Ökosteuern: SPÖ fordert neuen Anlauf zur thermischen Sanierung

19. April 2010, 11:27

Matznetter kritisiert "Abkassier-Aktion" der ÖVP bei Ökosteuern - Will Förderung für sozial Schwache vor steuerlichen Anreizen

Wien - Die SPÖ fordert einen neuen Anlauf zur "thermischen Sanierung" von Wohnhäusern, bevor über eine Anhebung der Energiesteuern nachgedacht wird. Umweltsprecherin Petra Bayr und Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter plädierten bei einer Pressekonferenz am Montag für ein Fördermodell nach Vorbild der Umrüstung der Wiener Gasheizungen in den 1970er Jahren. Laut Einschätzung der SPÖ könnte die Politik mit einem Fördervolumen von 450 Millionen Euro in fünf Jahren Investitionen von 7,5 Milliarden Euro in die flächendeckende Energiesanierung auslösen.

Bayr warf der ÖVP vor, mit ihren Ökosteuer-Ideen "so zu tun, als würden Pinsel und grüne Farbe aus einem Plattenbau ein Passivhaus machen". Dabei handle es sich bei den Plänen der ÖVP, die Energiesteuern um 2 Milliarden Euro anzuheben, um eine "pure Abkassier-Aktion", assistierte Matznetter. Er forderte, neben der neuerlichen Zweckbindung der Wohnbauförderung, auch den sozial Schwachen die Modernisierung ihrer Heizungen und Wohnungen zu ermöglichen, bevor steuerliche Anreize zum Energiesparen gesetzt werden.

Zinsfreie Kredite für die "thermische Sanierung"

Konkret fordert die SPÖ staatlich geförderte zinsfreie Kredite für die "thermische Sanierung" von Wohnhäusern. Ihren Schätzungen zufolge wären binnen fünf Jahren 7,5 Mrd. Euro nötig, um entsprechende Umbauten bei rund 500.000 Haushalten vorzunehmen. Da der Staat nur die Zinsen bezahlen würde, hält Matznetter dafür ein Fördervolumen von 450 Mio. Euro über fünf Jahre für ausreichend. Die Rückzahlung der Kredite sollten dann die Bewohner übernehmen - allerdings erst beginnend nach zwei Jahren, wenn sich die niedrigeren Heizkosten entsprechend auswirken.

Damit sollte die Umrüstung der Heizungen und die Abdichtung der Fenster auch für sozial schwache Familien leistbar sein, die die bisherigen Fördermaßnahmen wegen der hohen Einstiegskosten nicht in Anspruch nehmen konnten, meint Matznetter. Als Vorbild nennt er die Umrüstung der Wiener Heizungen von Stadtgas auf Erdgas in den 1970er Jahren. Damals seien 1,7 Mio. Geräte auf die umweltfreundlichere und modernere Gasversorgung umgestellt worden - finanziert von der Stadt Wien und der damaligen Zentralsparkasse über günstige Kredite.

Maßnahmen zum "sozialen Ausgleich"

Finanziert werden sollte die Aktion durch zu erwartende Rückflüsse aus den milliardenschweren Investitionen ins Budget, so Matznetter. Grundsätzlich betonte Bayr zudem, dass sie sich einer Ökologisierung des Steuersystems nicht verschließen würde (eine entsprechende Forderung findet sich auch im aktuellen Parteiprogramm der SPÖ, Anm.). Allerdings brauche es parallel dazu Maßnahmen zum "sozialen Ausgleich". Dazu sei die ÖVP aber nicht bereit, weil sie die höheren Energiesteuern lediglich als Einnahmenposten sehe, kritisierte Matznetter. (APA)

Zophopas
01
20.4.2010, 17:24
Außerdem sollte für Neubauten die Passivbauweise Standard werden,

da könnte man sehr viel Energie, Umweltverschmutzung und somit auch Steuern sparen

luke skywalker
01
21.4.2010, 09:10
Ob ein neues Haus jetzt 30 oder 15KWh/m2 Heizenergie braucht

macht nur einen Unterschied von 15 KWh aus.

Ob aber ein altes Haus 200 oder 50 KWh aus, macht einen Unteschied von 150KWh aus - also das 10-fache.

Weiters werden im Verhältnis zum Althausbestand rel. wenige Häuser neugebaut.
Deshalb ist der Potential bei Althaussanierung das Zig-fache als Vorschreiben von Null-Energiehaus.
Und dieses Potential sollte man heben.

europa fassen
11
20.4.2010, 10:28
Vernünftiger Vorschlag

Zuerst mal schauen, dass die Häuser so gedämmt sind, dass dann die steigenden Energiesteuern leicht herinnen sind.

Hallo SPÖ! Ich würde mir denselben Ansatz schon lange auch beim Verkehr wünschen.

sir osis of liver
 
00
19.4.2010, 17:50

die thermische sanierung heisst - wir picken alle häuser mit pvc zu (ist das nicht ein öl-derivat)
ein versuch mit schilf-isolierung ist bei uns im dorf fehlgeschlagen (das lagerhaus hätt dort nix verdient)

europa fassen
01
20.4.2010, 10:25

Das Problem in Ihrem Dorf scheint eher zu sein, dass das Raiffeisen-Lagerhaus zu viel Macht über den Bürgermeister hat.

Die thermische Sanierung mit Alternativstoffen funktioniert sonst recht gut.

12
19.4.2010, 14:01
Mir dem Ökoschmäh die

Bürger noch mehr abzocken?!
Unfassbar diese Unverschämtheit.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.