Analyse

Großvater Petz erklärt Pezi die Welt

18. April 2010, 17:00

Heinz Fischer in der "Pressestunde"

Der amtierende Bundespräsident Heinz Fischer trat in der Pressestunde freundlich, souverän und gut gelaunt auf. Gelegentlich erinnerte er an Großvater Petz - der Pezi und seinen Freunden die großen Zusammenhänge der österreichischen Geschichte darlegt.

Er lieferte Historien-Argumente und fasste seine Ansichten immer wieder zusammen: "Die Zweite Republik gab die positive Antwort auf die Erste Republik. Das Jahr '45 war die Zäsur!"

Sein Rededuktus: gemächlich, Pausen wurden bewusst gesetzt, und Amtsinhaber Heinz Fischer ließ keinen Zweifel daran, dass er die Wahl von FPÖ-Kandidatin Barbara Rosenkranz für das falsche Signal hält. Fad klangen Allgemeinaussagen und seine vielen "man" -Botschaften: "Ich glaube, man muss sich damit beschäftigen."

Der gelernte Jurist ist jedoch Meister der Begriffsdefinitionen. Auf die Frage "Zuwanderung" antwortete er blitzschnell und unterschied zwischen den Themen "Zuwanderung", "Integration" und "Asylrecht".

Er gewährte Einblick hinter die Kulissen der Arbeit als Staatsoberhaupt. Die Zuseher Backstage herumzuführen ist clever, weil vertrauensbildend. Die vielen Namen bekannter Politiker als Referenzen und Netzwerkpartner anzuführen erhöht die Glaubwürdigkeit.

Rhetorische Appelle gab es genug. - Der Wichtigste für den kommenden Wahlsonntag: Wer unrot ist, sollte trotzdem nicht "weiß wählen" , sondern sich "lieber entscheiden" . Wer für Fischer stimme, wähle schließlich "rot-weiß-rot".

Sein Alter machte er zum Adelsprädikat mit der sentimentalen Behauptung: "Es wird wahrscheinlich keinen Bundespräsidenten mehr geben, der vor 1945 geboren ist".

Beide Seiten seiner Kritiker beruhigte er. - Jene, die ihn für einen Apparatschik halten, ließ er wissen: "Ein Bundespräsident ist kein Gegenkanzler." Den anderen, die ihn als zu passiv erlebten, versprach er, "öfter politische Reden zu halten".

Gekonnt setzte er das Mittel der Negativselektion ein, zum Beispiel auf die Frage, was er besser machen wolle: "Ich möchte zumindest nichts schlechter machen." Sein Fazit: Nach der zweiten Amtsperiode "will ich auf dieser Welt nichts mehr werden!" (Tatjana Lackner, DER STANDARD, Printausgabe, 19.4.2010)

 

Zur Person

Tatjana Lackner, Politiker-Profilerin und Direktorin der Schule des Sprechens, analysiert für den Standard die politische Rhetorik der TV-Konfrontationen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 111
1 2 3
Franziska F
11
20.4.2010, 11:49
www.youtube.com/heifitv

Das sollten Sie gesehen haben, bevor sie wählen gehen! Und bitte: Gehen Sie wählen, um diesen Mann eine Rechnung zu präsentieren.

Conrad Meyer
00
20.4.2010, 21:22
Ich hab ihn schon gewählt.

Per Briefwahl. Weil ich am Sonntag nicht in Österreich bin. Ich hoff, er kommt auf 80 %!

Gyula Schuch
00
19.4.2010, 20:29
Warum war

UHBP gestern nicht in Krakau um den Polen unsere Wertschaetzung zu zeigen? Weil ihm die 4 Stunden im Zug/Auto zu muehsam waren, oder weil ihm die Pressestunde wichtiger war? Wie kleinkariert und peinlich!

MA__48
00
19.4.2010, 23:19

er war ja abend dann noch bei ATV - beide Fernsehauftritte und Bergräbnis, wären sich mit dem Flieger auch nicht ausgegangen. Oder wolllte UHBP nur 5 Minuten beim Begräbnis bleiben??

Die Ausrede mit der Vulkanasche kam ihm zwar recht, so ganz Glaubwürdig war sie wohl nicht.

Wie gesagt, Dienstwagen und Chauffeur hätten die Strecke leicht in 4 Stunden bewältigt

aereo
02
19.4.2010, 17:32
Zeremonienmeister

So passiv wie die meisten Poster das Amt angelegt sehen und wie es Fischer selbst versteht ist der BP verzichtbar. Da würde eine Art Zeremonienmeister im Range eines höheren Beamten ausreichen.

Quasselmodo
01
19.4.2010, 17:46
Für die hoffentlich noch viele Jahre andauernde

politische Katastrophenlosigkeit reicht ein Seifenstein völlig, da haben Sie recht. Allerdings sehe ich ein verstärktes Abbröckeln der Konsenspolitik, und damit wird auch ein BP wieder wichtiger.

