"Ich habe nicht gesagt: 'Ich muss aufs Klo!'"

  • Fischer in der Hofburg über den Ortstafelstreit in Kärnten: "Helfen Sie 
mir! Sie können nicht von mir erwarten, dass ich jetzt auf diesen Tisch 
haue, und in sechs Monaten ist dieses Problem gelöst."
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    Fischer in der Hofburg über den Ortstafelstreit in Kärnten: "Helfen Sie mir! Sie können nicht von mir erwarten, dass ich jetzt auf diesen Tisch haue, und in sechs Monaten ist dieses Problem gelöst."

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Fischer rügt SPÖ und ÖVP wegen der Wahl von Martin Graf - und würde dem FP-Mann nie einen Orden verleihen

Standard: Sie wollen in Ihrer zweiten Amtszeit deutlicher werden. Auch schon in diesem Gespräch?

Fischer: Deutlichkeit ist noch kein Wert an sich. Immerhin steht dabei auf dem Spiel, dass man vernünftige Antworten gibt, nicht?

Standard: Weil Sie ständig abwägen, gelten Sie als Präsident, den man kaum auf eindeutige Aussagen festnageln kann.

Fischer: Aber das ist doch eine gute Eigenschaft, wenn der Bundespräsident nicht überspitzte Polemiken führt, sondern man sich auf seine Aussagen verlassen kann.

Standard: Neun Jahre nach dem Spruch der Verfassungsrichter stehen jedenfalls keine zusätzlichen zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten. Ist Ihnen das als Staatsoberhaupt nicht unangenehm?

Fischer: Na sicher ist das unangenehm! Eine sehr traurige Tatsache.

Standard: Sie könnten doch Druck auf Regierung wie Parlament ausüben, das entsprechende Gesetz zu beschließen.

Fischer: Ich bemühe mich ja.

Standard: Wie?

Fischer: In Gesprächen, in Reden, in Interviews. Aber eine Lösung kann es nur durch politische Einsicht geben. Ich könnte es nicht verantworten, dass wir unsere Soldaten nach Kärnten schicken und dort Sturmgewehre in Stellung bringen, um dann die aufgestellten Ortstafeln zu schützen.

Standard: Sie könnten aber in die Geschichte eingehen, wenn Sie ...

Fischer: Na, helfen Sie mir! Ich glaube, dass es für Österreich, Kärnten, den Rechtsstaat und auch den Verfassungsgerichtshof gut wäre, den Ortstafelstreit beizulegen. Die Kärntner Regierung trägt schwere Verantwortung, wenn sie eine vernünftige und auf dem Staatsvertrag beruhende Lösung weiter verhindert.

Standard: Auch die Bundesregierung tut nichts.

Fischer: Deshalb können Sie auch nicht von mir erwarten, dass ich jetzt auf diesen Tisch haue, und in sechs Monaten ist dieses Problem gelöst. Das ist naiv.

Standard: Zum Burgenland: Wann werden Sie sich als Oberbefehlshaber des Heeres dafür einsetzen, dass die Soldaten endlich von der Ostgrenze abziehen?

Fischer: Es wird nach dem Sommer eine Debatte geben und dann entschieden, ob man den Einsatz Ende des Jahres beendet.

Standard: Verfassungsrechtler halten den Aufmarsch im Hinterland für bedenklich, seit dem Fall der Schengen-Grenze widerspricht das auch dem Geist der EU.

Fischer: Unter den Juristen gibt es unterschiedliche Meinungen. Von eindeutiger Verfassungswidrigkeit kann man nicht reden.

Standard: Das Militär hat 2009 ein schwaches Dutzend illegaler Einwanderer aufgegriffen.

Fischer: Der Einsatz soll ja auch prohibitiv wirken, dass viele erst gar nicht versuchen zu kommen. Und in einer Zeit, in der bestimmte Parteien die Angst als Wasser auf ihre Mühlen betrachten, ist es staatspolitisch klug, der Bevölkerung Sicherheit zu geben.

