Klagen weiten sich aus

Goldman Sachs gerät zwischen viele Fronten

Frank Hermann, 18. April 2010, 17:24

Nach der SEC planen auch Berlin und London eine Untersuchung der Vorgangsweise von Goldman Sachs bei der Verbriefung fauler Immobilienkredite

Nach der SEC planen auch Berlin und London eine Untersuchung der Vorgangsweise von Goldman Sachs bei der Verbriefung fauler Immobilienkredite. Obamas Finanzmarktreform könnte von der Affäre profitieren.

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Washington - Goldman Sachs gerät immer mehr unter Druck. Nachdem die amerikanische Börsenaufsicht SEC eine Klage gegen die größte und erfolgreichste Investmentbank der Wall Street angestrengt hatte, denken auch Deutschland und Großbritannien über Ermittlungen nach. Zahlreiche Investoren sehen sich durch die Ermittlungen bestätigt und fordern Schadenersatz. Und US-Präsident Barack Obama forciert nun seine vom Kongress blockierte Finanzmarktreform.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin werde ein Auskunftsersuchen an die Amerikaner stellen, kündigte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm an. "Nach einer sorgfältigen Bewertung der Unterlagen werden wir rechtliche Schritte prüfen" , sagte er der Welt am Sonntag. Die Affäre zieht Kreise bis nach Deutschland, weil die Mittelstandsbank IKB zu den Großabnehmern von Papieren gehörte, die Goldman offenbar in dem Wissen verkaufte, dass sie rasch an Wert verlieren würden.

Die Bank, vor drei Jahren auf Kosten des Steuerzahlers vor der Pleite gerettet, soll rund 150 Mio. Dollar in hypothekengedeckte Anleihen gesteckt haben, in sogenannte Collateralized Debt Obligations, CDO. Viele der Wertpapiere basierten auf Subprime-Hypotheken, hochriskanten Krediten für Geringverdiener, die ihr Eigenheim ohne Eigenkapital kauften.

Noch schlimmer traf es ABN Amro, die inzwischen der Royal Bank of Scotland gehört, weshalb auch der britische Premier Gordon Brown eine Untersuchung ankündigte. Das Institut verlor 841 Mio. Dollar bei einem Deal, der eingefädelt wurde von zwei schillernden Jongleuren - einem Jungstar von Goldman und einem erfahrenen Hedgefonds-Manager.

Fabrice Tourre, der Jungstar, ließ in einer launigen E-Mail erkennen, wie er hin- und hergetrieben war zwischen realistischer Einsicht und blankem Zynismus. "Das ganze Gebäude wird jeden Moment zusammenstürzen" , schrieb er vor drei Jahren, das Platzen der Immobilienpreisblase ahnend. Er selber, witzelte er, sei der "einzige potenziell Überlebende" . "Nur der fabelhafte Fab (Fabrice Tourre - Red.) wird inmitten dieser komplizierten, exotischen Geschäfte stehen, die er schuf, ohne notwendigerweise alle Folgen dieser Monstrositäten zu verstehen."

Ein Näschen für den Crash

Auf eigene Faust handelte Tourre allerdings nicht, auch wenn ihn die Aufsicht bislang als einzigen Verantwortlichen benennt. Eine auf Hypotheken spezialisierte Goldman-Runde, kontrolliert von den Spitzen des Hauses, musste absegnen, was er an komplexen Produkten ersann. John Paulson wiederum, der erfahrene Hedgefonds-Manager, hatte beizeiten einen Riecher für die Wende am Immobilienmarkt. Die Goldgräberstimmung, die die Preise bis 2006 auf immer neue Rekordhöhen trieb, würde bald in Katzenjammer umschlagen, sah er richtig voraus. Der Höhenflug der Subprime-Kredite würde mit einer Bruchlandung enden, am Ende bliebe ein Scherbenhaufen. Dass die Wette aufging, spülte Paulson 2007 vier Mrd. Dollar aufs Konto, 2008 noch einmal zwei Milliarden.

