Die ÖVP ist 65: Ab in die Pension - oder auf zur Macht

18. April 2010, 17:30

Dass eine Partei, die 65 Jahre alt ist, keinen Kandidaten oder keine Kandidatin für das Ersatz-Kaisertum in der Hofburg aufgestellt hat, ist ein Zeichen für vorgerücktes Alter

Dass eine Partei, die 65 Jahre alt ist, keinen Kandidaten oder keine Kandidatin für das Ersatz-Kaisertum in der Hofburg aufgestellt hat, ist ein Zeichen für vorgerücktes Alter. Ab in die Pension. Kein Ehrgeiz mehr. Keine Punching-Qualitäten. Ihr Obmann verletzt sich ja auch bei den kleinsten Versuchen einer Sportausübung. Zu schwer für Sprünge oder schnellere Fortbewegung.

Nein, das ist unfair. Denn man sollte prinzipiell nicht schadenfroh sein. Und außerdem ist Josef Pröll immerhin Vizekanzler, weil der spätere Kanzler Werner Faymann im Wahlkampf ja von einer Massenzeitung gepusht wurde.

Prölls Vorgänger in der ÖVP, Wolfgang Schüssel, hat die Krone gar nicht gebraucht, um 2002 triumphal zu siegen. Es genügte, in das Klangbild Jörg Haiders einzustimmen, weil der sich zuvor in Knittelfeld fast ganz demoliert hatte.

Schon im Jahre 2000, vor zehn Jahren, mit 55, hat die Volkspartei eine Wende vollzogen. Sie nannte sich weiter christlich, war es aber nicht mehr. Sie hielt sich weiter für eine Partei der sozialen Marktwirtschaft, hatte aber längst (genau seit Schüssels Obmannwahl 1995) Margaret Thatchers Politik für Österreich adaptiert - und damit den Staat geschwächt, die private Profitgier jedoch gestärkt.

Die große Leistung der ÖVP-Spitze ist zweifellos, dass sie nicht nur die Haider-Rechte, sondern auch Teile der SPÖ überzeugt oder dazu verführt hat, den Neoliberalismus als das bessere Gesellschaftsmodell zu unterstützen. Die roten Egos waren ganz dabei.

Das politische Resultat: Nicht nur der Mittelstand trägt eine der höchsten Steuerlasten Europas. Selbst Industrielle kommen sich betrogen vor - wer einige Monate in einem staatsnahen Unternehmen als Spitzenmanager arbeitet und dann abrechnet, verdient mehr als bei einer Glücksnacht im Kasino. Und trägt nicht das Risiko eines innovativen, investierenden Unternehmers.

1945, als die Österreichische Volkspartei gegründet wurde, war der ÖAAB, ihr Arbeitnehmer-Flügel, der stärkste ihrer Bünde. Sein "Wiener Programm" war dem der britischen Labour Party vor Tony Blair nachgebildet. Das soziale, auf Freiheit aufgebaute Wollen einer stark katholischen Partei.

Bald war der Bauernbund mit seiner patriarchalischen Struktur ebenso maßgeblich wie der unter Julius Raab gestärkte Wirtschaftsbund vor dem deutschen Hintergrund des legendären Ludwig Erhard.

Das hielt lange - bis zu Josef Klaus, der aus eigenem Reformeifer, aber auch deshalb an die Macht gekommen war, weil Franz Olah 1966 der SPÖ zu viele Stimmen nahm.

Erste Versuche, die Kreisky-SPÖ, aber auch künftige große Koalitionen auszuhebeln, kamen aus der Steiermark. Josef Taus sollte siegen und mit Alexander Götz Schwarz-Blau komponieren. Kreisky, der selber mit alten Nazis geflirtet hatte, vereitelte den Plan noch einmal. Und Fred Sinowatz fesselte in der Folge drei Jahre eine etwas zur Mitte gerückte FPÖ.

Seit 2000 steht die ÖVP aber weiter rechts denn je in der 2. Republik. Wirklich Liberale à la Busek oder Fischler sind ihr fremd, soziale Verpflichtungen nur noch ein Kostenfaktor.

