Chaos am Himmel über Europa

19. April 2010, 23:20

Das Wirrwarr nationaler Sperren hat die Folgen der Vulkanasche noch verschärft

Nach den Attentaten des 11. September 2001 war der US-Luftraum aus Angst vor neuen Anschlägen mehrere Tage gesperrt. Heute wissen wir, dass dieser Schritt nicht notwendig gewesen wäre: Es waren keine weiteren Terroristen unterwegs.

Ob die jetzigen Sperren im europäischen Luftraum vernünftige Vorsichtsmaßnahmen oder überzogene Panikreaktionen sind, werden wir wohl nie genau erfahren. Die Vulkanasche aus Island ist nicht nur unsichtbar, ihre Gefährlichkeit für Flugzeuge ist auch besonders schwer abzuschätzen. Die Angst vor ihr beruht auf den Erfahrungen einiger Piloten, die durch solche Wolken durchgeflogen sind. Der Rest ist eine - wenn auch wissenschaftlich fundierte - Spekulation.

Gerade wegen dieser Unsicherheit ist es für die Behörden nicht leicht, den Forderungen der Fluglinien nach einer raschen Öffnung des Luftraumes nachzukommen. Bloß weil einige Flugzeuge unbeschadet gestartet und gelandet sind, heißt es nicht, dass das Fliegen für zehntausende Passagiermaschinen bereits sicher ist. Der Zorn von Airlinechefs wie Niki Lauda ist angesichts ihrer Millionenverluste verständlich, aber das macht ihre Einschätzung nicht glaubwürdiger.

Andererseits dürfen sich die nunmehr massiv angegriffenen Behörden nicht auf den Standpunkt zurückziehen, dass nur das Kriterium der Flugsicherheit zählen darf. Würden sie dem absoluten Vorsichtsprinzip folgen, müssten sie das Fliegen überhaupt verbieten. Auch die Folgerisiken müssen beachtet werden: Nach 9/11 ist die Zahl der Verkehrsopfer auf Amerikas Straßen stark gestiegen, weil viel mehr Menschen mit dem Auto gereist sind. Das Gleiche wird wohl in Europa der Fall sein.

Notwendig wäre daher ein nüchternes Abwägen zwischen dem gestiegenen Flugrisiko und den hohen finanziellen, aber auch sozialen, kulturellen und persönlichen Kosten einer anhaltenden Luftraumsperre. Einzelne wichtige Flugkorridore müssen rasch geöffnet, die Sperren zeitlich und räumlich auf das absolut notwendige Maß reduziert werden. Eine solche Vorgangsweise wird umso wichtiger, je länger der Vulkan auf Island Asche in die Atmosphäre spuckt. Die Einigung der EU-Verkehrsminister vom Dienstagabend wird diesen Vorgaben zum Teil gerecht.

Doch in den vergangenen Tagen haben die Flugsicherheitsbehörden und ihre vorgesetzten Politiker ein Bild abgegeben, das dem Chaos auf den Flughäfen gleicht. Schuld daran ist vor allem die Zersplitterung der europäischen Flugsicherung, die bereits im Normalbetrieb für hohe Kosten und ständige Verzögerungen sorgt. Obwohl sich alle Behörden auf die gleiche Informationsquelle, eine einzige Computersimulation aus London, berufen, entscheidet dann jedes Land für sich, ob Flughäfen und Luftraum gesperrt werden. Österreich ist offen, Norditalien aber zu, Wien ist in Betrieb, Bratislava nicht - mit optimierter Sicherheit hat dieses Wirrwarr nichts zu tun.

Und bis Montag, also fünf Tage nach dem Ausbruch, wurde kein einziges Mal die wirkliche Staubkonzentration in der Luft über Europa gemessen. Wie bei vielen anderen Krisen ist die Schlussfolgerung klar: Die EU-Staaten müssten viel weniger nationale und mehr zentrale Entscheidungen treffen. Die Eurocontrol braucht stärkere Kompetenzen, sowohl für das Tagesgeschäft wie auch für Notfälle. Es gibt nur einen Luftraum über Europa. Der kann nur gemeinsam geregelt werden. (Eric Frey/DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
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hubert hase
00
25.4.2010, 05:33
leute, denkt mal nach....

..aufgrund eines ca. 2000 km entfernten vulkanausbruches wird fast der komplette luftraum europas gesperrt...?!?
informiert euch doch mal, auch durch andere medien als durch tv & presse...schaut euch satellitenbilder an - wo verdammt sollten die "riesigen" aschewolken bitteschön sein??
die ergebnisse der messungen der testflüge sollten in einer pressekonferenz am nachmittag (wieso wohl gerade um diese zeit?) bekanntgegeben werden - diese fiel jedoch aus...

dafür berichten viele menschen im internet, dass sie während des flugverbots einen so klaren blauen himmel gesehen haben, wie schon lange nicht...(-->chemtrails )

DENKT NACH!!!

der_geniesser
01
20.4.2010, 18:02
es erstaunt mich immer wieder....

