Gesundes Auge

Mehrfach scharf mit Multifokallinsen

25. April 2010, 16:00
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    foto: joachim penn/eyefactory

    "Je früher man Multifokallinsen verwendet, desto besser, denn im Anfangsstadium gewöhnt man sich schneller an dieses System." (Joachim Penn, Augenoptikermeister, konzessionierter Kontaklinsenoptiker und Optik-Geschäftsführer der Wiener "Eye-Factory")

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    foto: www.pixelio.de/udo sodeikat

    Seit Beginn der 1980er-Jahre sind Multifokallinsen mit zwei, drei und in Ausnahmefällen noch mehr Stärkebereichen in einer Linse erhältlich - ähnlich den Zonen bei einem Gleitsichtglas.

Alterssichtigkeit ist ein Phänomen, das alle betrifft - "Gleitsichtlinsen" übernehmen das Scharfstellen zwischen Nah und Fern

Wenn der Tag kommt, an dem man sich vom Kellner die Speisekarte vorlesen lassen muss, sollte man sich langsam mit dem Gedanken an die Presbyopie (Alterssichtigkeit) vertraut machen. "Jeder Mensch wird altersweitsichtig!", weiß Joachim Penn, Augenoptikermeister, konzessionierter Kontaklinsenoptiker und Optik-Geschäftsführer der Wiener "Eye-Factory". Zwischen dem 39. und 45. Lebensjahr funktioniert die Umstellung vom Nah- auf das Weitsehen zunehmend schlechter, da die Linse im Auge die Fähigkeit zur Scharfstellung in die Nähe (Nah-Akkomodation) verliert. Verantwortlich dafür sind Kalkeinlagerungen in der ursprünglich flexiblen und elastischen Linsenmasse.

Zu kurze Arme

Wo bei einem zehnjährigen Kind der Nahpunkt bei 7,5 Zentimetern liegt, rückt er im Alter von 30 bereits beinahe auf die doppelte Entfernung: 13,5 Zentimeter. 15 Jahre später hat sich die Distanz noch einmal mehr als verdoppelt. Dann lässt es sich im durchschnittlichen Abstand von 28,5 Zentimetern am besten lesen. Doch irgendwann sind die Arme nicht mehr lang genug, die "Lesehilfe" wird unentbehrlich. Abseits des Kleingedruckten stolpert man allerdings über die eigenen Füße. So wird die Gleitsichtbrille zur Dauereinrichtung.

Mehrere Stärkebereiche in einer Linse

Wer sich mit der Brille nicht anfreunden mag, findet die Alternative in Gleitsichtkontaktlinsen. "Der korrekte Ausdruck dafür ist 'Mehrstärkencontactlinsen' oder 'Multifokallinsen'", erklärt Penn. Seit Beginn der 1980er-Jahre sind solche mit zwei, drei und in Ausnahmefällen noch mehr Stärkebereichen in einer Linse erhältlich - ähnlich den Zonen bei einem Gleitsichtglas. Die Frage, ob es bei Multifokallinsen wie bei der Gleitsichtbrille auch eine "Grenze" zwischen Oben und Unten gebe, an die man sich erst gewöhnen müsse, beantwortet Penn: "Es gibt zwei Möglichkeiten: Bei der nach dem Simultanprinzip funktionierenden Multifokallinse existiert diese Grenze nicht. Da hat das Auge immer Ferne und Nähe gleichzeitig vor dem Auge und das Gehirn wählt sich die Zone, die es gerade braucht, aus." Bei der formstabilen alternierenden Bilfokallinse bestehe dagegen die Grenze zwischen oben und unten, was zu den Anfangsproblemen des Stolperns führen könne.

Je früher, desto besser

"Je früher man Multifokallinsen verwendet, desto besser, denn im Anfangsstadium gewöhnt man sich schneller an dieses System", empfiehlt Penn. Der Grund liege darin, dass am Anfang einer Presbyopie der Unterschied zwischen Ferne und Nähe noch nicht so groß sei. Penn passt fast ausschließlich individuell gefertigte formstabile oder weiche Linsen an, die exakt für das jeweilige Auge hergestellt sind: "Man kann heute die Hornhautoberfläche mit 22 000 Messpunkten pro Auge vermessen und die ideale Linse draufsetzen, oder eine Standard Wegwerflinse tragen, wo man nur die Dioptrienstärke bestimmen kann."

Die perfekte Linse

Bei individuell gefertigten Multifokallinsen lassen sich Nah-, Fern- und Zwischenzonen nach der genauen Pupillengröße des Kunden wählen. Dagegen könne man eine standardisierte Monats- oder Tageslinse zwar von der Stärke, nicht aber von ihrer Form her anpassen, da sie in Massenproduktion gefertigt werde. Weshalb Penn "in den seltensten Fällen" zu jenen rät. Er betont: "Die Linsen sollten unbedingt beim Fachoptiker oder Augenarzt angepasst werden, wo man auch eine umfangreiche Beratung bekommt. Die Handhabung und Reinigung der Kontaktlinsen erklärt in den meisten Fällen ein Assistent."

