Treffen der Entwicklungsländer in Cochabamba
Cochabama/Wien - Auf Einladung von Präsident Evo Morales hat am Dienstag im bolivianischen Andenort Cochabamba der alternative Klimagipfel begonnen. An die 20.000 Forscher, Aktivisten und Politiker - viele davon aus Entwicklungsländern - waren auf der "Weltkonferenz der Völker" eingeladen, um über Strategien gegen den Klimawandel zu debattieren.
Der Gipfel war aus der Frustration lateinamerikanischer Führer über den Verlauf des Kopenhagener Klimatreffens entstanden. Immer wieder hatten Staatschef Morales und sein Amtskollege Hugo Chávez aus Venezuela in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass die Schuld am Klimawandel vor allem bei den Industrienationen liege. Auch am ersten Tag der Konferenz prangerte Boliviens Uno-Botschafter Pablo Solón die "irrationale Industrialisierung" des Westens an.
Bereits im Vorfeld konnten die Teilnehmerstaaten erwirken, dass ihre Forderungen in den Text des geplanten UN-Klimavertrag mit einfließen werden. Der UN-Vertrag soll weitergehen als das Abkommen von Kopenhagen, und verpflichtende Grenzen für CO2-Emissionen einführen.
Unklar ist jedoch, wie weit die eigene Verantwortung der wirtschaftlich erstarkten Staaten Lateinamerikas ein Thema sein wird. Venezuela ist einer der weltgrößten Exporteure von Erdöl, und finanziert damit viele soziale Leistungen. Bolivien verfügt über die zweitgrößten Erdgasreserven, und schloss erst vor kurzem mit Brasilien ein Abkommen über die gemeinsame Ausbeutung seiner Bodenschätze ab. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 21.4.2010)