Montenegro

Geldwäscheverdacht gegen die Hypo in Montenegro

Norbert Mappes-Niediek, 16. April 2010, 18:42

Staatsanwaltschaft in Podgorica hat Ermittlungen aufgenommen - Hypo verweist auf Bankgeheimnis

Podgorica - Nun überprüft auch Montenegros Staatsanwaltschaft Vorwürfe, die Tochter der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank habe mit den Drogenboss Darko Šarić Geschäfte gemacht. Das bestätigte die Sonderstaatsanwältin für organisiertes Verbrechen, Djordjina Ivanovic, der Tageszeitung Vijesti.

Die Zeitschrift Monitor hatte zuvor von Krediten berichtet, die den Verdacht der Geldwäsche nahelegen. Demnach hat die montenegrinische Hypo-Bank Firmen aus dem Umfeld von Darko Šarić und seines Bruders Dusko Kredite von mehreren Mio. Euro gewährt. Die Kredite seien mit Bargeld-Depots auf den Marshall-Inseln besichert worden und würden von dort zurückgezahlt - ein klassisches Geldwäsche-Muster.

Kokain in Sporttaschen

Der 40-jährige Darko Šarić gilt als einer der größten Kokain-Schmuggler der Welt. Ermittler der serbischen Sonderstaatsanwaltschaft und der US-Anti-Drogen-Agentur DEA sehen in dem gebürtigen Montenegriner den Hintermann einer Operation, die im vorigen Herbst aufflog: Auf einem Schiff im Hafen von Santiago Vázquez in Uruguay fand die Polizei gut 2,1 Tonnen hochwertiges Kokain im Wert von 120 Mio. Euro, verpackt in Sporttaschen. Neun Männer aus dem Umfeld der Brüder Šarić wurden danach in Serbien verhaftet. Šarić selbst floh nach montenegrinischen Ermittlungen Ende Jänner per Flugzeug aus seinem Heimatort Pljevlja in Montenegro. Er wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Zur "Wäsche" des Drogengeldes - rund eine Mrd. Euro pro Jahr - dienten dem Šarić -Clan vor allem Projekte in Serbien: Hotels, Diskotheken und Ländereien. Der serbische Staat hat der Organisierten Kriminalität den Krieg erklärt - der STANDARD hat berichtet.

Nach den Gepflogenheiten der Hypo-Bankengruppe wird über Kredite in Höhe von mehr als drei Millionen Euro bei der Zentrale in Klagenfurt entschieden. Das trifft für mehrere der Kredite zu. Die Zentrale der inzwischen verstaatlichten Hypo Alpe Adria in Klagenfurt verweigerte unter Berufung auf das österreichische Bankgeheimnis jede Auskunft.

Für das Wiener Finanzministerium als Eigentümervertreter sagte ein Sprecher, die Regierung könne die Hypo als selbstständige Aktiengesellschaft nicht anweisen, "gewisse Dinge zu veröffentlichen".  (Norbert Mappes-Niediek, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.4.2010)

Bertel Mann
00
17.4.2010, 08:37
Selbstverständlich kann auch der Aufsichtsrat einer AG den Vorstand anweisen,...

..."gewisse Dinge zu veröffentlichen".

Dieser ist zwar nicht weisungsgebunden, aber wenn er dieser Weisung nicht folgt wäre immerhin protokolliert, dass er ganz bewusst gegen die Intention des Eigentümers gehandelt hat - mit allen Konsequenzen für eine eventuelle spätere strafrechtliche Verantwortung.

So wie es jetzt gehandhabt wird, könnte man fast den Eindruck behalten, dass die Verstaatlichung der Bank dazu dienen sollte, möglichst viel unter den Teppich zu kehren...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.