Die Favoriten des Kontaktlinsenoptikers sind individuell angepasste, formstabile Kontaktlinsen, die auch er seit Jahren trägt: "Sie ermöglichen mit bis zu 16 Stunden am Tag die längste Tragedauer und sind mit einer Haltbarkeit von etwa zwei Jahren die preisgünstigste Variante". Als Alternative empfiehlt er die ebenfalls individuell angepassten weichen Sechsmonats- oder Einjahres-Kontaktlinsen. Die standardisierten Einmonats-, Zweiwochen- oder Eintageslinsen seien auf ein Jahr gerechnet am teuersten.

Kosten und Haltbarkeit

Zwischen ca. 180 Euro und 600 Euro im Jahr müsse man je nach Auge und Typ der Linse für Multifokallinsen veranschlagen, exklusive Linsenpflegemittel. Von der Handhabung und Beschaffenheit sieht Penn keine Unterschiede zur "normalen" Kontaktlinse. Risiken und Gefahren, wie das Zerbrechen der Linse am Auge, seien bei richtiger Handhabung zu vernachlässigen, berichtet der Optiker aus der Praxis: "Das kommt sehr selten vor und verletzt das Auge in ganz wenigen Fällen. Falls doch, sind diese Verletzungen fast immer reversibel." Eine viel größere Gefahr als das Zerbrechen der Linse am Auge seien falsche Handhabung und Reinigung der Linse. Insbesondere eine zu lange tägliche Tragedauer erzeuge, durch die über Jahre hinweg bestehenden Sauerstoff- und Nährstoffmangelerscheinungen,  sogenannte Neovaskularisation. Dabei handelt es sich um Gefäßeinwachsungen in die per se gefäßlose Hornhaut.

Ein Tag Pause pro Woche für Weichlinsenträger

Laut Penn tritt die Neovaskularisation zu 95 Prozent bei Weichlinsenträgern auf und ist nicht behandelbar. Was man tun kann, ist die Linse beziehungsweise den Tragerhythmus zu ändern, sprich zu verkürzen, um dem Auge wieder ausreichend Sauerstoff und Nährstoff zu bieten. Der Kontaktlinsenoptiker: "Eine kürzere Tragedauer ist für das Auge immer sinnvoll, jedoch hat diese bei formstabilen Linsen viel weniger Einfluss als bei Weichlinsen. Meine Empfehlung an Weichlinseträger ist eine Tragedauer zwischen zehn und zwölf Stunden am Tag und einen Tag in der Woche Pause." (Eva Tinsobin, derStandard.at, 26. 4. 2010)

Überblick

Multifokallinsen gibt es mit zwei, drei, in Ausnahmefällen auch mit mehreren Stärkebereichen in einer Linse.

Zielgruppe: von der Alterssichtigkeit oder Presbyopie Betroffene und Menschen, bei denen unabhängig vom Alter die Akkommodation nicht richtig funktioniert.

Linsen-Arten:

Individuell angepasste formstabile Linsen: Tragedauer bis zu 16 Stunden täglich, rund zwei Jahre haltbar.

Weiche Linsen:

  • Individuell angepasste 6-Monats-Linse
  • Individuell angepasste 1-Jahres-Linse
  • 1-Monats-Linsen
  • 2-Wochen-Linsen 
  • 1-Tages-Linsen

Kosten: Je nach Auge und Linsentyp zwischen 180 und 600 Euro pro Jahr, exklusive Linsenpflegemittel. Auf ein Jahr gerechnet ist die individuell angepasste formstabile Linse am günstigsten, die Eintages-Linse am teuersten.

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11 Postings
SixSigma
11
26.4.2010, 14:10
Ich selbst

trage harte Kontaktlinsen mit dem Mehrstärkenschliff und muss sagen das ich super zufrieden bin! Am Anfang, also die ersten tage sind die Linsen ein wenig unangenehm aber dann passen sie perfekt und die Sehqualität ist besser als zuvor! Ich kanns also nur weiterempfehlen!!

01052004
10
26.4.2010, 13:57
eigenartig

mein augenarzt meinte "gleitsichtbrille erst später. bleibens bei zwei brillen. das ist für ihre augen besser"...

also wer hat jetzt recht???

oder trifft das nur für kontaktlinsler zu??? da wär ich beruhigt, ich trag meine brillen gerne...würde nie gegen linsen tauschen wollen...