J. P., wie ihn die Wall-Street-Prominenz ehrfürchtig nennt, wurde von Politikern hofiert, um Rat gefragt, als wäre er ein Guru. Zwei Monate nach dem ersten Schock der Finanzkrise lud ihn der US-Kongress ein, nicht als Schuldigen, sondern als gesuchten Experten. Umso lauter dröhnt nun der Paukenschlag. Nach Erkenntnissen der Prüfer durfte Paulson maßgeblich mitbestimmen, was Tourre in den Warenkorb packte. Es lag in seinem Interesse, dass die riskantesten Hypothekenpapiere ins Portfolio kamen, jene Papiere, auf deren Absturz er am besten wetten konnte.

Nach dem Verkaufsstart im April 2007 ging Abacus 2007-AC1, so der Name des Konstrukts, tatsächlich so rasant auf Talfahrt, dass den Investoren nur Krümel blieben. Im Oktober 2007 waren 80 Prozent der Kreditpapiere de facto wertlos, Anfang 2008 99 Prozent. Der Absturz als solcher wird Goldman nicht angekreidet, zumindest nicht von den Behörden. Ebenso wenig kann geahndet werden, dass ein Hedgefonds auf fallende Preise setzt. Kern der Klage ist vielmehr ein Interessenkonflikt, über den sich die "Goldmänner" ausschwiegen. Die Bank hätte die Kunden über die Rolle Paulsons informieren müssen, betont die SEC. Dass sie es nicht tat, nährt den Verdacht auf Betrug.

Darüber hinaus verstärkt es beim Normalverbraucher den Eindruck, dass die Wall Street nur ein Kasino ist. Stimmen die Anschuldigungen, doziert der Börsenhistoriker Steve Fraser in der New York Times, "bestätigen sie die Leute nur in ihrem Glauben, dass Finanzinstitute absolut egoistisch handeln" . Nichts könne mehr Schaden anrichten als dieses Gefühl, hier gehe es um mehr als um Inkompetenz oder Draufgängertum - "es geht um zynisches, selbstsüchtiges Ausnutzen". (Frank Hermann aus Washington, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.04.2010)

Kommentar posten
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1 2 3
CITY1
00
20.4.2010, 11:06
Goldman Sachs

Mehr zum Thema Goldman Sachs http://frank-meyer.eu/blog/inde... &tb=1&pb=1

also dann ...
00
20.4.2010, 08:45
kriminell sind auch die vorkommnise in i s l a n d + irland ...

So hat zum Wochenende die Bank Glitnir eine Schadenersatzklage gegen ihre früheren Hauptaktionäre Jon Asgeir Johannesson und Palmi Haraldsson eingebracht, denen sie vorwirft, sich mit Drohungen und an allen Kontrollinstanzen vorbei hohe Darlehen verschafft und diese in Steuerparadiese transferiert zu haben.

Insgesamt schuldeten Glitnirs Eigentümer der eigenen Bank umgerechnet eine M i l l i a r d e Euro.

http://diepresse.com/home/wirt... ern.portal

irland :
sie verdienen erschossen zu werden . . .
http://www.heise.de/tp/r4/art... 383/1.html

Darius Minor
01
19.4.2010, 18:11
"es geht um zynisches, selbstsüchtiges Ausnutzen

... what else is new?!? Um was sonst waere es je einer Bank gegangen?

her wig
01
19.4.2010, 17:36
Komplizierte Welt

Als unsere Vorfahren noch versammelt um das Lagerfeuer saßen und ein Tausch auf Schuldschein noch von allen bezeugt und durch ein Geldsymbol bekräftigt wurde, ja, da wussten noch alle was das ist, Geld. Jemand hat etwas gegeben, an jemand der als vertrauenswürdig erachtet wurde auch wieder zurückgeben zu können, und alle haben's gesehen. Geradezu göttlich.

Heutzutage sind wir moderne aufgeklärte Menschen die elektronische Transaktionen durchführen - aber was Geld ist, das weis eigentlich keiner so genau. Man bekommt es auf der Bank, aber nur wenn man von denen nicht zurückgewiesen wird. Oder indem man andere abzockt, aber das ist eigentlich verboten. Und es wird ständig mehr, aber das macht nichts, sagt man uns.