Standard: Auch die Bevölkerung in Wien hat ein Sicherheitsbedürfnis - da käme niemand auf die Idee, Grundwehrdiener einzusetzen.

Fischer: Das ist ja nicht vergleichbar. Hier haben wir eine starke Wiener Polizei, die das macht.

Standard: Sie werben mit dem Slogan "Wer Grenzen im Kopf zieht, begrenzt die eigene Welt" . Für das Burgenland gilt das also nicht?

Fischer: Es gilt selbstverständlich. Die Soldaten sind ja keine Grenzzäune. Die Grenzen Österreichs sind so wie die Grenzen der anderen Schengen-Länder, und ich kann nicht ausschließen, dass der Einsatz 2011 beendet wird.

Standard: Würden Sie Martin Graf (FP) einen Orden im Namen der Republik verleihen?

Fischer: Nein - weil ich die Auszeichnungswürdigkeit, die vom Gesetz gefordert würde, in diesem Fall nicht erkennen kann.

Standard: Wie hat sich der 3. Nationalratspräsident disqualifiziert?

Fischer: Mit dem Gesamtverhalten.

Standard: Es war also ein Fehler, dass ÖVP und SPÖ den Freiheitlichen ins Amt gewählt haben?

Fischer: Im Nachhinein betrachtet, natürlich. Man hätte die Möglichkeit gehabt, mit der drittstärksten Partei ernsthaft darüber zu reden, wer ihr Vertreter im Präsidium sein soll. In meiner Zeit als Nationalratspräsident ist einmal der Erstvorgeschlagene der FPÖ auch nicht gewählt worden.

Standard: Würden Sie Barbara Rosenkranz im Falle einer blauen Regierungsbeteiligung angeloben?

Fischer: Ich nenne keine Namen in dieser Hinsicht, bevor nicht die Regierungsbildung ansteht.

Standard: Wir fragen, weil Rosenkranz am Verbotsgesetz gerüttelt und bei den Gaskammern herumlaviert hat.

Fischer: Ich finde es ungeheuerlich, dass man hinter die Existenz von Gaskammern ein Fragezeichen setzt, sich aufs Schulwissen reduziert.

Standard: Lehnen Sie deshalb ein TV-Duell mit Rosenkranz ab?

Fischer: Ja. Ich will nicht mit jemandem an einem Tisch sitzen, mit dem ich in größter Heftigkeit das Thema Gaskammern erörtern müsste.

Standard: Beim Korporationsball in der Hofburg feiern rechtsextreme Politiker wie Filip Dewinter vom belgischen Vlaams Belang mit. Stört Sie das nicht?

Fischer: Es stört mich, aber meine Behaglichkeit ist keine politische Kategorie. Sie wissen, wie ich zu diesen Burschenschaften stehe. Auf diesen Teil des Hofburg-Komplexes habe ich keinen Einfluss.

Standard: Es geht hier aber um das Bild Österreichs nach außen.

Fischer: Deshalb bemühe ich mich auch täglich um ein gutes Bild Österreichs in der Welt.

Standard: War es ein Fehler, jemals nach Nordkorea zu reisen?

Fischer: Nein. Es reisen immer wieder Vertreter unseres Landes auch in Staaten, deren System wir ablehnen. Ich war 1974 das erste und letzte Mal in Nordkorea. Eine schreckliche Diktatur. Ich hatte damals von einer japanischen Zeitung eine Einladung für einen Vortrag und bin über Pjöngjang nach Tokio gereist. Im Hotel in Pjöngjang ist mir der Ehering hinuntergefallen, unters Bett gerollt. Dort such ich ihn - und was habe ich in der Hand? Die Abhörkabel!

Standard: Bruno Kreisky wird folgendes Zitat über Sie nachgesagt: "Aus dem Heinzi wird noch was. Immer wenn's schwierig wird, ist er am Klo und kommt erst zurück, wenn die Sache ausgestanden ist." Dichtung oder Wahrheit?