SixSigma
01
26.4.2010, 15:41
Gleitsichtbrillen

Also ich hab neben meinen Linsen auch eine Gleitsichtbrille. Hab die ersten 2 Jahre wo ich Weitsichtig geworden bin auch zwei Brillen verwendet, nur das ständige wechseln zwischen den beiden hat mich so genervt das ich auf Gleitsichtbrillen- und Linsen umgestiegen bin! Muss aber auch sagen das mich mein Optiker in Linz bestens beraten hat, was ich bei einem einmaligen besuch bei Diskonter nicht gerade sagen kann!

good vibration
00
26.4.2010, 11:31
Für meine Altersweitsichtigkeit reichen zwei Lesebrillen

und damit sehe ich sicher besser als mit Gleitsichtbrillen.
Und wenn ich kleine Dinge bearbeite, nehm ich einfach beide Brillen übereinander, funktioniert erstaunlich gut bzw. scharf..

mbli
10
26.4.2010, 10:53
besonders lustig ist, wenn zur kurzsichtigkeit noch die

altersweitsichtigkeit dazukommt. die kontaktlinsen sind bei mir bei einem auge auf weitsicht und beim anderen auf kurzsicht ausgelegt. brauche also fürs normale sehen ziemlich viel "hirnarbeit". trotzdem wird es schlechter. für mich scheinen diese linsen eine option.
ohne kontaktlinsen trage ich eine gleitsichtbrille, aber der nachteil ist das eingeschränkte gesichtsfeld, das wieder bei den linsen optimal ist.

FlowerPower
01
26.4.2010, 10:31
noch brauch ichs nicht...

komme mit meiner Brille noch toll zurecht.

Elio Ambrosi
 
12
25.4.2010, 21:20
Wenn ich

das richtig verstehe, sind das "Gleitsicht"-Kontaktlinsen.
ich habe seit ca. 10 Jahren Presbyopie und habe am Anfang auch mit Gleitsichtbrillen experimentiert. Das Auge gewöhnt sich schon dran (wenn man ein kleines Gesichtsfeld hat) und das räumliche Sehen funktioniert schlecht. Beim Gehen auf dem Gehsteig hatte ich beim Tragen der Gleitsichtbrille das Gefühl, der Gehsteig wölbt sich von vorne hinunter zu meinen Füßen und im Mittelbereich links und rechts von der Augachse war alles unscharf. Jetzt habe ich nur mehr meine Lesebrille über die ich drüberschaue.
Wenn schon, dann eine saubere Bifokal-Brille.

V78
00
27.4.2010, 10:47
vor 10 jahren...

solche Gläser verkauft ja heutzutage nicht mal mehr der Hartlauer!
Wer was gutes kauft, sieht auch gut damit, wer irdendein Billigproduckt kauft, kauft teuer, weil er es nicht verwenden kann!

Gleitsicht ist schon was tolles, kostet dann aber auch nicht die welt, sonst braucht man ja fast 3 brillen und mehr, und das ist dann deutlich teurer!

TillaEulenspiegelin
02
26.4.2010, 13:55

Was Sie beschreiben, klingt nach den Anfangsschwierigkeiten, die ich noch jedes Mal hatte, wenn ich eine neue Brille angemessen bekam (auch, als es noch die normale Brille war.) Besonders die Astigmatismuskorrektur wirkt sich, glaube ich, zunächst in dieser Verzerrung der Perspektiven aus, bevor sich das Hirn umstellt.
Bei der ersten Gleitsichtbrille waren die Probleme anfangs zwar massiver (wirklich arge Kopfschmerzen über ein, zwei Wochen), dafür war's nachher aber umso besser. Ich möchte das Gleitsichtglas nicht mehr missen. Mit Kontaktlinsen könnte ich mich nicht anfreunden.

Irma la Douce
04
26.4.2010, 08:49
Pardon, aber das was Sie beschreiben könnte


eher ein schlechtes Urteil über den Optiker darstellen als über das Prinzip der Gleitsicht. Ein guter Optiker nimmt sich viel Zeit und erst zufrieden, wenn man als KundIn kein Problem mehr hat. Und ich hab auch ziemlich problematische Augerl, weiß GOtt.

Das Pulver aus dem Urzeit-Krebse wachsen
10
25.4.2010, 19:39
sogenannte Neovaskularisation. Dabei handelt es sich um Gefäßeinwachsungen in die per se gefäßlose Hornhaut.

Die Gefäße sind ja noch rellativ egal, aber wenn man sich dann ein Bröserl reinribbelt und die Gefäße verletzt hat man danach eine schöne Trübung. Und dann noch diese Nachtundtagdauerlinsen, die ja sooo viel Sauerstoff durchlassen..

Naja, muß ja jeder selber wissen was er/sie tut, ich finde Brillen cool.

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