Peter_23
00
19.4.2010, 18:46
Was Geld ist ist, ist ansich schon klar

Geld ist ein Art Schuldschein, entsteht im Schuldkontrakt (Kreditvertrag).

Geld stellt Anrecht auf Eigentum (nicht Besitz!) dar bzw. wirkt Schuldbefreiend. Bei letzten Punkt wird Geld vernichtet, während es im Kreditkontrakt geschaffen ("geschöpft") wird. - Vernichtet/Geschöpft wird Geld dabei nicht physisch, aber es degradiert im Rahmen der Schuldbefreiung zum "Formular" (Blatt Papier) ohne Nennwert.

Weitere ansich wichtige Details wie Schuldnergeld versus Gläubigergeld beseite gelassen. Oder den Grund eines zweistufigen Bankensystem versus den einstufigen Zettelbanken.

Interessant wird's es dann wieder, wenn der Zins ins Spiel kommt. Dafür fehlt hier der Platz :-)

her wig
21
19.4.2010, 19:07

Was Zins ist lässt sich auch kurz darstellen: Wucher.

Ender Wiggin
01
19.4.2010, 17:16
Überschrift

Wie so oft auf standard.at ist die Überschrift irreführend: zwischen (viele) Fronten gerät man, wenn mehrere andere Parteien gegeneinander Ansprüche erheben und man selbst jetzt irgendwie mit betroffen ist. Laut Artikel erheben aber alle anderen Parteien nur gegenüber GS Ansprüche (und nicht gegeneinander), daher ist GS nicht zwischen den Fronten sondern immer nur auf einer Seite (von mir aus bei mehreren Fronten).

in der Tat
00
19.4.2010, 21:21
Wer mehrere Gegner hat

... kämpft an mehreren Fronten. Wenn die Angriffe von unterschiedlichen Richtungen (Gläubiger, Kontrollorgane, ...) kommen, befindet man sich folglich in irgendeiner Form dazwischen.

Memories
01
19.4.2010, 17:03
US klagen - unsere Politklicke fördert Bankster!

Warum ist das so? Freunderl unter dem Teppich - der Steuerzahler wird verpflichtet.

Mir scheint das wie Veruntreung oder Betrug am Steuerzahler.

Wir sollten unser Schicksal wie die Schweizer in die eigene Hand nehmen. Die Rosenkranz ist auch dieser Meinung.

Mehr Mitbestimmung um den Filz aufzulösen. Wir, nur wir können das.

FinalDestinati0n
10
19.4.2010, 16:58

Go Goldman Go, Goldman Go!

franz der freie
 
02
19.4.2010, 16:08
goldmann und jp morgan> die achse des bösen.

mad ismailova
02
19.4.2010, 15:26
Bei uns in Transnistien Goldmann auch Problem

Niormale Burger keine Schance, weil versteckt als Schaf im Baerfaell, wo ist oft beschrieben als Schadbaer. Aber was will machen. Zu maechtig.

yomellamo
01
19.4.2010, 15:21
Goldman sucks!

also dann ...
02
19.4.2010, 15:20
dass die goldmänner .... betrügen ist seit AIG ... nichts neues !

an der AIG rettung verdiente
- goldmann sachs 8 m r d
- die deutsche bank 3,6 m r d !
die toxischen papierln wurden zum nominalwert ( ? )
abgekauft - es fand keine abwertung (korrekt wäre ca. 50-60 % des nominales als kaufpreis !) statt.

die deutsch bank machte - zusätzlich ! - auch
noch einen "goldenen schnitt" bei verstaatlichungen
- der IKB
- und der HRE - in summe zw. 5-8 mrd !
(da ja sonst ihre kredite den wert NULL ... hätten).

betrug + k o r r u p t i o n...ist in diesem geldsystem die REGEL - nicht die AUSNAHME !
es ist ein wunder...
dass es - bei dieser justiz - zur anklage kommt.

in Ö ist es noch ärger...,
weil hier nicht mal NEWS über die hypo-vorgänge
(die bank ist verstaatlicht)
b e r i c h t e n darf ???

also dann ...
00
19.4.2010, 15:58
*esofan*
00
19.4.2010, 15:11

die meldungen über goldman und grasser zeigen dass die zustände in der finanzwirtschaft zum himmel stinken.

