Städtepartnerschaften

Gemeinsame Pläne für die Donaumetropolen

Alexander Fanta, 19. April 2010, 18:48

Wien soll Partnerstädten bei Entwicklung helfen – Bildungskooperation noch schwach

Wien - Stichwort am Montag im Wiener Rathaus war das Verb "intensivieren". Am Vormittag unterzeichneten Bürgermeister Michael Häupl und sein slowakischer Amtsvetter Andrej Durkovsky aus Bratislava gemeinsam ein schmales Papier, dass die weitere Partnerschaft der beiden Städte in Sachen gemeinsame Verkehrsstrukturen und Umweltschutz besiegeln soll. "Wir setzen mit bewährten Freunden fort", sagte Durkovsky, der gepflegtes Deutsch spricht. Häupl revanchierte sich mit lobenden Worten über die "Erfolgsgeschichte" Bratislavas.

Im gleichen Donau-Boot

Am Nachmittag versammelt sich dann im Rathaus Vertreter - darunter Außenminister Michael Spindelegger und der slowakische Vizepremier Dušan Èaploviè - zum Beginn der diesjährigen Konferenz der Staaten des Donauraums, der 14 Länder umfasst - von Deutschland bis zur Ukraine. Vor allem die Metropolregionen von Wien bis Belgrad sollen gemeinsame Konzepte zu Stadtentwicklung und Verkehr entwickeln. Wien soll als "primus inter pares" unter den großen Donaustädten Know-how liefern.

So beraten etwa die Wiener Stadtplaner Belgrad beimBau seines U-Bahn-Systems und informieren die slowakischen Behörden über gut funktionierende Modelle bei der Umwandlung von industriell "belasteten" Flächen zu Bauland oder Parks.Der Aufwand würde sich für Wien auszahlen, erklärte der Wiener Stadtrat Rudolf Schicker, da auch österreichischeUnternehmen bei Aufträgen in diesen Städten zum Zug kämen, beispielsweise bei der Fertigung vonU-Bahn-Zügen.

Baustelle Bildung

Bisher wenig tut sich bei der Kooperation im Bildungsbereich. Nur 200 Schüler lernten etwa im vergangenen Schuljahr in Wien Slowakisch als zweite lebende Fremdsprache. Trotz Intensivierung der Beziehung müssen sich österreichische Firmen in der Slowakei bislang oft auf Deutsch- und Englischkenntnisse ihrer Geschäftspartner verlassen. Mit Austauschprogrammen für Studenten und Lehrlinge wolle man das ändern, sagte Bürgermeister Michael Häupl dem Standard. Auch das Projekt einer ungarischen und einer russischen Schule in Wien sei angedacht worden. Gegenüber türkischen Schulen, wie sie Premier Recep Tayyip Erdogan unlängst für Deutschland forderte, zeigte sich Häupl skeptisch. "Ghetto-Schulen brauchen wir in Wien nicht." Ein pädagogisch qualitätsvolles Projekt unter Beteiligung des türkischen Staates könne er sich jedoch vorstellen. (DER STANDARD, Printausgabe 20.4.2010)

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