DAS AKTUELLE BUCH

Vom "guten Leben" auf bolivianische Art

Erhard Stackl, 19. April 2010, 19:31

Ein neues Buch beschreibt, wie der in ärmsten Verhältnissen geborene Morales dazu kam, sein Heimatland völlig umzukrempeln

Beim gescheiterten Kopenhagener Klimagipfel Ende 2009 erstritt sich Boliviens Präsident Evo Morales, der gar nicht mehr auf der Rednerliste stand, das Wort und versuchte die Weltgemeinschaft mit einer Brandrede aufzurütteln: Als erster Indio an der Spitze seines Landes verurteilte er die weltweit herrschende "Kultur des Todes, des Lebens auf Kosten anderer". Ihr stellte er die uralte Vision der Andenbewohner von der "Pachamama" gegenüber, der Mutter Erde, die es zu bewahren gelte.

Diese Woche hat Morales soziale Bewegungen zu einer alternativen Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel ins bolivianische Cochabamba eingeladen, wo das indigene Konzept des "vivir bien (gut leben)" in Bescheidenheit und Harmonie mit der Natur besprochen wird.

Wie der 1959 in ärmsten Verhältnissen geborene Morales dazu kam, sein Heimatland völlig umzukrempeln und dies auch noch als Vorbild für andere zu propagieren, hat Robert Lessmann in seinem Buch über Das neue Bolivien nachvollziehbar beschrieben. Zur besseren Orientierung holt der Politologe Lessmann, der Morales seit Jahren kennt, weit in die Geschichte aus. Von der frühen Tiwanaku-Kultur, die es noch vor der Inka-Zeit gab, geht die Reise über die Kolonialära bis zur politisch unruhigen, von etlichen Militärputschen gekennzeichneten Republik. Konstant blieb, dass mit den Rohstoffen (Zinn, Silber, Erdgas) einige wenige reich wurden, während das Volk arm blieb.

Ein Teil der Landbewohner verlegte sich auf den Anbau von Kokablättern, zugleich Kultpflanze und Stärkungsmittel im Gebirge. Weil daraus auch Kokain hergestellt wird, gerieten die Kokabauern ins Visier der Drogenjäger. Doch ihre Gewerkschaft, zu deren Anführern seit 1984 Morales zählte, kämpfte zäh um das Überleben ihrer Lebensweise. Das damit erreichte Vertrauen brachte Morales 2006 die Präsidentschaft ein, die seither trotz Widerstands vor allem der Reichen mehrfach bestätigt wurde. (DER STANDARD, Printausgabe 20.4.2010)

Robert Lessmann: "Das neue Bolivien".

€21,50/252 S., Rotpunktverlag Zürich 2010

groebben
01
20.4.2010, 12:38

Also manchmal wundere ich mich schon sehr ueber den Standard. Da findet in Bolivien eine sehr wichtige Regionalwahl stadt die Bolivien umgekrempelt hat (MAS verliert in 4 Monaten 20% der Waehlerstimmen, eine neue Politische kraft ensteht im Land mit MSM, der "media luna" der Opposition wurde zerschlagen,...) - und der Standard verliert darueber kein Wort. Wenn es aber ein neues Buch ueber Morales gibt (es gibt so an die 4 Milliarden Buecher ueber ihn), dann ist das ein Artikel Wert.
Komische Nachrichtenwahl hier...

griasdi
00
20.4.2010, 15:56

hast du einen (halbwegs objektiven) link zu dem thema?

groebben
00
20.4.2010, 17:54

Nein, auf deutsch findet man immer ziemlich wenig gute Artikel ueber Bolivien meiner Meinung nach. Ich lese immer die staatlichen Nachrichten sowie die oppositionellen Medien und versuche die Wahrheit zwischen beiden zu finden. Denke, das ist der beste Weg sich ein gutes Bild zu machen.
Die Wahlergebisse pro Departamento finden sie hier:
http://www.cne.org.bo/CNEResult... al2010.htm
Die MAS hat in 6 von 9 Departamentos gewonnen, jedoch nur in den wenigsten die absolute Mehrheit geholt. Jedoch hat sie in den Oppositionellen Hochburgen stark zugelegt bzw jetzt auch gewonnen.

borake
00
20.4.2010, 10:33
morales einer der wenigen lichtblicke in der eher traurigen politischen landschaft!

Malkaye
00
20.4.2010, 00:40
hier in europa ist das system zu festgefahren und die menschen zu träge geworden, ob des überflusses

ich bin sicher, wenn die welt sich zum positiven wenden soll, so wird der impuls aus der erstarkenden peripherie kommen. JE "EVOer" UMSO SCHNELLER!

Träume sind Schäume.
60
19.4.2010, 21:32
Recht hat er!


Sozialismus und "Bescheidenheit" lassen sich gut verbinden, treten genaugenommen systembedingt zusammen auf.
Das heißt aber auch bei den ärmlichen Verhältnißen bleiben.

Es sei denn,.. was ist eigentlich in Südamerika los, warum berufen sich Sozialismusführer auf feudalistisch kultreligiösre Herrschaftsformen?
Marx würde sich im Grab umdrehen ;)

black jack
00

"... Verhältnissen ..."


Und es sind noch einige andere haarsträubende Fehler in Ihrem Posting - nicht nur sprachliche.

Der Neue Mensch
00
20.4.2010, 09:32

Sie berufen sich nicht nur auf "feudalistisch kultureligiöse Herrschaftsformen", sondern gleichzeitig auch auf *den* Vertreter der südamerikanischen Oligarchie, nämlich Bolívar. Der war alles andere als ein Freund der Indios, Negersklaven, Pardos, etc., als der er heutzutage hingestellt wird.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.