Heinz Fischer in der "Pressestunde"
Der amtierende Bundespräsident Heinz Fischer trat in der Pressestunde freundlich, souverän und gut gelaunt auf. Gelegentlich erinnerte er an Großvater Petz - der Pezi und seinen Freunden die großen Zusammenhänge der österreichischen Geschichte darlegt.
Er lieferte Historien-Argumente und fasste seine Ansichten immer wieder zusammen: "Die Zweite Republik gab die positive Antwort auf die Erste Republik. Das Jahr '45 war die Zäsur!"
Sein Rededuktus: gemächlich, Pausen wurden bewusst gesetzt, und Amtsinhaber Heinz Fischer ließ keinen Zweifel daran, dass er die Wahl von FPÖ-Kandidatin Barbara Rosenkranz für das falsche Signal hält. Fad klangen Allgemeinaussagen und seine vielen "man" -Botschaften: "Ich glaube, man muss sich damit beschäftigen."
Der gelernte Jurist ist jedoch Meister der Begriffsdefinitionen. Auf die Frage "Zuwanderung" antwortete er blitzschnell und unterschied zwischen den Themen "Zuwanderung", "Integration" und "Asylrecht".
Er gewährte Einblick hinter die Kulissen der Arbeit als Staatsoberhaupt. Die Zuseher Backstage herumzuführen ist clever, weil vertrauensbildend. Die vielen Namen bekannter Politiker als Referenzen und Netzwerkpartner anzuführen erhöht die Glaubwürdigkeit.
Rhetorische Appelle gab es genug. - Der Wichtigste für den kommenden Wahlsonntag: Wer unrot ist, sollte trotzdem nicht "weiß wählen" , sondern sich "lieber entscheiden" . Wer für Fischer stimme, wähle schließlich "rot-weiß-rot".
Sein Alter machte er zum Adelsprädikat mit der sentimentalen Behauptung: "Es wird wahrscheinlich keinen Bundespräsidenten mehr geben, der vor 1945 geboren ist".
Beide Seiten seiner Kritiker beruhigte er. - Jene, die ihn für einen Apparatschik halten, ließ er wissen: "Ein Bundespräsident ist kein Gegenkanzler." Den anderen, die ihn als zu passiv erlebten, versprach er, "öfter politische Reden zu halten".
Gekonnt setzte er das Mittel der Negativselektion ein, zum Beispiel auf die Frage, was er besser machen wolle: "Ich möchte zumindest nichts schlechter machen." Sein Fazit: Nach der zweiten Amtsperiode "will ich auf dieser Welt nichts mehr werden!" (Tatjana Lackner, DER STANDARD, Printausgabe, 19.4.2010)
Zur Person
Tatjana Lackner, Politiker-Profilerin und Direktorin der Schule des Sprechens, analysiert für den Standard die politische Rhetorik der TV-Konfrontationen.