Flugasche

Fluglinien wollen Entschädigung für entstandene Verluste

Michael Simoner, 18. April 2010, 17:46
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    foto: reuters/ingolfur juliusson

    In Teilen von Island ist die Konzentration der Aschenpartikel in der Luft lebensgefährlich. In Drangshild bringt Bauer Thorarinn Olafsson deshalb seine Pferde zurück in den Stall.

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    grafik: standard

Lufthansa verlor 25 Millionen Euro pro Tag - Österreichs Luftraum wieder freigegeben

 Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull bringt europäische Flugsicherheitsbehörden schwer unter Druck. Obwohl in weiten Teilen Europas das wegen der sich ausbreitenden Aschenwolke verhängte Flugverbot mittlerweile wieder aufgehoben wurde, stellen Airlines nun die Frage der Entschädigung für bereits entstandene Schäden. Klaus Walther, Sprecher des Lufthansa-Konzerns, zu dem auch die AUA gehört, bezifferte den Einnahmeausfall durch das Flugverbot mit 25 Millionen Euro pro Tag.

Mehrere Airlines hatten am Wochenende auf eigene Faust Testflüge durchgeführt, darunter neben Lufthansa und AUA auch Fly Niki. In allen Fällen hat sich die Befürchtung, dass Vulkanasche die Turbinen beschädigen könnte, nicht bestätigt.

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War das europaweite Flugverbot wegen der Aschenwolke nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjalla eine übertriebene Angstreaktion? Und wer kommt für die Milliardenschäden durch Flugausfälle auf?

Die Deutsche Lufthansa, Mutterkonzern der AUA, griff am Sonntag als erste Airline die Behörden scharf an. "Wir halten es für skandalös, dass die Verbote nur auf Grundlage einer einzigen Quelle verhängt werden", ließ Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther via Presseagentur Reuters ausrichten. Die Airline, der wegen des Flugverbots massiv Umsatz entgeht, behalte sich Regressansprüche vor.

Keine Erfahrungswerte

Es sei zwar korrekt, dass der Luftraum anfangs ohne Messungen gesperrt worden sei, um Gefahren zu vermeiden. Aber danach hätten die Behörden sofort mit Tests und Messungen beginnen müssen, um das weitere Vorgehen zu untermauern, meinte Walther. Außerdem hätten mehrere Informationsquellen genutzt werden müssen. Das sei aber seit Tagen nicht passiert, während der leere Himmel und das Chaos auf dem Boden die Volkswirtschaft Milliarden kosteten. Wie berichtet wird der bisherige Schaden auf eine Milliarde US-Dollar (735 Milliarden Euro) geschätzt.

Auch die Ergebnisse der Testflüge von Fluggesellschaften seien nicht herangezogen worden. "Wir haben elf Flugzeuge verlegt, alle sind ohne Befunde gelandet, es gab keine sonderbaren Ablagerungen in den Triebwerken und auch keine sichtbaren Schäden", sagte Walther. Gemeinsam mit Air-Berlin-Chef Joachim Hunold forderte er das Verkehrsministerium auf, "jetzt schleunigst zu handeln" .

Fachleute und Behörden hatten befürchtet, dass die Aschepartikel aus dem isländischen Vulkan die Flugzeugmotoren verkleben könnten, zudem könne der niedrige Sauerstoffgehalt in den Aschenwolken die Flieger gefährden, weil es zu wenig Auftrieb gebe. Weil es bisher keine praktischen Erfahrungen mit derartigen Situationen in Europa gab, ist seit Freitag praktisch der gesamte europäische Luftraum gesperrt.

AUA und Fly Niki in der Luft

Über Österreich drüberfliegen war am Sonntag schon wieder möglich, der Luftraum ab einer Höhe von 8000 Metern freigegeben. Das Ende des Verbots für den unteren Flugraum wurde von der zuständigen Flugaufsichtsbehörde Austro Control für Montag, sechs Uhr Früh, festgelegt.

