Anna Giulia Fink, Lukas Kapeller, 19. April 2010, 13:10
foto: aem eventmanagement gmbh
Hart, aber fair: Ö3-"Mikromann" Tom Walek (hier mit der deutschen Berufsprominenten Gina-Lisa) verwirrt Prominente wie Passanten gerne mit einfachen Fragen.
FPÖ witterte nach Ö3-Beitrag Medienskandal - Aber: Unbedarfte Interviewpartnerin ist FP-Funktionärin in Wels-Land
Wien - Der Eklat zwischen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und dem ORF wegen der Sendung "Am Schauplatz" findet nun eine groteske Fortsetzung - diesmal in kleinerem Maßstab. Ein Beitrag des Ö3-"Mikromanns" Tom Walek sorgt in der oberösterreichischen FPÖ-Zentrale für Aufregung.
Aber der Reihe nach: Der Ö3-"Mikromann", sagt die Eigenwerbung, "lauert auf den Straßen seinen Opfern auf", um ihnen "vermeintlich einfache Fragen" zu stellen. "Und das Schlimmste", so das Intro zur kurzen Comedy-Sendung auf dem Radiosender: "Es kann jeden treffen." Diesmal traf "Mikromann" Walek zufällig die FPÖ.
"Für welches Amt kandidiert die Bundespräsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz?", fragt der Mikromann eine Passantin in Wien. "Für welche Partei?", fragt die Frau zurück und gesteht dann, dass sie das "eigentlich wissen sollte". Sie sei ja schließlich nicht nur bei der FPÖ, sondern diene ihrer Partei darüber hinaus auch als "Jugendreferentin", lacht sie.
"Heinz Fischer? Bundeskanzler!"
"Gehört habe ich schon von der Rosenkranz", aber: "Was macht die?", denkt sie laut nach. "Sie ist Bundespräsidentschaftskandidatin", greift Walek ein und hakt noch einmal genau nach: "Für welches Amt kandidiert sie also?". Gekicher. "Das trau' ich mich jetzt nicht sagen", sagt die Funktionärin, nach eigenen Angaben "aus Wels". Ebenso wenig wisse sie, wer derzeit Präsident oder Kanzler sei. "Jetzt wird's peinlich", gesteht die Oberösterreicherin. Der Ö3-"Mikromann" kommt ihr ein Stück weit entgegen: "Machen wir's einfacher: Ich nenne zwei Namen: Josef Pröll oder Werner Faymann." "Na", kontert die FPÖ-Funktionärin, "der Erste." Wobei: "Mir sagen jetzt beide Namen gar nichts."
Heinz Fischer? "Der sagt mir schon was!", freut sie sich. "Ich glaub', das ist er." Genau: Fischer, der sei Bundeskanzler. Das Interview ging am Freitag auf Sendung, der Mitschnitt breitete sich schnell im Netz aus, Grundton: "Mikromann" kriegt FPÖ-Jugendreferentin vors Mikro und deckt deren Ahnungslosigkeit in tagespolitischen Fragen auf. Doch wenig später empörten sich die Welser Blauen, dass die angebliche blaue Jugendreferentin gar nicht ihre Jugendreferentin sei.
"Wissen ja selbst nicht, wer da redet"
Was stimmt nun? "Ich habe sie noch zweimal gefragt, ob sie tatsächlich Jugendreferentin sei, und sie hat beide Male 'Ja' gesagt", beteuert "Mikromann" Tom Walek gegenüber derStandard.at. In der Version, die auf Sendung ging, sei nur mehr zu hören gewesen, dass sie bei der FPÖ sei. Die erste Version aber, die online gestellt wurde, hatte die Passage mit der Selbstbeschreibung "Jugendreferentin" noch beinhaltet. Walek bestätigt derStandard.at, dass diese Version bereits wieder entfernt wurde. (Im entsprechenden "YouTube"-Video firmiert die Interviewte noch unter falscher Bezeichnung.)
