5.000 Dollar

Gizmodo setzt sich mit iPhone-Story in die Nesseln

Birgit Riegler , 20. April 2010, 14:24
  • Artikelbild
    foto: gizmodo

    Gizmodo-Blogger Jason Chen mit dem iPhone-Prototyp

Kauf des Prototyp von angeblichem Finder könnte rechtliche Folgen haben

Die Marketing-Maschinerie von Apple wird im Vorfeld von Produktpräsentationen hauptsächlich durch die Verbreitung von Gerüchten angefeuert. Offiziell lässt der Konzern aus Cupertino niemals Informationen an die Öffentlichkeit. Üblicherweise sind es Blogger und Journalisten, die aus "informierten Kreisen" technische Details und neue Features erfahren. Gelegentlich taucht auch das eine oder andere verschwommene Foto von prototypischen Geräten auf. Bei gewissen Leaks dürfte Apple selbst die Finger im Spiel haben. Doch, dass ein Gadget-Blog einen Prototyp eines ansonsten absolut unter Verschluss gehaltenen neuen iPhones in die Finger bekommt, ist neu und wirft die Frage auf, wie weit Journalisten und Blogger gehen dürfen.

Post von Apple als Bestätigung

Erste Fotos waren bereits vor Wochen auf Twitpic aufgetaucht, am Wochenende schließlich Engadget zugespielt worden. Der CEO von Gizmodo-Inhaber Gawker Media hat laut der New York Times bestätigt das Gerät vom Finder um 5.000 US-Dollar gekauft zu haben - wohlwissend, dass es sich auch um ein gestohlenes Gerät handeln könnte. Nach der Veröffentlichung einer ausführlichen Review und zahlreicher Fotos, haben die Blogger schließlich Post von Apples Anwälten erhalten. Apple würde das Gerät gerne zurückhaben. Laut den Berichten habe Apple den Prototyp als gestohlen gemeldet. Für Gizmodo ist der Brief aus Cupertino das letzte Puzzleteil, dass es sich wirklich um das nächste iPhone handelt.

Grenze überschritten

Gizmodo kostet die Geschichte um das "gefundene" iPhone genüsslich aus. Mit drei Artikeln macht der Gadget-Blog seine Website aktuell auf: "This Is Apple's Next iPhone", "How Apple Lost the iPhone" und "A Letter: Apple Wants Its Secret iPhone Back" - hohe Zugriffszahlen verstehen sich von selbst. Klarerweise wird jeder Informationsschnipsel bestmöglich verwertet. Doch in diesem Fall könnten sich die Blogger zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Es ist fraglich, ob die Blogger den Prototyp überhaupt kaufen hätten dürfen. Nach kalifornischem Recht muss der Finder eines verlorenen Gegenstands diesen dem Besitzer, sofern bekannt, zurückgeben ohne Forderung einer Kompensation, so der Guardian. Einen gefundenen Gegenstand zu verkaufen ist gesetzeswidrig - und der Finder müsste gewusst haben, dass der Prototyp Apple gehört, da er ihn sonst den Bloggern angeboten hätte.

Apple-Mitarbeiter geoutet

Ob geltendes Recht verletzt wurde, bleibt jedoch nicht die einzige offene Frage. Das Outing des vermeintlichen iPhone-Verlierers zeigt, dass die Blogger für eine gute Story offenbar über Leichen gehen. Laut Gizmodo hat der Software-Entwickler den angeblich als iPhone 3G getarnten Prototyp in einem deutschen Bierlokal in Redwood City versehentlich an der Bar liegen lassen. Ein anderer Gast habe das Gerät gefunden und festgestellt, dass es sich nicht um ein 3GS, sondern ein komplett neues iPhone handle. Der Besitzer - Apple - habe das Gerät per Fernzugriff allerdings deaktiviert, wie es im Normalfall bei einem verlorenen oder gestohlenen Handy auch passieren sollte. In einem Artikel outet Gizmodo den unglücklichen Apple-Mitarbeiter samt Namen, Foto, Screenshot seiner Facebook-Seite, seiner Ausbildungsstätte und Hobbys sowie einem Transkript eines Telefonats. Zum Schluss betonen die Blogger noch, dass Apple den Mitarbeiter nicht feuern sollte, da so ein Malheur jedem - auch Steve Jobs höchstpersönlich - passieren hätte können. Dass der Apple-Mitarbeiter dafür seine Zustimmung erteilt hat, ist schwer zu glauben.

Kritik

Die Leser des Blogs sind geteilter Meinung über die Veröffentlichung. Während einige meinen, dass dadurch Gizmodos Glaubwürdigkeit gestiegen ist und der Software-Entwickler sicher auch woanders einen Job finden würde, üben andere scharfe Kritik und hoffen, dass die Karriere des Entwicklers damit nicht zerstört wurde. Die weiteren Konsequenzen daraus, eventuelle Klagen und ob der Mitarbeiter entlassen wird, bleiben abzuwarten. Die Sicherheitsbestimmungen bei Apple dürften nun jedenfalls weiter verschärft werden. (Birgit Riegler/derStandard.at, 20. April 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 107
1 2 3
rough_rider
00
26.4.2010, 12:24
hat nicht ein chinese

selbstmord begangen, nachdem er einen 3GS prototypen verloren hat?

iPhone = 666 - bin ich jetzt auch verloren weil ich eins besitze?

