Das Land brauche diese Schritte, um wirtschaftliche Krise zu überwinden - Kritik an Unterdrückung der Oppositionellen
Havanna - Der Kardinal von Havanna, Jaime Ortega, hat die kubanische Führung zu raschen Reformen aufgefordert, um die wirtschaftliche Krise des sozialistischen Inselstaates zu überwinden. Der Führer der katholischen Kirche Kubas verlangte zudem am Montag den Beginn eines Dialoges mit den Vereinigten Staaten, zu denen Kuba seit den 1960er Jahren keine Beziehungen mehr hat.
Ortega sagte, das Land befinde sich in einer seiner schlimmsten Krisen in der jüngeren Geschichte des Landes. Das Land leide an der schlimmsten wirtschaftliche Krise seit der Rezession, die auf den Zusammenbruch der Sowjetunion folgte. Dies wie das Hochhalten des US-Handelsembargo und die vergangenen Hurrikans hätten wirtschaftliche Schäden hinterlassen.
Der Kardinal von Havanna rief die Parteiführung außerdem dazu auf, politische Gefangene freizulassen. Seine Kritik erfolgte auch angesichts zunehmender Unterdrückung von Oppositionellen in Kuba: Am Sonntag hatten erneut Regimetreue einen Protestmarsch der "Damas des Blanco" vereitelt, die die Freilassung ihrer 2003 verurteilten Männer verlangen. Immer noch befindet sich der Dissident Guillermo Fariñas in einem Hungerstreik, um die Freilassung erkrankter politischer Häftlinge zu erreichen.
"Kritischen Kreis durchbrechen"
In einem Interview der Internet-Zeitschrift "Palabra Nueva" sagte der Kardinal, das Land befinde sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Deshalb müssten die notwendigen Änderungen sofort ergriffen werden. "Ich glaube, diese Meinung wird landesweit geteilt und ihre Hinauszögerung erzeugt Ungeduld und Unbehagen im Volk."
Der Dialog mit Washington ist nach Meinung Ortegas der erste nötige Schritt, um den "kritischen Kreis zu durchbrechen". US- Präsident Barack Obama habe als Voraussetzung für die Aufhebung der Sanktionen unter anderem eine Verbesserung der Menschenrechtslage in Kuba verlangt.
Laut BBC ist es nicht das erste Mal, dass der 73-Jährige laut Kritik übt. Nur seien seine öffentlichen Stellungnahmen ini diesem Interview schärfer als üblich ausgefallen. Die Menschen würden offen über die Mängel in Kubas Sozialsystem sprechen, bewertet Ortega weiter, und sie würden es "eine stalinistische Bürokratie" nennen, die apathische Arbeiter und magere Erträge zur Folge habe. (red/APA/dpa, derStandard.at, 20.4.2010)