1993 zeigte Antanas Mockus, damals Rektor der Uni Bogotá,
demonstrierenden Studenten sein nacktes Hinterteil
Bogotas Ex-Bürgermeister Antanas Mockus könnte es in die zweite Runde schaffen
Kolumbien wählt am 30. Mai ein neues Staatsoberhaupt. Präsident Álvaro Uribe, der sich wegen seines erfolgreichen Kampfs gegen FARC-Guerilla und Kriminalität großer Beliebtheit erfreut, darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren.
Lange sah es aus, als ob niemand Uribes Wunschnachfolger, dem bisherigen Verteidigungsminister Juan Manuel Santos, gewachsen sei. Der Rechtspolitiker setzt im Wahlkampf auf das Sicherheitsthema und hat angekündigt, wie sein Vorbild mit harter Hand gegen Aufständische und Kriminelle vorgehen zu wollen.
Doch in den jüngsten Umfragen kommt überraschend der Kandidat der sonst unbedeutenden kolumbianischen Grünen, Antanas Mockus, auf 20 Prozent. Santos erreicht 30 Prozent. Wenn am 30. Mai kein Kandidat mehr als die Hälfte der Stimmen erhält, wird im Juni eine Stichwahl abgehalten.
Hochzeit im Zirkuszelt
Der Mathematiker Mockus, Sohn litauischer Einwanderer, ist vor allem in der Hauptstadt wegen seiner exzentrischen Auftritte und unkonventionellen Ideen bekannt: so erfand er den männerfreien Abend, an dem Bogota den Frauen gehört, und posierte mit einer schusssicheren Weste, die ein Loch hat - damit er sich auf das Herz greifen kann.
Aktuelles Wahlkampfvideo: Prominente für Antanas Mockus
Seine Hochzeit hielt er auf einem Elefanten reitend in einem Zirkuszelt, und um die Bevölkerung Bogotas von der Notwendigkeit seiner Reformen zu überzeugen, zeigt er sich in einem Superman nachempfundenen "Superbürger"-Kostüm an Straßenkreuzungen.
Als Präsidentschaftskandidat muss sich Mockus jetzt konservativer geben: er hat in Wahlkampfveranstaltungen versprochen, nichts zu zerstören, was die Regierung Uribe aufgebaut hat. Dass er kürzlich bekanntgab, an der Parkinson-Krankheit im Anfangsstadium zu leiden, hat seiner Beliebtheit jedenfalls nicht geschadet.
Auch die dritte Kandidatin, Ex-Diplomatin Noemi Sanin, könnte "Santos´ Wahlsieg in der ersten Runde verhindern: die ehemalige Botschafterin in London, deren Wahlprogramm aus einer Fortsetzung der Sicherheitspolitik Präsident Uribes und verstärkten Anstrengungen zur Armutsbekämpfung besteht, wird dem Ex-Verteidigungsminister Stimmen abnehmen. In einer möglichen zweiten Runde werden ihr allerdings kaum Chancen eingeräumt.
Morde an Zivilisten belasten Santos
Santos sieht sich indessen mit einer ganzen Reihe von Vorwürfen konfrontiert. Er hat mit der Befreiung der prominentesten FARC-Geisel Ingrid Betancourt und dem Luftgriff auf ein Guerillacamp in Ecuador, bei dem Kommandant Raul Reyes getötet wurde, zwar zwei Erfolge vorzuweisen.
Allerdings wurde kürzlich bekannt, dass Militärs in seiner Amtszeit mehr als tausend junge Männer verschleppt, ermordet und als im Kampf gefallene Aufständische präsentiert haben. Die Offiziere und Soldaten erhielten dafür Geldprämien und militärische Auszeichnungen.