Das ist ihr Schlüssel zurück zur ganzen Macht. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 19.4.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
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ravenna
12
19.4.2010, 17:13
Jemand der offensichtlich nicht ÖVP wählt,...

....hat eigentlich kein Recht sich hier über die ÖVP zu beklagen. Er hätte einen ÖVP-Kandidaten (oder Kandidatin) ja ohnehin nicht gewählt.

Das ist so wie Jammerei über die damalige Schwarz/Blaue-Koalition. Die Einzigen die sich damals und heute noch über das "gebrochene Versprechen" von Schüssel beschwert haben, waren die, die ihn ohnehin nicht gewählt haben.

Melanie Madner
00
19.4.2010, 17:07
Echt wahr?

Die ÖVP - schuld an der allumfassenden Profitgier, den Investmentfondsanbetern, dem Schnäppchenjägerunwesen, dem Frühpensionsanrecht, der Wohlfahrtsstaatsabhängigkeit etc.?

Dr. Wolfgang S. (Kanzler a.d.)
51
19.4.2010, 14:53
ich war/bin/werde immer der beste sein!

LCD
31
19.4.2010, 14:35

ÖVP begeht politischen Selbstmord indem sie die Treibstoffe (Ohnehin über 50% besteuerung) noch stärker besteuern will.
Wer ist denn da noch so bescheuert um die zu wählen?

Jet Fuzzi
21
19.4.2010, 16:49

Das Problem ist: die Alternativen sind keine. Wer würde ernsthaft rot, grün, brau... äh, wollte sagen blau oder orange wählen.

LCD
00
19.4.2010, 18:53

Alternativen gibt es so einige: SPÖ, KPÖ, PPÖ,... Mehr fällt mir nicht ein.
fPÖ, bZÖ wählt eh keiner... Und Grüne... Na ja, die haben keine drei Buchstaben ;-).

Trude Beiler
00
19.4.2010, 16:19
Löwelstraßler

Hörens doch bitte mit diesem sinnlosen Kampfposten auf!
Lesen Sie bitte ORF-online:
Die Steuerpläne von SPÖ und ÖVP ZUSAMMEN reichen bei weitem nicht aus: Es fehlen immer noch Milliarden.

LCD
01
19.4.2010, 20:52
Es fehlen Milliarden...

Erstens bin ich kein Kampfposter, sowas hängt bei mir nicht auf der Wand. Ich mag nur friedliche Poster, mit Böümchen und Häschen...
Zweitens: Welche Partei stellt den Finanzminister dem die Milliarden fehlen?
drittens: Wieso lent die ÖVP dann die "Reichensteuer" ab, wo diese doch mehr Steuergeld bringen würde?

Mucosaprolaps
22
19.4.2010, 15:24

Wer bitte könnte so deppert sein, sein Wahlverhalten nur danach auszurichten, welche Partei den niedrigsten Spritpreis bewirkt?

LCD
01
19.4.2010, 18:50

Wer wird denn so depatt sein nicht nur zu den ohnehin teuren Treibstoffpreisen auch noch ÖVP-Malus zu bezahlen? Ich sicher nicht.
Fahren sie Rad?

Linus Tintifax
23
19.4.2010, 13:29
bei ewig gestrigen

empfiehlt sich das altersheim weit eher als die absolute

robinsons freitag
00
19.4.2010, 16:18
@ Linus Tintifax: Hand aufs Herz und nicht gelogen:


Wer sind denn eigentlich NICHT die ewig Gestrigen? Gibts da Alternativen?

Oder ist der zeitgenössische (auch linke) Mainstream nicht samt und sonders die letzten Zuckungen einer untergehenden Epoche, mit Europa weit, weit unten und China und Emerging Economies weit weit vorne?
Wart ab. In spätestens 10 Jahren werden wir uns alle wundern!

Wir selbst, nicht unsere Kinder, werden leider, leider demnächst die in der ganzen Welt verhassten Armutsflüchtlinge sein!