Clemens Hubmer, Obmann des Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) in Wels, meint zu derStandard.at: "Es ist kein Wunder, dass niemand weiß, wer die Dame ist. Wir wissen ja selbst nicht, wer da redet." Es gebe praktisch keine Frauen in leitenden Positionen bei der FPÖ Oberösterreich, auch nicht beim RFJ. Hubmer sagt, er selbst habe keinen Kontakt zum ORF aufgenommen, dass aber FPÖ-Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner "relativ sauer" sei und dass dieser am Montag "zumindest eine Richtigstellung" vonseiten des ORF haben wolle.
Unwissende Bezirksfunktionärin
Silke Lackner, FPÖ-Landtagsabgeordnete, Bezirksparteiobmann-Stellvertreterin in Wels und ehemaliges Landesvorstandsmitglied des RFJ, reagierte Samstagabend verärgert: "Wir haben uns das Tonband mehrmals angehört, aber niemandem kommt diese Stimme bekannt vor", erzählt sie derStandard.at. Der tatsächliche Jugendreferent der FPÖ Oberösterreich heißt laut Lackner nämlich Philipp Machacek.
Der blaue Verschwörungsverdacht gegen das ORF-Radio läuft freilich ins Leere. Denn: Die junge Frau im "Mikromann"-Mitschnitt ist tatsächlich FPÖ-Funktionärin. Sie kommt aber nicht aus Wels, wie sie selbst sagte, sondern aus der Gemeinde Pennewang in Wels-Land und heißt Catrin K. Und in ihrem Bezirk - nicht im Bezirk Wels - fungiert die 26-Jährige auch als Jugendsprecherin. (Im 860-Einwohner-Ort Pennewang sitzt sie allerdings nicht einmal im Gemeindrat.) Dass es sich bei der Ö3-Aufzeichnung um Catrin K. handelt, geistert mittlerweile durch mehrere Weblogs und wurde auch gegenüber derStandard.at bestätigt. (Anna Giulia Fink, Lukas Kapeller/derStandard.at, 19.4.2010)
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in solchen situationen schaltet bei vielen der verstand wegen nervosität aus...man hat angst sich zu blamieren und blamiert sich deswegen so richtig
die wird sich nachher schon gedacht haben...oh mein gott was war da los mit mir
bezeichnender ist da ein bierzeltgelage mit der fpö und anghängerschaft...unter sich lässt man die letzten hemmungen fallen und stachelt sich an ES mal so richtig zu sagen - ich war einmal bei einer hc kundgebung in linz...danch weiß man ungeschminkt wie diese gesellschaft ist...man kanns gut finden oder zum kotzen...aber man weiß es
dieses interview sagt mehr über die leute die sich deswegen ein urteil erlauben aus als über die funktionärin die überrascht wurde
Hab ich auch nicht, aber wir beide können uns bezüglich Intellekt gern mal messen. Musisch oder technisch, ist mir egal. Ich finde es ja grundsätzlich toll, dass Studieren heute zwar immer noch teuer ist, aber in Österreich dies grundsätzlich Jedem offen steht, sofer er über die notwendigen Fähigkeiten verfügt (naja, es gibt da noch ehemalige Finanzminister, die schaffen das auch ohne, aber lassen wir das mal dahingestellt). Früher, auch noch Generation Faymann bspw., war ein Studium ein Privileg für Leute mit Geld, daher ist es auch heute keine Schande, nicht studiert zu haben. Nur Leute wie Sie müssen sich da unbedingt rauslehnen - möchte gern wissen, was sie studiert haben,wie lange, mit welchen Mitteln und was draus wurde. Danke!
mann ja keine angst vor den nazis haben, nazis waren ja niemals ängstlich, also wieso diese aufregung über die heimattreuen freiheitlichen, wenne alle so ängstlich und weltfremd sind?
die die wählten haben den gewählt, den sie wollten, wieso sollte ich ihnen wiedersprechen, tatsache ist aber auch das über 60 prozent der blauen und viele övpler zuhauseblieben, weil die wahl schon vorher entschieden war (pröll absage)
Es ist zwar sicher zutreffend, dass der ORF eher gegen die FPÖ eingestellt ist, nur dass es sich bei der "Dame" um eine FPÖ-Funktionärin gehandelt hat, war ja vorher nicht bekannt. Also, was ist dem ORF hier konkret vorzuwerfen?
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