Was heimische Testflüge betrifft, hatte, zumindest bei deren Ankündigung, Niki Lauda die Nase vorn. Knapp vor der AUA gab der Pilot und Chef von Fly Niki bekannt, dass trotz des gesperrten Luftraums sogenannte Überstellungsflüge geplant seien, mit denen auch getestet werde, ob die Konzentration der isländischen Vulkanasche in der Luft noch gefährlich für Flugzeugturbinen sei. Die AUA startete um 12.40 Uhr mit einem Airbus A320 nach Graz, wo die Maschine anschließend technisch durchcheckt werden sollte. Demonstrativ mit an Bord: die AUA-Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth. Fly Niki hob wenig später mit Lauda höchstpersönlich im Cockpit Richtung Salzburg ab. Sollten sich keine Ablagerungen von Vulkanasche auf den Triebwerksschaufeln finden, müsse auf die Verantwortlichen für den Flugbetrieb "Druck gemacht werden", betonte Lauda.

EU: Sicherheit hat Vorrang

Die Europäische Kommission prüfte am Sonntag noch, wann einzelne Flugstrecken wieder geöffnet werden können. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas stehe seit Samstag mit der europäischen Aufsichtsbehörde Eurocontrol und den Behörden der Mitgliedstaaten in engem Kontakt, "um mögliche Optionen zur Freigabe einiger Flüge zu prüfen", sagte seine Sprecherin Helen Kearns. "Aber die Sicherheit hat vor allem Vorrang, und wenn die Wissenschaft sagt, dass Lufträume geschlossen werden müssen, werden sie geschlossen", ergänzte Kearns. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso regte eine Dringlichkeitssitzung der EU-Verkehrsminister an.

Letztlich entscheiden die zuständigen Aufsichtsbehörden der Mitgliedsländer über den eigenen Luftraum. Die europäische Aufsichtsbehörde Eurocontrol trifft diese Entscheidung nicht. Sie sammelt zentral lediglich alle ihr übermittelten Flugdaten. Wissenschaftliche Analysen zum Durchzug der Aschenwolken liefert laut Brüssel das Vulkanasche-Beratungszentrum in London. Jedes Mitgliedsland greift zusätzlich auf eigene Wetterinstitute zurück.

Auf Satellitenbildern sei die Aschenwolke über Österreich nicht mehr zu sehen, hieß es bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Im Rechenmodell ergibt sich eine breite Ausdehnung der stark verdünnten Asche (siehe Grafik). Außerdem ist mit neuen Wolken zu rechnen. Als der Eyjafjalla vor 190 Jahren ausbrach, war er 14 Monate aktiv.

Kroatien-Urlauber konnten schon am Wochenende aufatmen, die Sperre der Flughäfen Zadar, Split und Dubrovnik wurde bereits Samstagnacht aufgehoben. (Michael Simoner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.04.2010)

Kommentare der anderen

Die Rache des Vulkans an der Verkehrspolitik - Von Heinz Högelsberger

Im Bann des Aschenmonsters - Von Burkhard Müller-Ullrich

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marie berg
00
20.4.2010, 15:59
schon interessant

diese forderungen. keine oder nicht erreichbare servicenummern einrichten, keine infos rausrücken, kunden wie bittsteller behandeln, aber SOFORT nach steuergeldern rufen. so geht's gar nicht!

Marquis
00
20.4.2010, 13:30
Wo beliebt das unternehmerische Risiko !

Was ist los mit euch Managern, normalerweise ist für euch das freie Unternehmertum eine sakrosankte Angelegenheit. Aber wenn es ums das unternehmerische Risiko geht (Vulkanausbruch), dann kläfft ihr nach der Allgemeinheit, nach Unterstützung, Kostenersatz, Steuermittel etc.

War wir brauchen ist eine Kerosinsteuer, damit die wahren Kosten eurer Umweltverschmutzung zutage kommen.

ja aber
03
19.4.2010, 19:25
keine entschädigung für fluglinien

das gehört zum geschäftsrisiko. wie lawienen-, muren- etc. abgänge.

Schlapsi
00
19.4.2010, 18:38
Geizger Hasardeur als Sicherheitsrisiko

Wird jetzt die Sicherheit der Passagiere in die Hand eines Rennfahrers gelegt, der die Früchte seiner Risikofreudigkeit mit einer Kappe zudeckt und dessen Fluglinie schon einmal über 200 Menschen ins Jenseits beförderte?

Ich hab nichts dagegen, wenn er sich wieder in einen Boliden setzt und Vollgas gibt. Aber Passagiere sollte man diesem geizigen Hasardeur nicht anvertrauen.

Franz Bruckner
36
19.4.2010, 18:06

Die meisten hier im Forum hacken munter und fröhlich auf den Fluglinien und dem Kapitalismus herum und sind dabei zu blöd zu merken dass Sie zumeist selbst nicht besser sind.

