Sperre bis Montag, 2.00 - Fluggesellschaften kritisieren Luftraumsperrung - AUA: Ersatzflugplan am Montag möglich
Paris/London/Brüssel/Reykjavik/Wien -Österreichs Flughäfen blieben wie die meisten in Europa auch am
Sonntag gesperrt. Der unter Flugraum bleibe - so die Austro Control -
bis mindestens bis Montag, 2.00 Uhr früh, gesperrt. Das hat die Austro
Control am Sonntagvormittag beschlossen. "Die vorliegenden Daten des für
ganz Europa zuständigen Volcanic Ash
Advisory Centers (VAAC) lassen keine andere Maßnahme zu", meinte Austro
Control-Sprecher Markus Pohanka. Ab einer Reisehöhe von zwölf Kilometer
bleibe der Luftraum aber grundsätzlich offen, was Überflüg zumindest
ermöglich. Wie lange der Luftraum gesperrt bleibt, ist derzeit nicht
absehbar.
"Neben den uns übermittelten Daten beobachten wir auch ständig unsere
eigenen Wetterdaten und werten diese aus", erläuterte der Austro
Control-Sprecher.
Kritik und Tests
Kritik kam am Wochenende jedoch von nationalen und internationalen
Fluggesellschaften. Sie forderten Testflüge und Untersuchungen, wie hoch
die Partikeldichte in der Wolke tatsächlich ist. Bislang wurden die
Schließung lediglich auf der Basis einer Computerberechnung
durchgeführt. Mit speziellen Messflugzeugen sollen ab Montag die
Konzentration der Vulkanasche über dem europäischen Luftraum analysiert
werden. In Österreich gibt es jedoch keine solche Maschine.
Die Austrian Airlines und Niki Laude (Flyniki) haben in einer
gemeinsamen Pressekonferenz am Samstag die Sperre des Luftraums
kritisiert und bezweifelt, dass die Vulkanasche noch eine Gefahr
darstelle. "Die Partikel sind nach Rücksprache mit
meinem Triebwerkserzeuger mittlerweile kein Problem mehr. Meiner Meinung
nach könnte man schon lange fliegen", sagte Lauda. Am Sonntag haben
sowohl die AUA als auf Flyniki Testflüge durchgeführt. Austrian Airlines
sind mit einem A320 und
drei Cockpit-Crews von Wien nach Graz geflogen, um aus der
steirischen Landeshauptstadt in der Folge auch zwei Boeing 737
nach
Schwechat zu überstellen.
Lauda: Sperrung "ein Skandal"
Niki Lauda persönlich navigierte einen A-320
von Wien nach Salzburg und retour."Es war für mich der schönste Flug, blauer
Himmel, ich verstehe das alles nicht." Das sagte Lauda am Sonntag unmittelbar nach der Landung des Airbus A 320
in Salzburg: "Es passiert nichts", stellte er zu den Auswirkungen des
Vulkanstaubs fest.
Der Test sei völlig ohne Probleme verlaufen. Heftige Kritik übte Lauda an der Sperre des Luftraums. Weil ein
Vulkan in Island ausbreche, werde ohne Fakten der gesamte Luftraum
gesperrt. "Das ist ein Skandal", meinte Lauda. Er hoffe, dass nach
den Testflügen die Verantwortlichen über das Flugverbot anfingen zu
denken, erklärte der Airlinechef: "Sie sollen messen gehen oder den
Airlines glauben und ihnen die Verantwortung überlassen", forderte
Lauda. Beide Fluglinien wollte die Flugzeuge im Anschluss an die
Testflüge auf Schäden untersuchen.
AUA bietet Busse nach Frankfurt und Zürich an
Die Austrian
Airlines haben auf den Stillstand am Flughafen
Wien in Schwechat reagiert und ihren "gestrandeten" Passagieren
Busse nach Frankfurt und Zürich angeboten. AUA-Sprecher Martin Hehemann
erklärte, es könnten bei Bedarf auch weitere Destinationen angefahren
werden. Die ersten beiden Busse fuhren am Sonntag um 11.00 und 12.00 Uhr
aus Schwechat ab. "Wir habe uns dazu entschlossen, weil einfach nicht
absehbar ist, wann die Luftraumsperre aufgehoben wird", so Hehemann.
Tests auch in Deutschland
Die von dem tagelangen Flugverbot gebeutelten Airlines machen ihrem
Unmut Luft: Der Himmel über weiten Teilen Europas sei nur aufgrund
theoretischer Annahmen gesperrt worden, kritisieren Deutsche Lufthansa
und Air
Berlin. "Durch das Flugverbot, das ausschließlich auf
Computerberechnungen beruht, entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden
in Milliardenhöhe", sagte Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther der
"Bild am Sonntag".
Die Testmaschinen der Airline seien am Samstag bis auf acht Kilometer
Höhe aufgestiegen. Es habe bei anschließenden Untersuchungen nicht
"auch nur den kleinsten Kratzer" gegeben. "Darum fordern wir für die
Zukunft, dass vor einem Flugverbot verlässliche Messungen vorliegen
müssen." Auch Air-Berlin-Chef Joachim Hunold kritisierte in dem Blatt,
dass der Luftraum nur aufgrund von Computersimulationen dichtgemacht
worden sei.
Niederlande kündigen weitere Testflüge an
Die Niederlande haben am Sonntag in der Früh weitere Testflüge
angekündigt, um die Gefahr durch die aus Island kommende
Vulkan-Aschewolke zu prüfen. Ein KLM-Flug am Vortrag sei erfolgreich verlaufen,
teilte das Transportministerium mit. Auch im Ausland seien Flugzeuge
ohne Probleme gestartet.
Bei Testflügen am Samstag hatte auch die deutsche Lufthansa keine
Beschädigungen festgestellt. Der Konzern flog zehn Flugzeuge ohne
Passagiere von München nach Frankfurt und testete Höhen bis 8.000 Meter.
Dabei wurden dem Konzern zufolge weder die Cockpit-Fenster noch der
Rumpf oder die Triebwerke beschädigt.
269 Flüge am Samstag gestrichen
Am Samstag wurden alleine in Wien 269 Abflüge gestrichen. Erstmals in
der Geschichte des Airports sei damit ein ganzer Betriebstag
ausgefallen, sagte Vorstandsdirektor Gerhard Schmid. Der Flughafen
verliere damit knapp eine Mio. Euro, merkte Sprecher Peter Kleemann an
Einen Ausfall von 24 Stunden durchgehend habe es noch nie gegeben,
betonte Schmid. Bisherige Unterbrechungen seien stets von kürzerer Dauer
gewesen. Der Vorstandsdirektor erinnerte daran, dass der Flughafen auch
im Anschluss an 9/11 "bei erhöhten Sicherheitsvorkehrungen operativ
geblieben" sei. (APA/red)