:-(

solandre
 
00
25.4.2010, 18:40

die apfelgestapo hat dem ingenieur sicher schon auf den zahn gefühlt. sollte er die folter aufgrund reinen gewissens überstanden haben, wird seine bisherige leistung über seinen verweil bei der firma entscheiden, ansonsten werden sie ihn sicher solange in sicherheit wiegen, bis sie ihn vor gericht bringen.

mkt
00
25.4.2010, 17:28
Jobsicherheit eher gestiegen

Mal ehrlich, glaubt irgendjemand, dass Apple die Identität des iPhone-Verlierers nicht herausgefunden hätte? So steht er zumindest im Lichte der Öffentlichkeit und kann nicht still und leise gefeuert werden.

Irgendein Jürgen
04
22.4.2010, 00:55
Schräge Geschichte...

...das Ganze. Nur das Mitleid mit dem Apple-Mitarbeiter kann ich nicht nachvollziehen.

Ein iPhone-Prototyp ist nach dem Turiner Grabtuch und einer Kofferbombe wohl das wertvollste Ding das man mit sich rumtragen kann (für Apple-Freaks, nicht für die Menschheit). Damit in eine Bar zu gehen muss man sich erst mal trauen, ich würde mich mit dem Teil in der Tasche jedenfalls nicht wohl fühlen. Und erst recht würde ich es nicht so einfach irgendwo ablegen, das macht man nichtmal mit einem biligen 20€-Handy. Wer nen Barren pures Gold in einer Bar liegen lässt, der darf sich nicht wundern dass er irgendwann mal weg ist sondern muss mit den Konsequenzen leben.

dr.no3
00
21.4.2010, 18:49
und täglich gib uns die iPhone-Story 661

hassel the hoff
11
21.4.2010, 13:25

heute fliegen die verschwörungstheoretiker aber wieder tief! kann schon sein, dass apple hier und da gerüchte streut, aber den grossen auftritt mit dem neuen iphone würde sich jobs nie so vermiesen lassen, wie er jetzt vermiest ist.

aber die wirklich interessante frage ist ja: warum nehmen die leute, die sich am meisten über apple-rumors aufregen, mittels postings am aktivsten daran teil?

die Stimme von Maggie Simpson
00
21.4.2010, 13:19

Ein honeypot... mehr nicht.
Damit genüsslich bis zum echten Release entwickelt werden kann, die Blogger beschäftigt sind und sich jeder Gedanken macht drüber.

Wetten werden angenommen.

JueZ
00
21.4.2010, 13:16

Finde das neue iPhone nicht so schön ... das kann doch Apple besser.

rigardi
00
21.4.2010, 12:39

ich kann mir durchaus vorstellen, dass der "Verlierer" der Veröffentlichung zugestimmt hat. Eine Entlassung hätte -aufgrund der Bitte von Gizmondo und noch mehr aufgrund seiner dadurch entstandenen Bekanntheit- ziemlich schlechte Presse für Apple zur folge. Ergo hat er sich damit vll. seinen Arbeitsplatz (vorerst) gesichert, sollte Apple in solchen Fällen standardmässig kündigen.

Fintenklex
00
21.4.2010, 12:37

Eigentlich egal ob gewollt oder ungewollt "verloren" aber, dass Name etc. des Angestellten veröffentlicht werden finde ich doch zuviel. Immerhin kann man damit, gerade bei den Informationsgeilen Amis..., der Person langfristig ziemlich schaden.
Zur Richtigkeit des Kaufes gestohlener oder verlorener Dinge. Grüße an unsere Nachbarin die Angie. Wenns jetzt eine deutsche Bar war... dann kännte man ja argumentieren, dass dort deutsche Rechtssprechung herrscht und somit alles legal war. ;)

Jojo07
20
21.4.2010, 12:36
Und schon wieder ...

... fährt Apple eine äußerst gefinkelte Werbekampagne. Alle lesen den Krampf (ich eingeschlossen) und merken nicht, dass das nichts anderes als Werbung ist.

Warum hab ich keine Apple-Aktien??? Ich würde mir wie all die anderen Aktionäre die Hände reiben - so leicht und so kostenlos bekommt sonst niemand Werbe-Aufmerksamkeit!!! Das dumpfe Konsum-Vieh (mich eingeschlossen) läßt sich mit den billigsten Tricks zur Tränke führen!!

Fame
10
21.4.2010, 12:24

1.) glaub ich kaum, dass das neue iPhone einfach so in einer Bar liegen gelassen wird - wenn jemand mit einem Apple Prototyp überhaupt das Gelände verlassen darf dann sicher niemand der es einfach in einer Bar vergisst.. Es gibt zwar das Argument der "Feldtests in realistischer Umgebung" aber - die werden doch nicht einfach einem X Beliebigen Mitarbeiter einen Prototyp anvertrauen mit dem er dann "frei" herumrennen darf - ich denke mal da werden vl 10 Leute losgeschickt mit der Order "testet das Gerät und in 3 Stunden sind alle wieder im Büro!!"