Linus Tintifax
00
20.4.2010, 09:28
so pessimistisch bin selbst ich nicht :-)

da malen sie ganz schön schwarz. vergessen sie nicht: die chinesen, inder usw. brauchen abnehmer für ihr graffl. sicher werden deren binnenmärkte immer stärker, aber da der westen die wichtigsten globalen marktinstrumente in der hand hat und ständig an neuen (stichwort: co2-zertifikate) arbeitet, hab ich wenig angst dass unsere kids sich in asien um billig-jobs anstellen werden müssen. und schließlich ist da noch die sache mit den (massenvernichtungs)waffen...

Mucosaprolaps
00
19.4.2010, 15:25

Familien wie Simanek, Rosenkrank oder Straha sind aber noch ein bisserl jung fürs Altersheim, findest net?

Mr. Spock
14
19.4.2010, 12:23
Sehr treffender Kommentar!

chrigu
10
19.4.2010, 11:27

Der prospektive Erfolg des J. Pröll fußt in erster Linie auf dem politischen Unvermögen der "2. großen Volkspartei" in unserem Lande. Für bedenklich erachte ich insbesondere, dass der Bauernbund zur stärksten Teilorganisation geworden ist - in Anbetracht des Anteils dieser Bevölkerungsgruppe an der Gesamtbevölkerung. Weiters die Abhängigkeit von den Landeshauptleuten, die traditionell weit höher ist als bei der SPÖ - Stillstand vorprogrammiert bzw. prolongiert.

Keke88
50
19.4.2010, 11:06
Ö V P

die könnten auch mit so mancher "gschupften" Wahl gewonnen haben.

Happels Erben
26
19.4.2010, 10:02
Warum man zu welcher Partei geht...

Man wird Grüner weil man sehr liberal ist und was gegen Klimawandel, Umweltverschmutzung und rechte Rabauken was machen will

Man wird FPÖler weil einem die Ausländer in der Nachbarschaft gehörig auf die Nerven gehen und man die eigene Heimat am tollsten findet

Man wird SPÖler weil man den sozialen Ausgleich haben will oder sich eine Karriere in der öffentlichen Verwaltung Wiens erhofft


Und warum geht man zur ÖVP:
Weil der Großfoda a schwoaz wor
Weil die roten Gfrisa den Besitz gefährden
Weil man beim CV die richtigen Freunde gefunden hat und auf die für die eigene Karriereentwicklung maßgeblich angewiesen ist

ravenna
10
19.4.2010, 17:17
Sehr falsch

Zur ÖVP geht man, weil:
- Die Grünen nur Politik für Frauen, Ausländer und Phantasten machen
- Die SPÖ nur Politik für Pensionisten macht
- FPÖ/BZÖ/BZK ein rechter Chaotenhaufen ist

Bleibt nur mehr die ÖVP. Als geringstes Übel für all diejenigen, die nicht zu den oben genannten Zielgruppen gehören. Leider.

dölerich hirnfidler
11
19.4.2010, 13:53

wenn man zu den grünen geht, weil man sehr liberal ist, wäre das in etwa so, wie die FP zu wählen, weil man sich unterstützung für ein geplantes minarett erhofft.

noli turbare ...
512
19.4.2010, 09:24

Bei aller Unschärfe von "neoliberal":

Die ÖVP ist sicher nicht neoliberal. Höhstens neofeudal.

noli turbare ...
10
19.4.2010, 11:30

Frage an die Rotstrichler, falls der Unmut sich aufs "neoliberal" bezieht: Was bitte ist an der ÖVP "neoliberal"? Welche Definition muss man verwenden, um die ÖVP darunter subsumieren zu können?

Dormouse
00
19.4.2010, 13:59

nicht ernst nehmen, wenns a haufen grün + rot bekommen haben, habens sozusagen ins schwarze getroffen...war das jetzt 3deutig?! :D

ravenna
00
19.4.2010, 17:20
Fragt sich halt nur,...

...wie man in einem mehrheitlich linkem Forum über Rot/Grün "Recht haben" bewerten soll.

Das ist ähnlich sinnvoll, wie Anruferabstimmungen bei Fernsehsendungen.

Linus Tintifax
12
19.4.2010, 13:31
gierige sa*gfrasterpartie

trifft den nagel auf den kopf ;-)

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