MA__48
00
19.4.2010, 23:20

jedoch nicht unser derzeitiger - er wird wohl immer ganz unverbindlich bleiben und keine Taten setzen

Quasselmodo
00
20.4.2010, 08:35

Wenn Sie schon Hellseher sind, bitte auch noch die Lottozahlen für Sonntag...
Aus Hrn. Fischers bisherigen Verhalten ist lediglich ablesbar, dass er nicht unnötig zu Katastrophenmitteln greift. Ob er es im Bedarfsfall tun würde, können weder ich noch Sie wissen, ich vermute es mal.

rundblicker
317
19.4.2010, 11:00

Vorweg: Ich bin kein Fischer-Fan. Trotzdem ist mein BP-Verständnis seit Kelstil: Lieber zu passiv als zu aktiv. MMn sollte der BP repräsentieren und die Funktion eines Notstrom-Aggregates übernehmen. Wenn ein Klomplettausfall des Parlaments passiert (egal wodurch) ist es seine Aufgabe die Notfallmaßnahmen zu übernehmen um die Demokratie wiederherzustellen.

Unter dieser Betrachtungsweise gibt es eigentlich keine Alternative zu Fischer, denn wenn ich an den Notfall denke (der kaum kommen wird) möchte ich mir die 2 anderen Kandidaten nicht anschauen.

Über seine Politik kann man diskutieren, über seinen Charakter braucht man es nicht tun.

Ing. Breitfuss1
00
19.4.2010, 12:17
notfall

notfall wird hoffentlich nicht eintreten.
ich möchte mir folgende peinlichkeit nicht vorstellen:
FBP Rosenkranz begrüßt das nach Österreich kommende Staatsoberhaupt von.....

beethovenfries
11
19.4.2010, 12:12

Die "2 anderen Kandidaten" sind der Notfall.

f l o
 
04
19.4.2010, 12:02
notstromaggregat, airbag oder notbremse ...

der notstrom-vergleich ist gar nicht schlecht.
österreichs bundespräsident ist meistens unnötig - in der waldheim-ära sind wir schließlich auch ohne echten bundespräsidenten ausgekommen. aber falls wir in eine politische situation geraten, in der er notwendig wird, ist es gut, einen ordentlichen bundespräsidenten zu haben.

au contraire
11
19.4.2010, 12:49

Ganz genau so und nicht andreas isses.

merlot46
21
19.4.2010, 12:32

Auch die Eurofigther sind nicht notwendig. Trotzdem hat uns Schüssel eingeredet, dass wir sie brauchen. Zum Unterschied vom BP kann sich das Bundesheer diese Dinger nicht leisten. Schüssels Erbe: Eurofigther statt funktionsfähige Kasernen.

Herr Franz Franzens
 
01
19.4.2010, 10:59
onkel hermann petz erklärt dem

(s)petzi die große weite welt:

und wennst brav bist, petzi, und recht schön über die tiwag berichten tust, kriegst irgendwann auch an vorstandsposten. mit verlängerung um 6 jahr. jedes jahr.

So ein super Wahlkampf
71
19.4.2010, 09:14
Opa Petz und Pezi singen gemeinsam

die neue österreichische Bundeshymne: "1-2-3-4 Nianix und olweil wos - hianwix und leichnblos"
http://www.youtube.com/watch?v=98PsWo_0ej4

eineinhalb drittel von 100
04
19.4.2010, 10:31
langsam wird fad ... gäääähhhn!

Karl-Ernbrecht von Stenitzer
 
41
19.4.2010, 08:22
Wow

Also wenn einer derart brillante Interviews zu geben in der Lage ist, so gekonnt die Spielregeln des politischen Marketings beherrscht wie Heinz - dann muss er wohl bitte (bei DEN Gegenkandidaten) jedenfalls ohne Mühe das bisherige Rekordergebnis eines Amtsinhabers bei einer Präsidentschaftswahl (79,9%, Kirchschläger 1980) überbieten. Bei einem derart herausragenden Kandidaten, wie dies der Artikel suggeriert, erwarte ich mir das schon.

anders and
 
02
19.4.2010, 13:41

haben Kronenzeitung und ÖVP gegen Kirchschläger agitiert?

Somit fehlt die Vergleichbarkeit.

au contraire
01
19.4.2010, 12:53

Ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass wir Sie nach der Wahl sogar dann beim Fischer-bashen beobachten können, wenn er mit 78% wiedergewählt wird.

Wie schafft man es eigentlich, in Ihren Augen KEIN Loser zu sein?

Karl-Ernbrecht von Stenitzer
 
11
19.4.2010, 15:28

78% sind weniger als 79,9%. Ganz abgesehen davon wird er nicht einmal die 70 schaffen. Und bashen werde ich nach der Wahl sicher nicht, da habe ich schon wieder andere Ziele vor Augen.

lichaot
01
19.4.2010, 10:21

Es genügen 50% + 1 Stimme.

Karl-Ernbrecht von Stenitzer
 
10
19.4.2010, 15:30

Ich habe nie behauptet, dass er nicht wieder gewählt wird. Aber alles, was unter 80% ist, ist mau. Alles, was unter 70% ist, ist erbärmlich.

aereo
21
19.4.2010, 08:14

So gesehen könnte man jeden der möglichst wenig macht, niemanden beleidigt und der die Verfassung kennt und respektiert zum BP wählen.

au contraire
02
19.4.2010, 12:59

So lang keine Notsituation eintritt, in der das Parlament handlungsunfähig ist, passt das auch.
Bis dahin kann sich ein Bundespräsident ziemlich bedeckt geben und sich auf Neujahrs- und Nationalfeiertagsansprache sowie das Flossenschütteln bei Staatsbesuchen beschränken.

Und der Gedanke daran, dass Staatsgäste von einer treudeutschen, mutterkreuztragenden Holocaust-Zweiflerin oder einem Radikalkatholiken mit vorgestrigen Ansichten begrüßt werden, verursacht bei mir massive Gänsehaut.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 111
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.