Die Killerkartoffeln sind unter uns!

16. April 2010, 19:03

Kleine Würdigung eines knolligen Kraftwerks namens "Amflora" und seiner Erfinder - unter selbstverständlicher Berücksichtigung der "berechtigten Sorgen und Nöte der Bevölkerung" - von Reinhard Schlieker

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? - So hieß der Kinderschreck früher einmal. Wer oder was der genau war, ließen die Pädagogen geflissentlich im Dunkeln, wo ja Schwarze Männer schließlich auch hingehören, oder? Dabei ist der Rauchfangkehrer - hat der ein Glück - häufig im gleißenden Sonnenlicht hoch oben auf dem Dach zu finden. Nun, die Welt ist eben schwer zu verstehen.

So ähnlich ist es mit dem edlen Gemüse. Es wird edel dadurch, dass ein überragender Geist sich mit ihm befasst, und das heißt nicht, es schnöde in Töpfe voll siedendem Wasser zu tun und das Ganze anschließend zur Suppe zu erklären. Das ist Mittelalter. Jenes war bekanntlich um das Jahr 1500 vorbei - oder vielleicht doch nicht?

Früchte des Bösen?

Wir sprechen hier von einer spektakulären Entwicklung, die sich in der verhältnismäßig kurzen Zeit von fünfzehn Jahren in diesem unserm Europa ereignet hat. Die Rede ist von der Kartoffelsorte "Amflora" .

Die hatte und die hat es schwer. Denn sie ist keineswegs dazu bestimmt, auf unseren Tellern zu landen, weit gefehlt. Sie liefert dank klugen "Genetic Engineering" mehr Stärke als andere Kartoffeln, und dafür hat der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF sie entwickelt. Gentechnisch. Und ist noch stolz darauf. Kein Wunder: Dazu gehörte ja nicht nur Forschergeist, das Gehirnschmalz vieler weiser Frauen und Männer, jede Menge Labor und Technik, sondern auch noch Mut. Unglaublicher Mut. Denn: Die Kartoffel, die uns Europäern ungefähr seit grauer Vorzeit so angestammt und heilig ist wie die Tomate, die greift man gefälligst nicht an.

Gut, schweifen wir nicht ab. Die Kapitalisten von der BASF, die lassen wir sich jetzt einmal für eine Weile mit sich selbst beschäftigen. Unsere Frage ist doch: Darf man der Kartoffel etwas antun, etwas Gentechnisches, was sie anschließend zur "Gen-Kartoffel" macht?

Ja, natürlich

Nein, jetzt bitte nicht wieder diesen Einwand, dass es Lebewesen, somit auch Kartoffelpflanzen, ohne Gene nicht gibt (das wäre doch einmal ein Forschungsfeld!). Und somit alles, was da wächst, meinetwegen auch kreucht und fleucht, immer Gen-Irgendwas ist. Wir wollten hier jetzt aber eigentlich über die berechtigten Sorgen und Nöte der Bevölkerung sprechen. Denn was ist, wenn die "Amflora" , die übergenetischste aller Genkartoffeln, ihr Feld zurücklässt und sich aufmacht zu neuen Äckern? Wenn sie raketengleich schöne Rapsfelder durchfurcht auf der Suche nach Beute? Wenn die Krankenkassen sich weigern, Schäden durch aggressive Killer-Kartoffeln in ihren Leistungskanon aufzunehmen? Ja, dann! Dann werden wir alle sehen, dass man Geld nicht essen kann! Die Genkartoffel allerdings auch nicht, denn dazu ist sie nicht da. Sie soll einfach nur Energie liefern und chemische Prozesse bereichern.

Und damit sind wir wieder bei der BASF: Bereichern! Alle haben es gehört, es gibt kein Zurück mehr. Das ist das eigentlich Verwerfliche an der Gen-Genkartoffel. Sie schafft Werte - zunächst für einen Konzern, auf andere Weise für dessen Mitbewerber, denn die haben auch noch ein paar Hackfrüchte im Keller... Aber nach der Entscheidung der Europäischen Union, nach der verschwindend geringen Zeit von fünfzehn Jahren (vor dem Herrn nicht einmal ein Wimpernschlag) nun tatsächlich den Anbau des kleinen knolligen Kraftwerks zu erlauben, steht uns eine helle Zukunft bevor, und der Schwarze Mann hat ausgedient. Er hat eine Knollennase bekommen, die sich gewaschen hat.

Übrigens: Es geschah Gregor Mendel (1822 - 1884) ganz recht, dass er keine EU-Kommission kannte und in seinem klösterlichen österreichischen Gemüsebeet so einfach ohne jede amtliche Genehmigung Vererbung, Zucht und Auswahl studieren musste. Und genetische Veränderungen anstieß, ganz ohne Technologie, nur mit Lupe, Bleistift, Schaufel und Gehirnschmalz. Und kein Greenpeace- oder Global 2000-Aktivist verwüstete seinen Acker. Man sieht ja, was er von alledem hatte: Er lebt nicht mehr.