Geheimdienst belauschte Oppositionelle
Der kolumbianische Geheimdienst DAS muss in Zukunft ohne US-Subventionen auskommen, weil Mitarbeitern der Behörde nachgewiesen wurde, dass sie Oppositionelle und Journalisten abhörten. Bisher ist es Santos nicht gelungen, sich von den Vorwürfen gegen seinen politschen Ziehvater Uriba zu distanzieren. (bed/derStandard.at, 20.4.2010)
Santos nicht unterschätzen und einfach als "Uribito" bezeichnen
Santos ist nicht Uribito (das war Felipe Arias
von agro robo seguro und ex-landwirtschaftsminister)
Santos wird als Chuky bezeichnet
hier ein foto von chuky und seinen falsos positivos:
hoffen wir das der nicht gewinnt,weil das bdeutet
nichts gutes fuer das gesundheits und bildungswesen
fuer das gemeinwohl ueberhaupt in kolumbien
fuer die militaers und die korrupte rosca natuerlich optimal.
Das würde Chavez nie wagen, er hätte auch viel zu viel zu verlieren. Einen Krieg gegen Kolumbien gewinnt er nie, wenn es ein einseitiger Angriffskrieg ohne ersichtlichen Grund wäre (und den scheint Kolumbien nicht zu geben), hätte er auch keine Unterstützung durch die Weltgemeinschaft.
Heruntergewirtschaftet hat er Venezuela übrigens nicht wirklich. Das Land war schon vorher am Boden. Und, das darf man ihm schon anrechnen, jetzt leben weniger Menschen unter der Armutsgrenze.
(Dass das nicht auf nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung basiert, sondern auf Öl-/Gas-Einnahmen-finanzierte Einmalaktionen, soll natürlich auch nicht unerwähnt bleiben.)
... das ist halt was Chavez gesagt hat, dass wenn santos praesident wuerde, das "einen krieg in der region generieren koennte" ... und nachdem kolumbien Venezuela nicht angreifen wird, .. warum auch, kolumbien hat ja genug probleme im eigenen land muss es wohl chavez sein, der sich hier auf einen angriff vorbereitet.
... das würd der Hugo in seinem Reich nicht zulassen. Ganz zu schweigen davon, dass er zuliesse, dass jemand er nicht mehr antreten dürfte und noch viel weniger, dass er jemanden anderen gewinnen ließe.
zu Antanas Mockus gibts interessante videolinks auf youtube
"bogotá cambió" - in sieben teilen eine doku über die veränderungen in Bogotá unter den Bürgermeistern Mockus und Peñalosa
und ein interview von marco negrón mit Mockus.
Der Mann hat so ein Niveau, einfach fantastisch. Wäre schön wenn er und sein Team Kolumbien so verändern könnte wie sie schon Bogotá verändert haben.
Man sollte Santos nicht unterschätzen und einfach als "Uribito" bezeichnen, schließlich gehört seiner Familie immer noch die größte Tageszeitung "El Tiempo". Also eher kein Putin-Medwedew Spiel ... Uribes Programm würde er aber dennoch weiterführen
Abgesehen davon, daß mich ein grüner Kandidat freut: Kolumbinen scheint zumindest halbwegs a Demokratie zu sein, wenn der populäre Amtsinhaber Uribe nach zwei Perioden tatsächlich nicht mehr kandidiert, weil er verfassungsmäßig nimmer darf (und nicht als Schattenkanzler weitermacht wie etwa Putin in Rußland).
In allen Demokratien ist es erlaubt, die Politik eines Vorgängers weiter zu führen. Das sagt nichts über die Demokratie aus. (Aber Ihr Versuch, das negativ darzustellen über die Verzweiflung, mit der Sie gegen Uribe bzw. die kolumbische Demokratie "argumentieren".)
ein total unverzeihlicher fehler, den uribito santos mit dem uribito arias zu verwechseln! spürnase castillo, im nebenberuf oberlehrer, ist wie üblich den wirklich wichtigen details der weltpolitik auf die schliche gekommen!
lieber Ernstl. Das zeigt einfach, dass Sie ideologisch festgefahren sind, und sich um die Details nicht scheren. Und gerade die sind in Kolumbien manchmal nicht wirklich überschaubar und damit um so wichtiger. Reine Kampfprosa hilft nicht wirklich weiter.
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