Lufthansa verlor 25 Millionen Euro pro Tag - Österreichs Luftraum wieder freigegeben
Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull bringt europäische Flugsicherheitsbehörden schwer unter Druck. Obwohl in weiten Teilen Europas das wegen der sich ausbreitenden Aschenwolke verhängte Flugverbot mittlerweile wieder aufgehoben wurde, stellen Airlines nun die Frage der Entschädigung für bereits entstandene Schäden. Klaus Walther, Sprecher des Lufthansa-Konzerns, zu dem auch die AUA gehört, bezifferte den Einnahmeausfall durch das Flugverbot mit 25 Millionen Euro pro Tag.
Mehrere Airlines hatten am Wochenende auf eigene Faust Testflüge durchgeführt, darunter neben Lufthansa und AUA auch Fly Niki. In allen Fällen hat sich die Befürchtung, dass Vulkanasche die Turbinen beschädigen könnte, nicht bestätigt.
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War das europaweite Flugverbot wegen der Aschenwolke nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjalla eine übertriebene Angstreaktion? Und wer kommt für die Milliardenschäden durch Flugausfälle auf?
Die Deutsche Lufthansa, Mutterkonzern der AUA, griff am Sonntag als erste Airline die Behörden scharf an. "Wir halten es für skandalös, dass die Verbote nur auf Grundlage einer einzigen Quelle verhängt werden", ließ Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther via Presseagentur Reuters ausrichten. Die Airline, der wegen des Flugverbots massiv Umsatz entgeht, behalte sich Regressansprüche vor.
Keine Erfahrungswerte
Es sei zwar korrekt, dass der Luftraum anfangs ohne Messungen gesperrt worden sei, um Gefahren zu vermeiden. Aber danach hätten die Behörden sofort mit Tests und Messungen beginnen müssen, um das weitere Vorgehen zu untermauern, meinte Walther. Außerdem hätten mehrere Informationsquellen genutzt werden müssen. Das sei aber seit Tagen nicht passiert, während der leere Himmel und das Chaos auf dem Boden die Volkswirtschaft Milliarden kosteten. Wie berichtet wird der bisherige Schaden auf eine Milliarde US-Dollar (735 Milliarden Euro) geschätzt.
Auch die Ergebnisse der Testflüge von Fluggesellschaften seien nicht herangezogen worden. "Wir haben elf Flugzeuge verlegt, alle sind ohne Befunde gelandet, es gab keine sonderbaren Ablagerungen in den Triebwerken und auch keine sichtbaren Schäden", sagte Walther. Gemeinsam mit Air-Berlin-Chef Joachim Hunold forderte er das Verkehrsministerium auf, "jetzt schleunigst zu handeln" .
Fachleute und Behörden hatten befürchtet, dass die Aschepartikel aus dem isländischen Vulkan die Flugzeugmotoren verkleben könnten, zudem könne der niedrige Sauerstoffgehalt in den Aschenwolken die Flieger gefährden, weil es zu wenig Auftrieb gebe. Weil es bisher keine praktischen Erfahrungen mit derartigen Situationen in Europa gab, ist seit Freitag praktisch der gesamte europäische Luftraum gesperrt.
AUA und Fly Niki in der Luft
Über Österreich drüberfliegen war am Sonntag schon wieder möglich, der Luftraum ab einer Höhe von 8000 Metern freigegeben. Das Ende des Verbots für den unteren Flugraum wurde von der zuständigen Flugaufsichtsbehörde Austro Control für Montag, sechs Uhr Früh, festgelegt.
Was heimische Testflüge betrifft, hatte, zumindest bei deren Ankündigung, Niki Lauda die Nase vorn. Knapp vor der AUA gab der Pilot und Chef von Fly Niki bekannt, dass trotz des gesperrten Luftraums sogenannte Überstellungsflüge geplant seien, mit denen auch getestet werde, ob die Konzentration der isländischen Vulkanasche in der Luft noch gefährlich für Flugzeugturbinen sei. Die AUA startete um 12.40 Uhr mit einem Airbus A320 nach Graz, wo die Maschine anschließend technisch durchcheckt werden sollte. Demonstrativ mit an Bord: die AUA-Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth. Fly Niki hob wenig später mit Lauda höchstpersönlich im Cockpit Richtung Salzburg ab. Sollten sich keine Ablagerungen von Vulkanasche auf den Triebwerksschaufeln finden, müsse auf die Verantwortlichen für den Flugbetrieb "Druck gemacht werden", betonte Lauda.
EU: Sicherheit hat Vorrang
Die Europäische Kommission prüfte am Sonntag noch, wann einzelne Flugstrecken wieder geöffnet werden können. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas stehe seit Samstag mit der europäischen Aufsichtsbehörde Eurocontrol und den Behörden der Mitgliedstaaten in engem Kontakt, "um mögliche Optionen zur Freigabe einiger Flüge zu prüfen", sagte seine Sprecherin Helen Kearns. "Aber die Sicherheit hat vor allem Vorrang, und wenn die Wissenschaft sagt, dass Lufträume geschlossen werden müssen, werden sie geschlossen", ergänzte Kearns. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso regte eine Dringlichkeitssitzung der EU-Verkehrsminister an.
Letztlich entscheiden die zuständigen Aufsichtsbehörden der Mitgliedsländer über den eigenen Luftraum. Die europäische Aufsichtsbehörde Eurocontrol trifft diese Entscheidung nicht. Sie sammelt zentral lediglich alle ihr übermittelten Flugdaten. Wissenschaftliche Analysen zum Durchzug der Aschenwolken liefert laut Brüssel das Vulkanasche-Beratungszentrum in London. Jedes Mitgliedsland greift zusätzlich auf eigene Wetterinstitute zurück.
Auf Satellitenbildern sei die Aschenwolke über Österreich nicht mehr zu sehen, hieß es bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Im Rechenmodell ergibt sich eine breite Ausdehnung der stark verdünnten Asche (siehe Grafik). Außerdem ist mit neuen Wolken zu rechnen. Als der Eyjafjalla vor 190 Jahren ausbrach, war er 14 Monate aktiv.
Kroatien-Urlauber konnten schon am Wochenende aufatmen, die Sperre der Flughäfen Zadar, Split und Dubrovnik wurde bereits Samstagnacht aufgehoben. (Michael Simoner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.04.2010)