Eingriffe in die Natur sind halt lebensgefährlich, und das Leben endet mit dem Tode. (Reinhard Schlieker, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.4.2010)

Zur Person

Reinhard Schlieker ist Wirtschaftsredakteur und Börsenspezialist beim "heute"-Journal des ZDF und lebt in Köln.

Quelle: BÖRSE am Sonntag

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    Posting 1 bis 25 von 85
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    Naeich
     
    02
    18.4.2010, 21:06
    Jedem Bauer eine Saatlizenz von Monsanto mit regelmaessigem Service Pack

    das ist der feuchte Traum der Turbokapitalisten und Boersenheinis.
    Gentechnik per se ist nicht das Problem, sondern dass damit die totale Kontrolle per Lizenzvertraege und Copyright auf die Landwirtschaft ausgeweitet wird - und das richtet anderweitig schon genug Schaden an.

    natoll
    01
    18.4.2010, 18:44

    und noch was herr schlieker: schreiben sie doch auch einen artikel über patente. ja, patente auf saatgut zum beispiel. am besten einen über basf. einen über mosanto, einen über pioneer, ....

    natoll
    00
    18.4.2010, 18:41

    immer wenn ein journalist meint einen furchtbar guten artikel schreiben zu müssen kommt furchtbares und unleserliches gestammeln dabei raus. gratulation für: nichts.

    Junker Jörg
    01
    18.4.2010, 16:28
    Verdient es,

    wieder an sehr sichtbarer Stelle zu stehen:

    http://derstandard.at/plink/127... id16376556

    ohromat
    00
    18.4.2010, 16:27

    terror-, gen-, klima-, grippe-, bse-, ozonloch-, waldsterben-, atomkraftwerk-, flug-, einbrecher-, eu- und ausländerangst,
    - nachdem wir die wölfe im wald alle umgebracht, vor gott und teufel auch keine angst mehr haben, brauchen wir steinzeitmenschen halt sowas zum fürchten.

    Mirabeau
    02
    18.4.2010, 15:29
    Monsanto ist in den letzten 4 Monaten um 30% gefallen.

    Kein Wunder, weshalb Börsenguru Schlieker für die Gentechnik eintritt. Vermutlich hat er zu viele Monsanto Aktien im Portefeul.

    schmeiser
    02
    18.4.2010, 15:11

    wieso nur mag ich leute nicht, die sich selbst unglaublich witzig vorkommen.

    natoll
    00
    18.4.2010, 18:41

    da bist du nicht allein.

    spekulant_in, realwirtschaftlich
    03
    18.4.2010, 14:57
    ein GMO-experte spricht:

    "Reinhard Schlieker ist Wirtschaftsredakteur und Börsenspezialist beim "heute"-Journal des ZDF und lebt in Köln."

    THE MGT.
    02
    18.4.2010, 15:26

    Wär schon interessant, wie groß der Anteil an BASF-Aktien in seinem Portfolio ist.

    Franz Reisl
    04
    18.4.2010, 14:10
    Viele Public Realtions Manager von Firmen.,.

    senden fertige Artikel an eine Zeitung und viele Zeitungen drucken das dann praktisch unverändert auch ab. Erspart Zeit und Denken in der Redaktion und füllt das Blatt.

    Viele Firmen veranstalten Pressekonferenzen, halten dort für die Journalisten einen kurzen Vortrag für Dummies und verteilen dann die entsprechende Werbebotschaft auf Prospekten. Viele Journalisten nehmen dann kritiklos dieses Material um damit einen "eigenen" Artikel zu verfassen. Erspart dem "Journalisten" Zeit und eigenes Denken und füllt den Geldbeutel.

    Peinlich wird es wenn zwei solcher Schreiberlinge am selben Tag und beim selben Blatt ihre Plagiate anbringen.

    Der Standard ist vielleicht keine Qualitätszeitung aber viele seiner Forumsleser haben Qualität.

    Harry Gotobed
    02
    18.4.2010, 16:39
    Die angesprochene Peinlichkeit

    ist manchmal bei Filmbesprechungen zu erleben. ;o)

    Es ist eine verwöhnte und, mit ganz wenigen Ausnahmen, faule Zunft. Ich befürchte jedoch, dass in diesem Fall mehr dahintersteckt. Eine Angelegenheit für ZDF "Frontal21"?

    Die Rumänen (Bulgaren?) haben jedenfalls mit ihrer - vermutlich voll berechtigten - "Imkerschutz"-Gesetz den Weg gezeigt.

    Franz Reisl
    00
    18.4.2010, 20:28
    Die Stars und die Seitenblicke-Prominenten

    sind die Hofnarren der politisch korrekten Globalisierung. Preisverleihungen erfolgen in der Rangordnung der politisch korrekten Nützlichkeit und haben mit wahrer Leistung wenig zu tun.

    spekulant_in, realwirtschaftlich
    01
    18.4.2010, 12:36
    eine konzertierte aktion nenne ich das

    morgen wieder ein kommentar der gleichen stoßrichtung?

    "liberale onlinezeitung" - das stimmt wohl, es zeigt sich sehr deutlich.

