Als "Geek Power" die Welt veränderte

21. April 2010, 08:24
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Aus Hackern wie Bill Gates wurden Multi-Milliardäre - Andere wie Richard Stallman pochen weiter auf frühen Hacker-Ethos

Als im Jahr 1984 das Buch "Hackers: Heroes of the Computer Revolution" erstmals veröffentlicht wurde, war es wohl die erste umfangreich Bestandsaufnahme einer damals noch recht wenig beleuchteten Kultur: Der jener Computer-Geeks, die in den folgenden Jahren die Welt mit ihren Entwicklungen nachhaltig verändern sollten.

Revisited

Für ein aktuelles Feature im US-Magazin Wired hat Buchautor Steven Levy einen Teil der damalige Protagonisten noch einmal besucht, und dokumentiert damit auch, wie sehr sich das Computerbusiness in den letzten 25 Jahren verändert hat. Als er etwa Bill Gates einst gegenüber saß, habe es dieser noch kaum geschafft, dem Interviewer direkt in die Augen zu sehen, wandte sich während des Interviews auch immer wieder dem Computer zu. Über die Jahre sollte  der damalige Microsoft-Boss allerdings gehörig an Selbstsicherheit gewinnen, vor allem der Hype rund um Windows 95 brachte Gates jede Menge Publicity und seine spätere Rolle als Multi-Milliardär und Tech-Titan ein.

Alles wird anders

Doch Geld und Berühmtheit sind nicht die einzigen Dinge, die sich in den letzten 25 Jahren verändert haben, wie auch Gates selbst bereitwillig eingesteht. Sein besten Hacker-Zeiten habe er bereits lange hinter sich, attestiert der Microsoft-Gründer. Diese seien ohnehin schon in sehr frühen Zeiten gewesen, so zwischen 13 und 16 habe er eigentlich rund um die Uhr nichts anderes gemacht als Code geschrieben. Diese Hingabe wurde später auch Teil seines Anforderungsprofils an neue Mitarbeiter - "schau dir an welchen Code eine Person geschrieben hat, bevor du sie einstellst", formuliert es Gates selbst, nur um hinzuzufügen "und wenn sie keinen Code geschrieben hat, stell sie gar nicht erst ein". Bis heute glaubt Gates selbst an diese "Intensität" der Hacker-Kultur, auch wenn er selbst sie nicht mehr so lebt wie früher: "Wenn man sich dazu entscheidet, eine Familie und Kinder zu haben, gibt man einen Teil dieses Fanatismus auf".

Abkehr

Der kommerzielle Erfolg von Bill Gates Unternehmungen ist allerdings auch nicht zuletzt davon geprägt, dass er einen Teil des ursprünglichen Hacker-Ethos hinter sich gelassen hat, wie Levy attestiert. "Reine" Hacker hatten sich immer für die kostenlose Weiterverbreitung von Code, für die Verbesserung der Arbeiten anderer stark gemacht, Gates pochte hingegen sehr schnell auf klassische Eigentumsrechte, und setzte diese im digitalen Zeitalter mit großen kommerziellen Erfolg fort.

Open Source

Doch auch die vollständig andere Seite der Protagonisten aus Levys Buch hat über die Jahre nachhaltigen Einfluss auf die Computerkultur gehabt. So hatte der Autor bereits 1984 Richard Stallman als den "letzten der echten Hacker" bezeichnet, der damals schon den "traurigen Niedergang der Hacker-Kultur" beklagte. Und auch wenn Stallman im Gegensatz zu Gates keine Milliarden anhäufen konnte, schuf er doch mit dem GNU-Projekt die Grundlagen der Open-Source-Bewegung - einer offenen Entwicklungsweise, der sich selbst Microsoft nicht mehr gänzlich verschließen kann. (red, derStandard.at, 20.04.10)

  • Ausschnitt aus dem Film "Hackers: Wizards of the Electronic Age"
    screenshot: redaktion

    Ausschnitt aus dem Film "Hackers: Wizards of the Electronic Age"

  • Bill Gates (war zu schnell mit dem Auto unterwegs)

    Bill Gates (war zu schnell mit dem Auto unterwegs)

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