"Ich Flieg nach London um 35€", "nach Madrid um 47€", "ich kauf beim Hofer die Bananen um 1€/kg". "Was du bezahlst mehr? Wie blöd bist du denn?" - "Gestern hab ich wieder ein Doku gsehn - boa die armen Afrikaner werden ausgebeutet... Diese bösen Firmen - willst auch ne Banane? weist eh die billigen..."

Und dass es einen Unterschied macht, ob die große Firma soetwas in großem Stil betreibt oder ich kleiner Hansel mit meiner Banane, stimmt einfach nicht.

Macht was ihr wollt, aber denkt ein wenig nach und steht dazu.

wackelkandidat
00
20.4.2010, 17:59

Ich fliege selbstverständlich immer nur Business nach London, in der Oper sitze ich im Parkett, meine Bananen kaufe ich im Bioladen, meine Schuhe bei Prada und denen, die wenig Geld haben, empfehle ich, daß sie gefälligst zuhause bleiben und sich die Welt im Internet oder im Fernsehen anschauen sollen.
Das ist vielleicht ein bissl arrogant, macht aber nix, solange ich mich gut dabei fühle.

Zapatista
01
19.4.2010, 18:38

auch wenn man hier rote stricherl verteilt.. ganz so unrichtig ist das ja nicht. die katze beisst sich in den schwanz, die frage ist nur wie lange noch. wenn permanent produktion in billiglohnländer ausgelagert wird, verliert "hier" jemand seinen job -> ohne job kein geld -> kaufkraft sinkt -> auch das billig produzierte wird "hier" vielleicht bald nicht mehr gekauft -> mehr auslagerung in billiglohnländer -> etc, etc,...

standardine
02
19.4.2010, 17:25
Jemand, der einfach aus Gier Testflüge macht,

über Wohnsiedlungen und Ähnliches fliegt - oder wurden die geschickt umfolgen beim Österreichrundflug? -, gehört wegen grob fahrlässigen Handelns entmündigt.

Zapatista
00
19.4.2010, 18:34

was stellen sie sich denn unter den "asche-testflügen" vor? neue nicht flugerprobte senkrechtstarter die über kinderspielplätzen kunstflugfiguren ausprobieren? man könnte die kirche ruhig auch ein bisschen im dorf lassen....

standardine
01
19.4.2010, 19:20
Ich stelle mir vor,

dass man das erst tut, wenn Experten entwarnen. Und nicht auf Eigeninitative quer durchs Land. Was, wenn das Flugzeug abgestürzt wäre? Dann hätten wir um diesen Leistungsträger wahrscheinlich noch gemeinsam mit ORF und Krone trauern müssen.

Zapatista
00
19.4.2010, 19:54

die sogenannten experten basieren all ihr wissen betr "vulkanasche" auf computermodelle. es gab absolut keine erfahrung und keine testergebnisse unter realen umständen... sie können sicher sein, dass in österreich kein flugzeug, egal von welcher fluglinie auch immer, abhebt ohne dass die austro control - eben diese experten - das auch zulässt.

Leech
03
19.4.2010, 17:13
Entschädigung - loool

Ja genau was den noch alles? vieleicht noch bissl schlagobers und a kirsche aufs Geld bei der Übergabe?

Wo is den das ganze Geld hin aus den Jahren wo der Gewinn nur so gsprudelt hat?
Ups- ausbezahlt in form von Rediten und Vorstandsboni.
Tja soa pech aber auch.

Wer Kapitalismus um jeden Preis will soll ihn auch bekommen!
Ergo keinerlei entschädigungen für irgendwelche Fluglinien!

b_UT
03
19.4.2010, 17:01
Verlustrechnung

Eine der größten Unarten des heutigen Wirtschaftssystems ist es, nicht verdientes Geld als Verlust zu deklarieren.

Eine Woche Flugausfall sollte locker in der Risikoabschätzung enthalten sein.
Mir ist schon klar, dass die knappen Preiskalkulationen im freien Markt dies nicht zulassen, aber genau das ist ja das Problem.

prasatsuk
04
19.4.2010, 17:00
ekelerregende geldgier

die fluglinien wie LH, AUA, FLYNIKI, denen die geldgier über die sicherheit der passagiere und crew geht sollten per sofort gemieden werden -
etwas anderes als die sprache des geldes verstehen deren bosse nicht !
es ist widerlich !!!

