DNA-Fahndung längst Routine

125.000 Spuren in Datenbank

16. April 2010, 21:09

Labormitarbeiter werden am besten analysiert

Wien - Die Polizei in Österreich setzt seit 13 Jahren routinemäßig DNA-Spuren zur Aufklärung von Straftaten ein. Dabei werden biologische Tatortspuren wie Blut, Haare, Speichel und Sperma gesammelt. Verdächtige werden zum Mundhöhlenabstrich gebeten, alle Proben werden codiert an ein Labor geschickt und ausgewertet. Die Ergebnisse werden in der DNA-Datenbank abgeglichen. Derzeit sind in der heimischen Datenbank rund 125.000 Proben gespeichert, damit ist sie weltweit eine der größten.

Die Briten waren 1995 zwar die ersten, die ihre polizeiliche Gendatenbank vorstellten, doch Österreich hatten den Abgleich von Tatortspuren schon drei Jahre zuvor in einem spektakulären Kriminalfall erstmals eingesetzt: im Fall des Frauenmörders Jack Unterweger, der 1994 wegen neunfachen Prostituiertenmordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Das Urteil wurde nie rechtskräftig, weil sich Unterweger kurz nach dem Spruch in seiner Zelle erhängte. Schon Jahre zuvor hatte er eine Haftstrafe wegen eines anderen Mordes verbüßt und danach als vermeintlich geläuterter Häfenpoet Karriere gemacht.

Derzeit gibt es drei DNA-Labore in Österreich, wobei sich das größte in Innsbruck befindet. Wesentlich ist, dass die Spurenschiene von der Referenz-Datenschiene strikt getrennt ist. Referenzspuren werden ausschließlich in Innsbruck analysiert. Pro Jahr kommen rund 12.000 solche DNA-Proben nach Innsbruck. Am besten analysiert sind die Labormitarbeiter selbst. Jeder, der in ein Labor hineingeht, wird analysiert, um eine Kontamination durch eigene DNA auszuschließen.

Schwere DNA-Panne

Wie wichtig diese Maßnahme ist, zeigte der Fall der langgesuchten "Phantom-Mörderin". Fast zwei Jahre lang jagten die deutsche und die heimische Polizei aufgrund der Auswertung von Tatortspuren einer unbekannten Frau hinterher. Bis sich im Frühling 2009 herausstellte, dass die in 38 Fällen gesicherte DNA-Spur von verunreinigten Wattestäbchen stammte - konkret von einer Mitarbeiterin der Firma, die die Stäbchen zur Spurensicherung herstellt. (simo/DER STANDARD-Printausgabe, 17. 4. 2010)

 

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