zero-fivetwelve

Die Kunst des genetischen Spammings

16. April 2010, 21:18
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    foto: zero-fivetwelve

    Spray mit DNA-Infos aus freiwilligen Spenden.

Ein Grazer Projekt macht auf die Schattenseiten der DNA-Fahndung aufmerksam

Graz - Jeder kennt die Faszination, die zu Beginn von Serien wie CSI Miami oder Crossing Jordan ausging. Die schier unbegrenzten Möglichkeiten, die Ermittler dank der Doppel-Helix seit einigen Jahren zur Verfügung stehen, hatten etwas Beeindruckendes und gaukelten natürlich das Gefühl von mehr Sicherheit vor. Denn am Ende wird der Bösewicht - der seine DNA am Tatort hinterlässt, immer gefasst. In Wahrheit ist das freilich anders.

"Es reicht schon, wenn zwei oder drei verschiedene Menschen ihre DNA am Tatort hinterlassen, und die Spuren sind möglicherweise unbrauchbar, weil man die einzelnen Informationen nicht mehr auseinanderhalten könnte", erklärt der gelernte Chemiker Steffen Strassnig, der seit zwei Jahren eine Hälfte des Grazer Künstlerkollektivs zero-fivetwelve (0512) ist, im STANDARD-Gespräch. Und mit der Sicherheit sei das auch so eine Sache. Dass man sagt, die Polizei lege DNA-Datenbanken nur zur gezielten Überwachung von Verdächtigen an, und diese Daten würden gelöscht, wenn sich der Verdacht nicht erhärtet, überzeugt Strassnig und Martin Mathy, die andere Hälfte von 0512, nicht unbedingt. Denn man könne mit Genmaterial, das wir alle überall hinterlassen, erstens vielmehr über eine Person herausfinden, als für die Aufklärung eines Verbrechens notwendig ist, also mehr als etwa das Geschlecht, und zweitens den Grundstein zur Massenüberwachung legen.

Das Projekt "DNA Cover/Human Genetic Material Mixture", dass Mathy und Strassnig für den Prix Ars Electronica einreichten, macht genau darauf aufmerksam. Und auch darauf, wie man sich theoretisch gegen diese Überwachung wehren kann. Das Projekt besteht aus zwei Teilen: aus dem DNA Cover Pool, für den 0512 die DNA von hundert Freiwilligen mittels Mundhöhlenabstrich sammelten, und aus dem DNA Cover Spray, einer Pump-spraydose mit dem handlichen Volumen von 125 ml, das DNA-Fingerabdruck-relevante Fragmente der Desoxyribonukleinsäure aus dem Pool enthält. Dazu schafften sich die Künstler, die auch schon mit gänzlich un-naturwissenschaftlichen Projekten wie einer Arbeit über den Text-Mix in der Bibel oder eine akustische Abbildung des Wortes Allah für Aufsehen sorgen, auch ein kleines Heimlabor samt Ultrazentrifuge an.

Theoretisch kann man nun also mit dem Versprühen des Sprays auf diversen Oberflächen die dort befindlichen Gen-Informationen unbrauchbar machen. "Theoretisch", betonen Mathy und Strassnig, denn "das ist ein Kunstprojekt und soll nicht dabei helfen, dass sich jemand der Strafverfolgung entzieht."

"Es funktioniert im Prinzip wie Spamming", vergleicht Mathy die Wirkung des Sprays, "du überflutest jemanden einfach mit Informationen." Man könne es aber auch als eine neue Runde im Kreislauf der Einsätze von Technologien bezeichnen, die nicht immer den Interessen aller Menschen entgegenkommen: DNA-Hacking ist das Wort dafür. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD-Printausgabe, 17. 4. 2010)

 

Rob Anybody
01
18.4.2010, 17:25
Ist eigentlich diese bösartige Superverbrecherin schon dingfest gemacht,

die ihre DNA Spur auf Tatorten quer durch Europa hinterlassen hat?

Die ist ja ein Früchtchen, hat vom PolizistInnenmord bis zum Gitarrendiebstahl alles auf dem Kerbholz.

Monopoly mit Hut
02
19.4.2010, 08:47

Das hat man schon vor einiger Zeit herausgefunden. Es war eine Arbeiterin in der Firma, die Wattestäbchen herstellt, die von der Polizei für DNA-Spurensicherung verwendet wurden.

Sie hat die Wattestäbchen entweder unabsichtlich kontaminiert bzw. entsprechende Arbeitsvorschriften nicht eingehalten oder die Wattestäbchen waren gar nicht für DNA-Spurensicherung zugelassen.

Herr Plumm
00
18.4.2010, 09:24

wer hätte das gedacht? :-)

Prolet
00
17.4.2010, 09:17
Als Gaunerfeind gebe ich gerne meine DNA ab um schnelle Hilfe bei Unfall oder bei Verbrechen zu finden!

Die Sorge ist der Mißbrauch durch Behörden!

LCD
03
17.4.2010, 13:59
Naivität ^n

Ich lese zwischen den Zeilen: Bei Vaterschaftstests (wozu sonst braucht man die DNS bei Unfällen?) und bei Verbrechen glaubst du reines Gewissen zu haben. Nur wenn einer deine Kippe, Taschentuch oder Haare am Tatort deponiert, bist du trotzdem der gef1ckte. Behörden werden dir sicher nicht helfen, oder sich über den Missbrauch sorgen.
Die Geschichte von der Phantom-Mörderin in Deutschland kennst du sicher. Die sind auf die verunreinigten Wattestäbbchen nur durch Zufall draufgekommen. Ist schon merkwürdig wenn eine Täterin ihre DNA an so vielen unterschiedlichen Tatorten hinterlässt, von Mord bis zum aufgebrochenem Kaugummiautomaten. Wäre es nur an einem Tatort, hätten sie die arme Frau lebenslang weggesperrt.

Dante Alighieri
01
17.4.2010, 03:43

Lässige Idee.

Ava Tar
02
17.4.2010, 02:31
Ein Verbrecher

braucht nur genügend Dreck anderer zu sammeln - Haare vom Boden eines Friseurs usw. - und schon kommen 100 Täter in Frage

LCD
02
17.4.2010, 01:41

Da gab es doch auch einen Einbrecher der von der Straße Kippen und gebrauchte Taschentücher aufgesammelt, und an Tatorten hinterlassen hat.

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