Fischer: Eine bösartige Erfindung, die Jahre nach dem Tod von Kreisky in Umlauf gesetzt wurde! Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich bei Abstimmungen und Entscheidungen konsequent anwesend war. Als Klubchef war ich immer da. Auch als Nationalratspräsident bin ich oben gesessen und habe nicht die Glocke weggelegt und gesagt: "Ich muss aufs Klo!" (Peter Mayr und Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.4.2010)

 

Zur Person: Heinz Fischer (71), einst Nationalratspräsident (SPÖ), wurde 2004 als Bundespräsident angelobt.

Heinz Fischer ist am Montag derStandard.at-Chat

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Peinliches Interview

Interviewer und Intervieter tun so, als hätten sie einen K onflikt. Interviewer lässt die heiklen Themen aus.
Die da wären: Verhalten Fischers während der Wiesenthal-Affäre. Fehlen einer glaubwürdigen Entschuldigung. Wenn man bedenkt, wieviele streng riechende Blaue damals dem Fischer applaudiert haben, denkt man sich, dass manche von denen durchaus Probleme haben werden, wo sie ihr Kreuzerl machen: Bei der Rosenkranz, oder beim Fischer. Rosenkranz steht für etwas und wird untergehen. Fischer steht für einmal dies und einmal das - und wird nicht untergehen. In Österreich nicht. In Deutschland wäre Fischer eine politische persona non grata. Die Attacke auf den Nazijäger Wiesenthal schlägt alles.

Peinlich? Für wen?

Vielleicht ist Fischer auch deshalb und trotz kleinformatiger Bullevard-Kampagne ein haushoher Favorit, weil die Anwürfe absolut nichts hergeben?

Nordkorea - fängt nur bei den eigenen Fundis mit ihrem Schleier vor den Augen.

Klo - nur ein lustig sein wollender Gag und eine Erfindung, hm, blöd, auch nichts dran.

Rosenkranz steht für etwas, Fischer nicht: Es lässt sich leider nur das Gegenteil belegen, gleich mehrfach (heute dies, morgen eine Unterschrift für Hansi, mysteriöses "Schulwissen" etc.)

Wiesenthal: Dieser Vorwurf ist okay, liegt aber auch schon 35 Jahre zurück - Kreisky war der Akteur, Fischer spielte noch keine Rolle!
Und: Fischers Frau ist Nichtarierin, beide leben anderes vor als eine Judenjagd!

Wieviele Jahre muss etwas zurückliegen?

Ihrer Meinung nach. Dass man es milder beurteilt.

In Sachen Nationalsozialismus gibt es in Österreich keine Milde. Außer bei Kreisky und Fischer. Die 'durften' damals den Tabubruch begehen und zwecks Machtgewinn mit den Ewiggestrigen paktieren. Wenn es nur das gewesen wäre, wärs ja OK. So ist die Politik. Fischer hatte damals einen für ihn ganz ungewöhnlichen Eifer in der Stimme. War ja alles im Fernsehen.

PS: Inwiefern das dem Haussegen mit seiner Gemahlin gutgetan hat, entzieht sich wohl unserer Kenntnis.

Videotipp

Der Klogeher und seine Weltanschaaung: www.youtube.com/heifitv

Ihr werdet doch nicht verhindern,

dass er ein tolles Wahlergebnis hat.

WARUM kanditiert eigentlich der DICHAND nicht ? Der Löser für ALLE Probleme ...!!!

weshalb nimmt jemand in einem hotelzimmer auf dienstreise den ehering ab?

Hände

waschen?

war das zimmer so klein, dass er dabei am bett sitzen musste?

