1866 Gregor Johann Mendel veröffentlicht den Aufsatz Versuche über Pflanzenhybriden, die Geburtsstunde der Genetik.
1900 Carl Correns, Erich von Tschermak und Hugo de Vries bestätigen unabhängig voneinander Mendels Vererbungstheorie durch Züchtungsexperimente.
1905 William Bateson führt den Begriff Genetik ein.
1909 Wilhelm Johannsen prägt das Konzept des Gens als Träger der Vererbung und prägt die Begriffe Phänotypus und Genotypus.
1910 Thomas Hunt Morgan führt, inspiriert von Mendels Experimenten, ähnliche Vererbungsversuche mit der Taufliege Drosophila melanogaster durch.
1944 Oswald Theodore Avery entdeckt, dass die DNA und nicht die komplexen Proteine als Träger der Erbinformatio-nen fungieren. Erwin Schrödinger veröffentlicht das Buch What is Life über die Natur des Lebens aus Sicht der Physik.
1953 James D. Watson und Francis H. C. Crick legen die Grundsteine für das räumliche Modell der DNA-Doppel-helix.
1961 Francis Crick entdeckt Botenmoleküle. Marshall Nirenberg synthetisiert einen Botenmolekül-Strang, der nur aus der Base Uracil aufgebaut ist und leitet damit die Entschlüsselung des genetischen Codes ein.
1962 Begründung der Zytogenetik. Zusammenhänge zwischen Chromosomenveränderungen und Krankheiten wie Trisomie 21 werden hergestellt.
1971 Herbert Boyer und Stanley Cohen erzeugen ein neu kombiniertes DNA-Molekül aus viraler und bakterieller DNA und bringen es in Bakterien ein. Beunruhigt über die möglichen Risiken dieser Verfahren, trafen die Wissenschafter daraufhin umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen bei der Neukombination von Erbmaterial und erwirken u. a. durch die Asimolar-Konferenz 1975 den Erlass staatlicher Regelungen in den USA.
1972 Paul Berg gelingt es, mittels eines aus Bakterien isolierten Restriktionsenzyms DNA zu zerschneiden und mit einer DNA-Ligase wieder zu verbinden.
1973 Forscher produzieren ein genetisch verändertes Bakterium. In Stanford transferieren Stanley Cohen, Annie Chang und Herbert Boyer in einem historischen Experiment zum ersten Mal DNA von einem Organismus in einen anderen: Sie vereinen virale und bakterielle DNA und kreieren ein Plasmid mit zwei Antibiotikaresistenzen. Anschließend integrieren sie das Plasmid in die DNA des Darmbakteriums Escherichia coli und schaffen so den ersten rekombinanten Organismus. Der Biochemiker Bruce Ames entwickelt einen Test, der Chemikalien identifiziert, welche DNA angreifen. Dieser Ames-Test wird im Anschluss zur Feststellung krebserregender Stoffe eingesetzt.
1977 Erstmals wird ein menschliches Gen geklont, und es gelingt die gentechnische Herstellung eines menschlichen Proteins in einem Bakterium, nämlich des Hormons Somatostatin, das unter anderem die Ausschüttung von Insulin hemmt. Walter Gilbert, Allan Maxam und Frederick Sanger entwickeln eine Methode der DNA-Sequenzierung auf Basis von Chemikalien statt von Enzymen. Sie erhalten 1980 den Nobelpreis.
1982 Das erste gentechnisch hergestellte Medikament kommt in Amerika auf den Markt: ein Insulin, das von einem transgenen Bakterium gewonnen wird. Methoden zur Genübertragung in tierischen Organismen mithilfe von Retroviren (Palmiter, Brinster u. a.), seitdem zahlreiche neue Entdeckungen.
1983 Kary Mullis entwickelt ein Verfahren, um mithilfe der Polymerase-Kettenreaktion (Polymerase Chain Reaction, PCR), DNA zu vervielfältigen. Damit wird die Molekularbiologie revolutioniert. 1993 erhält Mullis den Nobelpreis.
1990 Offizieller Start des internationalen Human-Genom-Projekts
1996 Ein internationales Gemeinschaftsprojekt schließt die Sequenzierung des ersten Genoms eines höheren Organismus, das der Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae), ab.
1997 Ian Wilmut gelingt das Klonen eines erwachsenen Tieres - Resultat: das Schaf Dolly. 2001 tauchen Vermutungen auf, dass ein solches geklontes Tier ein biologisches Alter hat, das sich aus der Summe seines eigenen Alters und des Alters seines Ahns zum Zeitpunkt der Klonierung zusammensetzt.
1998 Das Genom des ersten Vielzellers, des Rundwurms Caenorhabditis elegans, ist durchsequenziert.
1999 Die Sequenz des Chromosoms 22 wird veröffentlicht.
2000 Die Human Genome Organization und das Unternehmen Celera stellen die erste Arbeitsversion des Humangenoms vor. Am 6. April 2000 geht Craig Venter an die Öffentlichkeit und verkündet, sein Team habe 99 Prozent des menschlichen Erbguts entschlüsselt. Allerdings müssten die Bausteine noch geordnet werden.
2001 Amerikanische Forscher stellen am 11. Jänner 2001 den ersten Affen vor, dessen Keimbahn gentechnisch verändert ist.
Bis heute wurden die Genome mehrerer hundert Organismen entschlüsselt. Fast täglich kommen neue hinzu. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.4.2010)