"Andererseits dürfen sich die nunmehr massiv angegriffenen Behörden nicht auf den Standpunkt zurückziehen, dass nur das Kriterium der Flugsicherheit zählen darf. Würden sie dem absoluten Vorsichtsprinzip folgen, müssten sie das Fliegen überhaupt verbieten."

.....dass frey immer noch mehr schwachfug schreiben kann?

wenn hr. frey fliegen prinzipiell zu gefährlich findet, dann
1) braucht hr. frey generell nicht fliegen, er wird ja hoffentlich nicht dazu gezwungen
2) dann erübrigt sich sein kommentar, denn wenns sowieso zu gefährlich ist, macht die vulkanasche ohnehin keinen unterschied.

also wozu das ganze geschriebsel?

vom anderen Sternli
00
20.4.2010, 17:00
Nationalismus

Das Wirrwar ist ein letzter Rest von Nationalismus in einem vereinigten Europa. Je nachdem, wie sich die Lobby der Flugindustrie durchsetzen kann, werden Sicherheitsstandards zurückgefahren. In Österreich schein die AUA und der Herr Lauda da besonders erfolgreich zu sein!
Das tollste ist dabei, dass man das böse britische VAAC dafür verantwortlich macht. Nationalismus pur. In Wirklichkeit ist für den österreichischen Luftraum das VAAC in Toulouse zuständig, das in diesem Fall allerdings die Daten der britischen Kollegen übernimmt. Franzosen und Engländer: Die wollen doch nur der österreichischen Luftfahrtindustrie schaden.
Sch... Nationalisten!

t-bonesteak
11
20.4.2010, 15:07
Und bis Montag, also fünf Tage nach dem Ausbruch, wurde kein einziges Mal die wirkliche Staubkonzentration in der Luft über Europa gemessen.

das sagt alles über diese farce.

Simplicius Simplicissimus
02
20.4.2010, 13:23
Dasselbe ...

... muss auch für gentechnisch verändertes Saatgut gelten. Es gibt keine Langzeitstudien aber wissenschaftlich erwiesene Erhöhung des pflanzeneigenen Insektengiftes in einer Konzentration, dass Genmais in Deutschland vor 2 Jahren verboten wurde. Schmähhalber nach der Aussaatzeit. Ich erwähne das nur, weil sich Herr Frey so sorgenvoll für das Leben seiner Mitbürger einsetzt, so nüchtern und abwägend, sozial, kulturell und persönlich. Frey sein ist sicher nicht das Schlechteste ...

suboptimal
 
03
20.4.2010, 13:57
Frey sein

ist ein bissel wucki .... :-)

Henry Flower
00
20.4.2010, 13:20
Die Vorsichtsmassnahmen werden nur so lange als überzogen

bezeichnet, bis es mit dem ersten Linienflugzeug ernste Probleme gibt.

Dann würden die Fluglinien bestenfalls auf einem Schlag sehr still, vielleicht würden sie aber die Behörden wegen Fahrlässigkeit zum beflegeln anfangen.

Was solls, ich bin in der Zeit aufgewachsen, in der man als normaler Mensch mit Nachtzügen und Fähren unterwegs war - das war auch erschwinglicher als Fliegen - und wenn das wieder käme denke ich dass ich's gut aushalten würde. Obwohl ich fast 3 Tage Zug- und Schiffsreise von meinem Haimatland entfernt lebe.

t-bonesteak
10
20.4.2010, 15:08
wenn nicht ein einziges mal

festgestellt wird, was genau da in der luft ist, dann halte ich die bezeichnung "vorsichtsmaßnahme" für absurd.

Mika Eskimo
 
00
20.4.2010, 13:06

Man bräuchte sich nur darauf einigen, das jedes Land ein paar hochbezahlte paritätisch zu besetzende Versorgungsposten bekommt und schon wäre die Flugsicherheitsbehörde internationalisiert.

Protagoras v. Abdera
10
20.4.2010, 13:00
Schade, ich hätte mir mehr Kreativität vom Wirtschafts-Guru erwartet.

Überlasst die Entscheidung wer fliegt und wer nicht doch den Märkten. Die Airline die abhebt und einen Crash baut wird sich wohl selbst vom Markt bereinigen, weil sie das Vertrauen verliert. Die Menschen, die dabei umkommen haben schließlich einen freien Vertrag zur Beförderung geschlossen. Da der Markt durch alle menschlichen Schleier hindurch immer bis auf den Kern der Wahrheit blicken kann, wird er auch dieses Problem lösen können.

jumpingjack flash
00
20.4.2010, 12:36

hm, warum hängt man nicht im labor eine turbine an und testet sie in staubiger luft - ohne den versuch kann mal übers triebwerkverhalten wenig ausgesagt werden - ein paar "testflüge" sind zuwenig.

nodiesop
03
20.4.2010, 12:14
es war aber herrlich ruhig in den letzten Tagen

könnte so bleiben...