Matthias Ackermann
20
19.4.2010, 14:55
Goldman

...macht einen guten Job. Unsere Bankenaufsicht bzw. die Bafin einen schlechten Job.

Matthias Ackermann
20
19.4.2010, 14:48
Goldman

Goldman ist die Bank der Banken.... Ihr CEO wurde US Fianzminister. Goldman regiert die Welt. Sie haben die Aufgabe die Wirtschaft mit frischem Geld zu versorgen... Einer muss den Job doch machen...Und das Politiker das nicht können, siehe IKB ist offensichtlich.... Die werden über den Tisch gezogen, weil sie die mathematischen Denkmodellen nicht verstehen, sondern nur an der Macht interessiert sind. Die Zeche zahlt der Steuerzahler....

AT & EU Bürger
010
19.4.2010, 14:34
Apokalypse

Habe kürzlich im Economist eine Grafik gesehen, die im Zeitverlauf 1970-2009 zwei "Linien" zeigt: eine, die nur sehr sehr leicht ansteigt (Einkommen aus der Produktiv-/Realwirtschaft), eine die sehr viel stärker ansteigt (Einkommen aus Finanzvermögen). Beide "Linien" entfernen sich immer stärker voneinander, sie "entfremden" sich sozusagen...die Schere geht also immer stärker auf.

Wer erarbeitet wohl das Geld, mit dem die Finanzvermögen in schwindelerregende Höhen klettern?

Wer trägt die Last, mit der die Folgen eines Platzens der Spekulationsblase "bezahlt" werden?

Wann knallt es so sehr, dass die werktätigen Ameisen der Realwirtschaft nicht mehr die Zeche der Milliardeneinkommen der Finanzjongleure zahlen wollen/können?

Wehrt Euch!!!

also dann ...
00
20.4.2010, 08:38
sehr interessant. könnten sie den link posten - danke.

witherabbitt
 
03
19.4.2010, 14:23


Steve Fraser in der New York Times: Stimmen die Anschuldigungen, dann "bestätigen sie die Leute nur in ihrem Glauben, dass Finanzinstitute absolut egoistisch handeln". Diese Anschuldigungen bestätigen nur die Grundsätze des »free-market liberalism«, die sich fälschlicherweise auf die These von A. Smith über den allgemeinen Wohlstand erzeugenden Eigennutz berufen. Fälschlicherweise, weil A. Smith keinen »free-market-liberalism« vertreten hat, und weil die strikte Eigennutzthese der Spieltheorie von Nash widerspricht. Genau dieser Egoismus aber wurde und wird als Basis des erfolgteichen Wirtschaftens propagiert!

her wig
03
19.4.2010, 14:33

Wenn es eine Vertrauenskrise gibt spricht man davon dass man mehr vertrauen sollte - aber ein egoistischer Mensch ist gemäß Definition nicht vertrauenswürdig. Diese Egoismus-Huldigung ist wirtschaftsschädigend und muss bekämpft bzw. durch eine verbesserte Einstellung ersetzt werden.

Erzpiefke
 
03
19.4.2010, 13:24
Ziemlich harter Tobak für Goldman&Sachs

Wenn Goldman&Sachs Papiere verkauft, die darauf ausgerichtet waren, kaputt zu gehen, dann ist das Betrug und sollte hart bestraft werden.

kann man Glück shorten?
01
19.4.2010, 12:40
Warum klagt die SEC eigentlich?

Zuerst haben die Amerikaner mit billgsten Krediten ihre Wirtschaft am laufen gehalten. Anschließend wurden diese wertlosen Kredite um gutes Geld in alle Welt exportiert.
Und nun klagt die SEC deshalb? Was ist denn da schief gelaufen? Ich dachte immer, die Amerikaner haben das mit Absicht gemacht. Die Beweise müssen ja erdrückend sein, wenn selbst die SEC die amerikansichen Banken nicht mehr schützt.

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