Tolles Interview. Ein bisschen so tun, als würd ma den Fischer hart rannehmen, nachher ist alles heisse Luft.
Ein bisschen reden darf er sonst nix.
Die sind dem Fischer schon zu gut gesinnt. Das ist kaum auszuhalten.

für mich kommen nur menschen infrage zu wählen die gegen die EU-Diktatur sind,

auch wenn diese person noch so runtergemacht wird von den medien, der ausstieg aus der EU ist für mich das wichtigste überhaupt um unsere nationale souveränität und deren Menschenrechte zu retten...

Ja, ja,

schon lange keinen Krieg gehabt?
Zerbröseln wir Europa wieder und wetzen die Säbel.

Geh Rosenkranz

beten.

er sollte in rente gehen.

es gäbe genügend personen von format abseits einer hakenkranz-mutti oder eines kajatholla.

er hat gsagt er muss zum khol

Fischer kommt vom äußerst linken Rand und ist stark ideologisch geprägt.

Er ist der typische Parteigänger, der seine Karriere (auch die akademische) ausschließlich seinem Parteibuch zu verdanken hat. Er ist der klassische Vertreter der linken Nomenklatura und das schon seit vielen Jahrzehnten. Seine einschlägigen Skandale (Sieg Heil, Wiesenthal, Kuba, Nordkorea, Club 45, private Bundesheerhubschrauberflüge,...) sind zahlreich.

Erich Hardy denkt in Schubladen und redet den Leuten nach dem Mund.

Glaub ich weniger. Als K reisky 1970 eine Minderheitsregierung bilden wollte und dazu die Unterstützung einer anderen Partei brauchte

nahm er die bis dahin peinlich gemiedenen Blauen. Mit Friedrich Peter an deren Spitze. Einst SS-Offizier in einer der berüchtigsten Mordbrigaden. Einem Wiesenthal hat das gar nicht zugesagt. Daraufhin wurde der nach Strich und Faden fertiggemacht. Kreisky nannte seine Organisation im Fernsehen 'Mafia'. Fischer drohte öffentlich mit Untersuchungsausschuss. Gegen den damals einzigen, der die Verfolgung ehemaliger Nazis betrieb.
Drei Jahrzehnte später hat sich Fischer entschuldigt: In dürrem Beamtendeutsch. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und hat dem schon schwer kranken Wiesenthal, der diese Demütigung nie verwunden hat, einen Orden umgehängt.
Mit welchen Stimmen rechnet dieser F. heute noch?

Fischer hat sich nicht entschuldigt

zum nachlesen:
http://www.falter.at/print/F20... 4_03_1.php

Da musst ich ich jetzt heftig schlucken

In dieser Härte hatte ich die Dinge nicht mehr in Erinnerung. Was lange her ist, sieht nachher immer besser aus offenbar. Danke für den link

http://www.falter.at/print/F20... 4_03_1.php

Allein für die Bemerkung Fischers "...man jetzt Dinge ausgräbt, die 29 Jahre zurückliegen."
gehört er durch Sonn und Mond geschossen. In Nazidingen gibt es k eine politische Verjährung.

Oh nein! ein Politiker einer Partei der seine politische Karriere seinem Parteibuch zu verdanken hat! welch ein skandal!

Die FPÖ stolpert dafür seit Jahren kollektiv von einem Skandal in den nächsten =)

cool, jetzt wird ein posting veröffentlicht und die anderen beiden davor bleiben zensiert, danke standard.. sehr real , wirklich ^^

nicht dass ihr nicht guten journalismus bietet, aber das hat nichts mit wahrheit zu tun, dass ist eine ganz andere geschichte von der ihr höchstens mal so nebenbei gehört habt.

wer entscheidet eigentlich wie sinnvoll ein post sein muss, und was sinnvoll ist? aja , und wie manipiuliert ist diese sicht der dinge? fragen über fragen die uns nie irgendein Amt geben wird können. aber macht nichts, kann sich eh jede/r selbst denken.

oh noin , die standard leuz sperren mich .. zensur..ääääähhhhh..biiiiip

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