Tramontana
04
20.4.2010, 11:50
"Es gibt nur einen Luftraum über Europa..."

Etwas blöderes habe ich selten gelesen, Herr Frey.

Es gibt sogar nur einen Luftraum über der ganzen Welt. Und überhaupt gibt es nur eine Welt. Wir sollten also so etwas wie eine Weltregierung und eine World-Airspace-Controll einführen, die allerdings strikt nach den Reglen der Weltwirtschaft entscheiden müssen.

Herr Frey, Ihre Kommentare werden immer sinnfreyer und kaum ein Standardleser nimmt Sie noch ernst. Wie auch, wenn man zu allem seinen unmaßgeblichen Senf beitragen will? Das mag zwar für Ihren privaten Mittags- oder Abendtisch reichen, nicht aber für einen Artikel in einer Zeitung.

kassier.bei.billa
 
30
20.4.2010, 10:51
Perverses Wirtschaftssystem

Dass eine solche Lappalie derartiges Aufsehen erregt, zeigt einmal mehr, wie kurzfristig und unbedacht im auslaufenden Kapitalismus kalkuliert wird.

pretty1
20
20.4.2010, 11:45
....bleib besser Kassier bei Billa und kommentiere Themen, von denen Du was verstehst !!

Tramontana
00
20.4.2010, 11:52
Pretty and silly?

Süffisant
02
20.4.2010, 10:41
wenn der artikel schon....

anfängt in bezug auf 9/11 mit den worten "Heute wissen wir...", dann kann der artikel nicht gut weitergehen. denn wir wissen auch nach 9 jahren nicht wirklich viel über 9/11, es werden alle informationen gut unter verschluß gehalten.
die chancen, dass wir in 9 jahren schon mehr über die gefahren einer aschenwolke wissen werden, sind demgegenüber schon viel größer.

t-bonesteak
00
20.4.2010, 15:10
"denn wir wissen auch nach 9 jahren nicht wirklich viel über 9/11,..."

diese formulierung ist irreführend. sie (und ihre vt-kollegen) wollen einfach eine offizielle bestätigung für ihre kruden theorien hören.

lobo marunga
010
20.4.2010, 10:30

eric frey macht den lauda: experte für eigentlich eh alles...

Toxo Logic
 
04
20.4.2010, 10:02

Die Angst vor der Gefährlichkeit von Vulkanasche beruht auf wissenschaftlich fundierter Spekulation...........
So einen Blödsinn liest man selten. Der Sinn der Wissenschaft ist es Spekulation auszuschließen. Die Wissenschaftler sagen, es gibt keine Grenzwerte für Aschekonzentrationen bis zu denen Triebwerke schadlos funktionieren, weil das nicht ausreichend getestet wurde - wir können nicht überall die Konzentration im Luftraum messen, weil dafür nicht genügend Messgeräte zur Verfügung stehen.
Spekuliert wird von den Airlines und den Flugkontrollen. Es wird gezockt ob bei den vorhandenen Daten die Flieger oben bleiben oder abstürzen. Das hat Ähnlichkeiten mit der Börse, Tendenz steigend, aber einzelne Aktien stürzen trotzdem ab.

standardabweichung
00
20.4.2010, 09:50

die sperre des luftraumes 9/11 wurde lediglich durch die sichere air borne verbringung der sich in den usa befindlichen familiemitgliedern bin ladens nach saudi arabien durchbrochen

staunender
00
20.4.2010, 09:36
Zersplitterung der europäischen

Flugsicherung. Wäre nicht auch ein Merger der lokalen Wettergegebenheiten sinnvoll - wäre dies nicht auch ein Thema, dass die Politiker endlich die Windrichtungen in Europa den ökonomischen Erfordernissen anpassen (natürlich, zwischen den Zeilen haben Sie das auch gefordert).
Übrigens, spannend wird es, wenn jetzt tatsächlich ein Flugzeug einen Unfall verursacht. Dann können Sie dann tatsächlich die Branche vergessen, solange auf irgendeinem Vulkan ein Raeuchlein aufsteigt.

Erzsébet Lucas
12
20.4.2010, 08:58

Wirtschaftjournalisten und Manager sind wirklich das nervigste Pack

Toni Meister
01
20.4.2010, 09:18
Einfach gesagt

" Experten für alles ".Lol.

Toni Meister
00
20.4.2010, 08:43
Verrechnet

http://www.salzburg.com/epaper/PH... 80,170,267

Millionenschäden?.Wissenschaftler hegen Zweifel.

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