Schlapsi
01
19.4.2010, 16:25
Hasardeur als Sicherheitsexperte

Warum fragt denn kein Journalist den Hasardeur Lauda, warum er eine Kappe trägt und wieviele Menschen im Mai 1991 in Bangkok mit der Lauda-Air ums Leben kamen? DAs Großmaul kann tun, was es will, aber es möge andere verschonen.

schniggschnagg
 
02
19.4.2010, 15:49
Also...

...wenn die Airlines Anspruch auf Schadenersatz haben sollten, dann auch all jene Reisende, die jetzt tagelang in so billigen Städten in Stockholm oder London hängengeblieben sind und ihr Leben dort finanzieren mußten - oder jene, die Hotelzimmer bezahlen müssen, obwohl sie nachweislich nicht aus ihrem Verschulden heraus in die Stadt gelangen können, in der das Hotelzimmer liegt. (Und das Hotel macht meist doppelt Kohle, weil es das Zimmer gleich ein zweites Mal vermietet für jene, die vorort festsitzen) Entweder "Höhere Gewalt" Ausreden für ALLE oder für NIEMANDEN!

Mork vom Ork
00
19.4.2010, 17:07

ihr forderungsschreiben richten sie bitte an die Himmelsstraße 1 z.H. Herrn Petrus, alternativ bitte an den Feuergott oder an die Reiseversicherung.

Reisende die nicht wegkommen, können - wenns über ein Reisebüro gebucht haben - kostenfrei stornieren. Für Internetbucher gilt das lokale Recht.

Ivan Fedorov
00
19.4.2010, 19:33
kostenfrei stornieren

blöd nur, wenn man bereits am urlaubsort ist und nicht mehr nach hause kommt.

wer?ich??
13
19.4.2010, 15:46
ja, herr lauda, geldgier ist was schiaches

und lässt ganz vergessen, dass da mal was war in thailand... aber sie sprechen jetzt selbstherrlich vom "größten fehler der luftfahrtgeschichte" weil es offenbar doch leute gibt, denen sicherheit vor profitgier geht. übrigens: ich trenn mich von ein paar alten schuhen. möchten sie sie haben?

Schlapsi
00
19.4.2010, 18:32
Zudecker

Ein Rennfahrer als Kapitän eines Passagierflugzeuges, der seine Risikofreudigkeit mit einer Kappe zudecken muss, ist nicht gerade ein Garant für Sicherheit.

marksu
02
19.4.2010, 16:14
hat schon eine flugzeugkatastrophe hinter sich

verstehe ich, dass jemand, der das katastrophenszenario eines absturzes schon mal miterleben musste, das leben der passagiere aufs spielen setzen will.

ich glaube nicht, dass leichtfertig gesperrt wurde und das leben geht nunmal den unannehmlichkeiten vor.

weiters muss auch zur kenntnis genommen werden, dass wir auch einem aktiven planeten leben! wirtschaft nach fahrplan gibt es nicht

der_geniesser
04
19.4.2010, 17:05
ganz meine meinung

die entscheidung, über sicherheit dritter darf nur von unabhähgigen experten gefällt werden, die keine monetären interessen haben.

wenn das so wäre, würde nicht das marktamt,sondern wirte selber das essen kontrollieren usw.

die verantwortung darf nicht von geldgierigen unternehmern erfolgen die alzheimerisch am freitag um ihr kapperl ins tv zu bringen 1000e interviews geben, weil fliegen zu gefährlich ist, um sich am sonntag wo er das gegenteil fordert, daran zu erinnern.

das zeigt, dass man ab 60 nicht mehr pilot sein kann....

und entscheider über leben und tod von 100.000 en schon gar net

velvet80
00
19.4.2010, 15:31

ich sag nur:


http://derstandard.at/127137466... e-Aerosole

also dann klagt mal schön gegen die Natur.

Mork vom Ork
02
19.4.2010, 15:30

die argumentation ist die gleich wie wenn ich sag ich brauch keine 130 km/h geschwindigkeitsbegrenzung, weil ich 5 mal mit 180 testgefahren bin und nichts ist passiert...

ist schon klar, dass das risiko wohl verhältnismäßig gering ist, aber am ende entscheidet die Behörde welches risiko eingegangen werden darf und nicht das (zu recht) profitorientierte unternehmen

dafür gibts behörden auch in einer marktwirtschaft.

und aus ...

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