Wie schaut wohl Stadtrat Rudolf Schicker aus, wenn er auf dem Citybike Rad fährt? Er trägt natürlich Anzug und Krawatte
Letzte Woche denke ich, mich streift die U-Bahn. Dabei sitze ich doch in ihr. Mir zu Füßen liegt das Kleinformat, das gerne liegengelassen wird – und Stadtrat Rudolf Schicker. Er fährt medienwirksam auf einem Citybike. Mit Anzug und Krawatte. Warum er das macht? Ganz einfach, um die "fahr_rad_in_wien"-Tour zu bewerben.
Dabei handelt es sich um eine Wanderausstellung, die von Shopping-Center zu Shopping-Center spaziert – bis Mittwoch steht sie noch im Donauzentrum, kommt dann bis Mitte Mai ins Q19, von dort geht es bis Ende Mai ins Shopping Center Nord, dann in den Zweiten ins Stadion Center, bevor man sie im Huma in Simmering versteckt.
Dort kann jeder, wie schon beim Argus Bike-Festival, sein Fahrrad gratis von der Wiener Polizei kodieren lassen, und es gibt Kurse für Senioren, um besser Rad zu fahren. Es gibt neue Testräder zum Probefahren und eine Service-Station. An und für sich eine gute Idee, doch warum muss der gute Herr Schicker deswegen mit dem Citybike fahren?
Eh klar: "Citybike" ist mitten im Ausbau des Angebotes: In den nächsten fünf Jahren kommen zu den bestehenden 62 Stationen fast noch einmal so viele dazu. Ob sich damit die rund 400.000 Fahrten auch verdoppeln lassen, bleibt abzuwarten. Aber immerhin, 1,3 Millionen Kilometer haben 2009 die Citybikes gemeinsam zurückgelegt – das ist drei Mal zum Mond und ein Stückerl zurück – oder 250.000 Mal um den Ring, wie ein Citybike rechnen würde.
Und wenn wir schon beim Rechnen sind: 210.000 Menschen haben sich bei Citybike angemeldet – das wäre rund jeder achte Wiener. Und fast jeder von ihnen hat sich somit zwei Mal ein Citybike ausgeborgt und ist damit dann nicht einmal sechs Kilometer gefahren. Grund für diese fantastischen Zahlen, heißt es, ist die Dreigang-Schaltung der Citybikes in Wien.
Ich bin mir sicher, dass Stadtrat Rudolf Schicker unter der Sechs-Kilometer-Latte Limbo durchtanzen kann. Ich vermute auch, dass jedesmal, wenn er am Citybike saß, ein Fotograf dabei war. Aber dennoch ist es gut. Er macht Werbung fürs Fahrrad fahren. Für eine umweltschonende, praktische und flotte Art, sich in der Stadt zu bewegen. Und so lange ihm nicht die Krawatte in die Kette kommt, schaut keiner beim Radeln – äh – flotter aus als er.