Schlafrhythmen sind beruflich bedingt oft sehr unterschiedlich - Programm berücksichtigt zahlreiche Faktoren
Boston/Wien - Mehre Faktoren bestimmen den Tagesrhythmus eines Menschen und in der Folge auch seine Leistungsfähigkeit und sein Wohlbefinden. Speziell für Menschen, die in Nachtschichten, Wechselschichten oder überlangen Schichten arbeiten - von Astronauten über Krankenpfleger bis zu Online-Redakteuren - können sich durch die Störung des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus gesundheitliche Schäden ergeben. Für die Frage, wann ein Nickerchen am strategisch günstigsten wäre, haben nun
Forscher um Elizabeth Klerman vom Brigham and Women's Hospital in
Boston eine Antwort gefunden.
Klerman ging zunächst von den wichtigsten Grundfaktoren aus. Dazu zählt sie die Dauer der Wachzeit, die Zeiteinteilung, die Intensität und Wellenlänge des Lichts, die Schlafdauer in der vorigen Nacht und die eigene Zeitwahrnehmung. "Kaum jemand schafft berufliche Spitzenleistungen spät am Abend oder in den frühen Morgenstunden. Starke Verschiebungen der inneren Uhr lassen das Zeitgefühl verlieren und hemmen Körperfunktionen, die für das Einschlafen oder Wachsein wichtig sind", so die Forscherin.
Rhythmus finden und gegebenenfalls beeinflussen
Die vorgeschlagene Lösung beruht auf einem Computerprogramm mit zwei Grundfunktionen. Nach Messung der individuellen Tagesrhythmen erstellt der Nutzer einen Zeitplan mit vorgesehenen Arbeits- und Schlafzeiten. Die Software sagt voraus, wann mit guter und wann mit schlechter Einsatzbereitschaft zu rechnen ist. Weiters verrät sie auch, in welcher Weise die innere Uhr - zum Beispiel durch eine belebende Tasse Kaffee - beeinflusst werden sollte, um in kritischen Momenten des Tages besonders leistungsfähig zu sein.
Entwickelt wurde das Programm für Astronauten und Bodenpersonal von Weltraum-Missionen. "Falls etwa eine wichtige Mission wie etwa das Andocken oder ein Raumspaziergang um zwei Uhr morgens angesetzt ist, muss penibel geplant werden, was man tun kann, damit der Astronaut genau dann einsatzbereit ist. Da muss man wissen, ob etwa ein Nickerchen, eine Portion Koffein oder eine Beeinflussung des Schlaf-Wach-Rhythmus durch Beleuchtung am sinnvollsten ist", verdeutlicht die Studienleiterin Elizabeth Klerman.
"Vorschlafen"
Die Wachheit zu Tageszeiten, die dem natürlichen Rhythmus entgegenstehen, kann man durch mehrere Formen erhöhen, betont Bernd Saletu von der Gesellschaft für Schlafmedizin. "Einerseits hilft biologisch aktives Licht dabei, die Gemütslage und die intellektuelle Leistungsfähigkeit zu verbessern. Die wichtigste Maßnahme ist jedoch der Schlaf", so der Experte. Eine kurze "Vorschlaf"-Einheit stärke die Fähigkeit, sich an Anforderungen anzupassen, für Aufmerksamkeit und Konzentration bringe sie allerdings nichts. "Manche Menschen können ihren Tagesrhythmus leicht ändern, manche tun sich schwer. Im Alter gelingt es immer weniger", so der Schlafmediziner. (pte/red)