende sogar ums
Viereinhalbfache gesteigert. Wie hoch der Gewinn für die ÖBB letztlich ausfällt
lasse sich noch nicht genau sagen, aber unterm Strich werde sich die Vulkanasche
für die Bundesbahn sicher positiv auswirken: "Wir erwarten, dass sich das für
uns rechnet", betonte ÖBB-Personenverkehrschefin Gabriele Lutter.
Am Westbahnhof werde an einem "normalen Wochenende" rund 215.000 Euro Umsatz
eingefahren, am Vulkan-Wochenende waren es mindestens 965.000 Euro - da seien
die Ticket-Automaten, die zum Teil noch nicht ausgeleert wurden, noch gar nicht
einberechnet, erklärte Lutter. Österreichweit habe sich der Ticketumsatz bei
Internet und Handy von 271.000 auf 673.000 Euro erhöht. Auch beim Call Center
der ÖBB habe sich der Umsatz von 116.000 auf 320.000 Euro fast verdreifacht.
Dabei wurden von den ÖBB Fahrkarten nach ganz Europa verkauft - Ziele wie
Barcelona, Paris, London, Stockholm, Brüssel und Amsterdam waren keine
Seltenheit. Dass eine Zugfahrt nach Barcelona bis zu 25 Stunden dauern kann, hat
die gestrandeten Passagiere offenbar nicht abgeschreckt. Ein Teil der
Ticketerlöse muss nun mit den ausländischen Bahnen abgerechnet werden, der
Großteil der internationalen Reisen ging aber nach Deutschland und in die
Schweiz, wo die Fahrtstrecke oft zum größten Teil in Österreich liege,
erläuterte die Vorstandssprecherin der ÖBB Personenverkehr AG.
Das verstärkte Angebot der ÖBB hat natürlich auch mehr Aufwand und Kosten
bedeutet: 2.300 Überstunden fielen bisher an, 40 zusätzliche Mitarbeiter wurden
an den Kassen eingesetzt, 13 weitere im Call Center. Bis zu 14
Sicherheits-Mitarbeiter haben Passagiere und Mitarbeiter unterstützt sowie am
Bahnhof Kaffee und Mineralwasser ausgeschenkt. Noch immer sind die Kassen rund
um die Uhr geöffnet und es werden Sonderzüge angeboten. Bis heute wurden - dank
Vulkanausbruch - 65 Sonderzüge mit einem Zusatzangebot von 36.000 Sitzplätzen
angeboten. Von Freitag bis heute waren 60.000 bis 70.000 zusätzliche Fahrgäste
mit den ÖBB unterwegs. Das zusätzliche Angebot werde - je nach Entwicklung des
Vulkanausbruchs - weiter eingesetzt, versicherte Lutter.
Lob äußert die Bahn-Managerin für die Leistung der ÖBB-Mitarbeiter und das
schnelle Krisenmanagement: Bereits zwei Stunden nach der ersten Krisensitzung am
Freitag sei um 12.30 Uhr der erste Sonderzug auf Schiene gestellt worden. In
einer "Aufbruchsstimmung" seien die gestrandeten Reisenden von den Bundesbahnern
betreut worden. Auch die Reisenden hätten nach einer Odyssee auf den Flughäfen
mit großer Geduld reagiert und die langen Fahrzeiten auf der Schiene in Kauf
genommen. Die Bahn habe einen Imagegewinn eingefahren, viele Reisende hätten nun
auch für Destinationen, zu denen sie sonst fliegen, die Bahnreise als
komfortabel und verlässlich erlebt, ist die Bahn-Managerin überzeugt. Eine
ähnliche Situation mit starker zusätzlicher Nachfrage habe die Bahn bei der
Fußball-EM "Euro 2008" erlebt - allerdings lange vorher planbar. (APA)