2.) das Gerät wurde über MobileMe deaktiviert - weiß dann Apple nicht sowiso wer der "Verlierer" dieses Gerätes war?

GooglehupferIn
00
21.4.2010, 12:11
Da kannst nur neidlos anerkennen und sagen "Hut ab".

Apple verliert, wie könnte es anders sein, rein zufällig ein iPhone, bestätigt dann dass es von Apple ist. Aber keiner weiß ob es das wirkliche neue iPhone ist oder ob das Ding nur zum Abstauben von Gratis PR und Werbung im Wert von Millionen angefertigt wurde. Besser gehts einfach nicht.

Stefan Mitmansgruber
00
21.4.2010, 11:50

Sollte es nicht über MiniUSB zu laden sein?

Semprini?
00
21.4.2010, 14:41
Hab ich mich auch gefragt

Das war aller ding nur eine freiwillige Einigung auf microUSB der großen Handyhersteller auf Druck der EU hin...

sid1080
 
1212
21.4.2010, 11:38
kurze Umfrage

Unter der Prämisse das iPhone ist echt:

grün: iPhone wurde wirklich verloren/gestohlen
rot: von Apple absichtlich unter die Leute gebracht

anlumo
00
21.4.2010, 11:49

Bei absichtlichen Leaks klagt Apple nicht. Schon häufig so passiert.

dmos
01
21.4.2010, 12:42

Im Artikel steht nichts von einer Klage.

major grubert
00
21.4.2010, 12:06
wie

durchschaubar.
trauen sie apferl wirklich so wenig zu?

Gerhard Müller
04
21.4.2010, 11:20
Alles was neu ist, ist ja im Grunde genommen alt:

Was will Apple damit erreichen?

Infos, die bisher alle ahnten aber nicht wussten:

1. Amoled-Display (welch Überraschung!)
2. Die Auflösung (nun ja, da hat man halt die zeilen und Spalten gezählt.
3. Die Form (nicht verwunderlich, dass es von der bisherigen um 2% abweicht).
4. Kamera. (oh, eine Kamera auf einem Handy, wie revolutionär!)

Das war alles. Nichts davon ist etwas, was nicht jeder schon vorher wusste. Aber nun ist es halt offiziell.

Sonst weiß man nix drüber. Ist ja auch egal.

Die Fanboys halten es nicht aus, wenn sie nicht zumindest 2x am Tag von einer sensationellen Neuigkeit erfahren.

Apple macht es wirklich gut. Was hat das gekostet gegenüber einer üblichen Marketingaktion?

Nix.

hp12c
00
21.4.2010, 11:14
joe wilcox meint:

"Perhaps this marks the distinction between bloggers and journalists. I would have contacted Apple about returning a device so obviously stolen. There is grave difference between obtaining secret information for the public good and what Gizmodo did: Obtain property containing trade secrets belonging to a public company. Gizmodo has violated the public trust and broken the law. Free speech isn't a right to pay freely for something clearly stolen. ... Gizmodo did more than cross the line here. The blog lept a chasm no less wide than the Grand Canyon. The legal ramifications could, and quite probably should, be as deep."

/dev/stderr
00
21.4.2010, 11:13
Es fehlt die Erwähnung, dass bevor der Finder das Ei Gizmodo angeboten hat,

er es an Apple zurückgeben wollte, dort aber am Support gescheitert ist. Und wie im Blog richtig erwähnt wird, bevor das Ganze von einem "Genius" auf eBay verkauft wird...

Das sie den Entwickler so diffamieren ist btw totaler BS...

Charlie Brown
01
21.4.2010, 10:44

a) "Das Outing des vermeintlichen iPhone-Verlierers zeigt, dass die Blogger für eine gute Story offenbar über Leichen gehen."

Ach er wurde ermordet?

b) Wenn Journalismus nicht mal mehr sowas darf (über ein geleaktes Produkt berichten), weil es ungesetzlich ist, verzichtet der Standard in Zukunft hoffentlich auch auf sämtliche Informationen, die eigentlich einem NDA oder gesetzlichen Schweigepflichten unterlegen wären, oder?

Derpeitschenpeter
00
21.4.2010, 11:23

a) "über Leichen gehen" ist eine Redewendung. Wie kann man sowas wörtlich nehmen?
b) Nicht der Bericht wird kritisiert, sondern die Tatsache, dass der Kauf des Geräts scheinbar illegal war.

Wie kann man so zwanghaft Gründe zum Nörgeln suchen? Berufsösterreicher?

Charlie Brown
00
21.4.2010, 18:53

@a) Weil es eine bescheuerte Redewendung ist.
@b) Wehe Journalisten bezahlen jemals wieder Informanten, die ihnen Dinge liefern, die sie nicht wissen dürften.
@Nörgeln: Das tut hier der Autor des Berichts.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 107
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.