    Harry Gotobed
    04
    18.4.2010, 16:42
    Das Anzeigenvolumen ist rückgängig.

    Da muß man gegensteuern und die Ausfälle anderswie kompensieren!

    spekulant_in, realwirtschaftlich
    01
    19.4.2010, 01:36
    es sprach einer dazu mal weise worte:

    http://derstandard.at/plink/126... 3/16373304

    das möchte ich unterschreiben.

    teuerzahler
    19
    18.4.2010, 09:36
    was der autor verschweigt - oder nicht weiss -

    letzteres würde mich nicht wundern, nachdem ich diesen schmarren gelesen hab.

    was der herr also nicht wissen dürfte ist, dass es bei gentechnik nicht um menschheitsbeglückung oder nahrung für alle geht, sondern einzig und allein darum, die grundlagen für die ernährung - die vermehrung von pflanzen und tieren - in die hand und unter die kontrolle einiger weniger konzerne zu bekommen.

    biopiraterie ist viel schlimmer als die piraterie zur see. aber man liest wenig darüber. konzerne plündern die äcker und wälder und belegen die dort gefundenen samen mit fragwürdigsten patenten. damit werden bauern von den konzernen abhängig. die unfruchtbarkein von hybriden ist methode.

    schöne neue gen-welt!

    Schnapphahn
    03
    18.4.2010, 09:28
    Es gibt normal gezüchtete Sorten,

    die genau soviel Stärke wie Amflora produziern.
    Amflora soll nur den Weg bereiten für andere, für den Menschen bestimmte Sorten.


    Quelle: Diese Woche Quer auf BR3.

    werwolfi
    00
    18.4.2010, 20:16
    "Quer" ist übrigens eine echt großartige sendung!

    werwolfi
    04
    18.4.2010, 03:13
    geehrter herr Schlieker...

    solange nicht geklärt ist, wie sich gentechnisch veränderte organismen langfristig in der freien wildbahn auf die biosphäre auswirken werden, ist jedes aussetzen solcher GVOs im freiland ein potenzielles und grundsätzliches risiko und genaugenommen grob fahrlässig - wieder vollständig herausnehmen ist nämlich meist (möglicherweise sogar immer) nicht mehr möglich.

    und nein - "Vererbung, Zucht und Auswahl" ist KEINE *gentechnische* veränderung, egal wie oft dieser blödsinn von den proponenten der gentechnikindustrie als argument verwendet und wiederholt wird.

    aber vielleicht hätte mich ja "Reinhard Schlieker ist Wirtschaftsredakteur und Börsenspezialist" bereits stutzig machen sollen...

    Harry Gotobed
    03
    18.4.2010, 16:46
    Ich vermute,

    dass Schlieker gute aber diskrete Verbindungen zum Lobbyisten-Paradies Brüssel hat. Umsonst hat er sich wohl nicht diese Arbeit angetan...

    M..
     
    00
    18.4.2010, 13:53
    "Vererbung, Zucht und Auswahl" ist KEINE *gentechnische* veränderung

    Doch!

    Wofür früher die Landwirtschaft Jahrzehnte gebraucht hat - und abgebrochen uns korrigiert werden konnte - passiert heute in Minuten, und "gesetzt" ist gesetzt.

    Das Produkt kommt fix und fertig aus dem Labor, entwickelt unter "der Natur nahe kommenden" Bedingungen, werden sie der Realität überlassen.

    werwolfi
    00
    18.4.2010, 20:14
    hör auf so einen völligen blödsinn zu verbreiten!

    es ist wirklich zu ärgerlich...

    LESEN!

    ich habe "gen*technisch*" geschrieben, nicht "genetisch".

    mit zuchtwahl/kreuzung können nur die eigenschaften verschiedener variationen der selben spezies kombiniert werden, ungeeignete kombinationen erledigen sich außerdem rasch von selbst.

    mit gen*technik* werden *artfremde* gene ins erbgut eingeschleust - oder wie glaubst du kommt eine fluoreszenzgen aus einer qualle in eine maus? maus f*ckt qualle?

    mach dich wenigstens ein *bisschen* schlau bevor du im forum rumt(r)ollst...

    grisu00
     
    03
    18.4.2010, 16:04
    na da bin ich aber gespannt,

    wie sie z.B. in Kartoffeln auf natürliche weise Fischeiweisse hineinbringen....

    Rapsodie
    05
    17.4.2010, 23:16
    aha - ein "wirtschaftsredakteuer und börsenspezialist" erklärt uns ...

    ... jetzt, das alle, die auf ein gentechnikfreies leben wert legen, deppen sind - weil der herr superstar sich ja mit gentechnik so gut auskennt. hr. schlieker, ich lade sie herzlich ein, eine fundierte gentechnik-diskussion zu führen - allerdings werden wir dabei nicht die versklavung der bauern durch ihre tollen chemiekonzerne ausklammern. ansonsten müssen sie sich den vorwurf gefallen lassen, einfach ein stinknormaler lobbyist zu sein - dem "seltsamerweise" der standard ein forum bietet.

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