"Genmanipulierte Pflanzen werden verschwinden"

17. April 2010 12:53

Journalistin Marie-Monique Robin hält die Vorteile der Gentechnik in der Landwirtschaft für eine große - von der Agrarindustrie gestreute - Lüge

Standard: Liest man Ihr Buch oder sieht man Ihren Film, bekommt man den Eindruck, genmanipulierte Pflanzen wären das Werk des Teufels und die amerikanische Firma Monsanto, die sie herstellt, der Teufel selbst. Gibt es denn nichts Positives an der Biotechnologie?

Robin: Es gibt zwei Aspekte: einerseits die Biotechnologie, die im Labor passiert und dazu dient, neue Medikamente zu entwickeln. Daran ist nichts auszusetzen. Und andererseits die genmanipulierten Pflanzen im Feld. Die dienen nur dem Gewinn der Agrarindustrie - und nicht den Konsumenten, nicht den Bauern und nicht der Umwelt.

Standard: Ein oft vorgebrachtes Argument für genmanipulierte Pflanzen ist, dass die Erträge der Pflanzen höher sind und wir mehr Erträge brauchen, um die rasant wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Robin: Das ist eine Lüge. Erstens produzieren wir mehr als genug Lebensmittel - das gibt sogar die FAO zu. Das Problem liegt vielmehr in der Verteilung der Nahrung und in den Marktsystemen. Man müsste zuerst darauf achten, dass die Bauern besser verdienen und keine Subventionen mehr brauchen. Lebensmittel sollten zu ihrem rechten Wert bezahlt werden. Zweitens hat eine Firma wie Monsanto mit der Ernährung der Weltbevölkerung aber auch rein gar nichts am Hut.

Standard: Was ist mit geringerem Input? Oft wird angeführt, dass genmanipulierte Pflanzen weniger Wasser, Platz, Pflanzen- und Insektenschutzmittel brauchen.

Robin: Auch das ist eine Lüge. Pflanzen und Insekten bauen Resistenzen auf. Dadurch braucht man immer mehr Input und Chemie, um aus den ausgelaugten Böden überhaupt etwas zu holen. In dem Fall besteht überhaupt kein Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft. Das einzig Neue an der Dritten Grünen Revolution - wie man sie nennt - ist, dass es jetzt Patente gibt. Die Bauern dürfen ihre Samen nicht behalten, sondern müssen sie jedes Jahr neu kaufen - und zwar von Monsanto.

Standard: Nun sind gentechnisch veränderte Organismen längst unter uns. Unser Vieh wird mit ihnen gefüttert, und gerade erst hat die EU eine genmanipulierte Kartoffel zum Anbau freigegeben.

Robin: Letzteres erklärt sich dadurch, dass auch das Komitee, das die EU in Sachen Genmanipulation berät, zu 80 Prozent aus Leuten besteht, die alles andere als unabhängig sind. Und das mit dem Viehfutter stimmt zwar, wird sich aber nicht lange halten. Der französische Handelsriese Carrefour etwa kauft kein Fleisch von Tieren, die so ernährt wurden - weil sie wissen, dass der Konsument es früher oder später ablehnen wird.

Standard: Glauben Sie wirklich, dass der Widerstand in einer globalisierten Welt lange halten wird?

Robin: Ich war gerade in Minnesota und in Kanada. Ich kann Ihnen sagen, dass die Bauern dort alle aufhören wollen, gentechnische Pflanzen anzubauen.

Standard: Es stimmt also nicht, dass sich die sogenannte Grüne Gentechnik weiter ausbreitet?

Robin: Das behauptet die Industrie. Das Gegenteil stimmt. Genmanipulierte Pflanzen werden von selbst verschwinden, wenn alle Bauern erkannt haben, dass sie nichts bringen.

Standard: Das klingt optimistisch.

Robin: Mein Pessimismus bezieht sich auf die Böden. In Argentinien wurden Millionen Hektar mit genmanipuliertem Soja bepflanzt, das der Ernährung amerikanischer und europäischer Rinder dient. Es besteht die Gefahr, dass diese Böden endgültig unbrauchbar werden. Argentinien wird Milch und Fleisch importieren müssen. Dagegen hilft auch die Kampagne der Regierung nicht, die die Bevölkerung zu Sojamilch und Tofu überreden will.

(Georg Desrues, DER STANDARD/Printausgabe, 17.4.2010)

ZUR PERSON

Marie-Monique Robin (50), französische Aufdeckerjournalistin und Regisseurin. Ihre Dokumentation Monsanto - Mit Gift und Genen, die sie für Arte drehte, wurde in zwanzig Ländern ausgestrahlt, das gleichnamige Buch in sechzehn Sprachen übersetzt. Immer wieder wird ihr vorgeworfen, dass weder im Film noch im Buch Verantwortliche der von ihr attackierten Firma zu Wort kommen. Was Robin damit erklärt, dass man ihr jede Auskunft vonseiten Monsantos verweigert hätte.

g. simb
19.04.2010 19:33
"das ist eine lüge"

Resistenzen muss man immer bekämpfen. die hat man auch früher oder später beim biologischen Pflanzenschutzmittel Bacillus thuringiensis (nicht zu verwechseln mit Bt-Mais bitte!)

die arte doku war ja gut, ich wünschte ich hätte dieses interview nicht gelesen, das hat mein positivies bild von der frau zerstört.

Herb All
20.04.2010 09:02
tja

nur weil sie die arte doku gsehn haben gibts auch kein grünes Stricherl..

Herb All
18.04.2010 23:50
Wow

Hätte nicht gedacht hier mal auf einen eher contra-Gentechnik-artikel zu stoßen.

Ich finde, dass Frau R. die Gefahren und Tücken relativ gut zusammenfast. Ihren Obtimissmus kann ich jedoch leider ebenfalls nicht teilen.

g. simb
18.04.2010 09:44

das glaubt sie doch selber nicht, die liebe dame. GM Pflanzen werden früher oder später auch in Ö sein - Ö wird sich nicht ewig wehren können. Außerdem essen wir sie ohnehin schon indirekt durch futtermittel.

man muss skeptisch sein - muss sich aber darauf einstellen.

Christoph ************
17.04.2010 20:40

Ziemlich naiv das Ganze. GM Soja zum Beispiel macht den Großteil der Weltproduktion an Soja aus und das eben nicht weil es böse Kräfte so wollen sondern, weil abseits von bio Spartenprodukten reguläre Sojapflanzen einfach nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Das kann man sehen wie man will aber es ist nun mal so.

Nicht ganz nachvollziehbar ist meiner Meinung nach wenn Pflanzen die gewisse Eigenschaften durch gezielte Zucht erhalten in der Öffentlichkeit als völlig unbedenklich halten, wenn man das theoretisch durch grüne Biotechnologie erreichen würde, wäre es aber des Teufels.

Herb All
19.04.2010 14:28
sehr seriöser Beitrag!^^

Ihre Quellen?

Papa? Kristallkugel?

spielt mit
17.04.2010 18:22
Schön...

....daß es so aussieht, als würde das gentechnische Aufrüsten in unserem Essen wieder schwinden!

Ich will nicht die Gentechnik von vornherein verteufeln, jedoch die Gentechnik als die nahrungsmitteltechnische Universallösung zu predigen, ist genauso verkehrt.

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