Amazonas-Staudamm gebremst

16. April 2010, 19:06

Gericht stoppt Ausschreibung für Wasserkraftwerk Belo Monte

Altamira/Bogotá - James Cameron bleibt Realist. "Es ist ein kleiner Sieg für uns", sagte der Avatar-Regisseur in Altamira am Amazonas-Nebenfluss Xingu, nachdem dort am Mittwoch ein Bundesrichter die Baugenehmigung für den Riesenstaudamm Belo Monte außer Kraft gesetzt hatte. "Aber die Schlacht ist noch nicht vorbei" , weiß der kanadische Filmemacher, der sich zuvor zusammen mit der Schauspielerin Sigourney Weaver in Brasília einer Demon- stration gegen das Mammutprojekt angeschlossen hatte.

Auch im Hinblick auf die Planungen für weitere 60 Staudämme im brasilianischen Amazonasgebiet sei Belo Monte ein "exemplarisches Schlachtfeld" . Es sei eindeutig erwiesen, dass Belo Monte direkte Auswirkungen auf den Lebensraum indigener Völker habe, heißt es in dem Urteil. Das Umweltministerium hatte die Baugenehmigung Anfang Februar erteilt und sich über die Einwände der Betroffenen und des austro-brasilianischen Bischofs Erwin Kräutler aus Altamira hinweggesetzt.

Zwölf Milliarden Baukosten

Die Baukosten werden auf zwölf Milliarden Euro geschätzt. Einer Studie der Umweltstiftung WWF zufolge wäre der dann drittgrößte Staudamm der Welt bei weitaus geringeren Investitionen in die Energieeffizienz überflüssig. Durch den Bau würden mehr als 20.000 Menschen umgesiedelt und der Regenwald in der Region um Altamira weiter zerstört.

Nun macht das Engagement der Hollywoodstars den Widerstand der Basisgruppen vor Ort weltweit sichtbar, eine ähnliche Rolle gegen das Vorläuferprojekt spielte schon 1989 der britische Musiker Sting (der jetzt auch gegen Belo Monte protestiert). Damals zog die Weltbank einen Millionenkredit zurück, die Pläne verschwanden in den Schubladen. 2010 hat sich der Wind gedreht: Der populäre Präsident Lula da Silva wirft sein ganzes Gewicht für Belo Monte in die Waagschale. Die großen Medien weiß er hinter sich, von einer nationalen Protestbewegung kann keine Rede sein. Investoren werden mit Steuerzuckerln und billigen Staatskrediten gelockt.

"Auf den Ratschlag jener, die bei sich zu Hause bereits (die Umwelt) zerstört haben, können wir verzichten", wiederholte Lula jetzt sein Lieblingsargument gegen ausländische Kritiker seiner Amazonaspolitik, "niemand sorgt sich mehr um Amazonien und unsere Indianer als wir".

Lokale Holzunternehmer fabulieren von dunklen Kräften, die die Entwicklung Brasiliens verhindern wollten.

Ursprünglich war geplant, dass am kommenden Dienstag ein Konsortium von Baufirmen den Zuschlag für Belo Monte erhalten sollte. Bis Redaktionsschluss war noch offen, ob der Einspruch der Regierung, an dem 100 Anwälte arbeiteten, raschen Erfolg haben würde. (Gerhard Dilger/DER STANDARD, Printausgabe, 17.4.2010)

Ernst Guevara
00
18.4.2010, 16:41
die amazonas-regenwälder sind ein umkämpftes terrain, denn sie versprechen den unternehmern reichhaltige geschäfte mit tropenhölzern und erdöl. der wald wird plattgemacht, damit die firmen an die ressourcen gelangen, die großgrundbesitzer ihre

rinderherden grasen lassen können und die energiekonzerne die umwelt verpesten können. dass im amazonas-gebiet flora und fauna ziemlich einzigartig sind und dort ausserdem noch zahlreiche indigene gruppen leben, spielt dabei kaum eine rolle. der sozialdemokrat lula hat sich scheinbar genauso von den kapitalinteressen kaufen lassen wie sein konservativer kollege garcia in peru. garcia erklärt, ganz wie uribe in kolumbien, alle kritiker seiner konzern-freundlichen politik zu terroristen und lässt schon mal indigenas und bergarbeiter massakrieren, die gegen seine umweltschädliche politik protestieren. nur correa in ecuador dürfte es bis zu einem gewissen grad ernst meinen mit der ökologie:
http://www.oneworld.at/start.asp?ID=225399

Schattenwelt
00
18.4.2010, 10:05
kurzfristiger Populismus & Wirtschaftswachstum zerstören den Lebensraum für die nächste Generation!

will Lula auch jedem der schon mal einen Fehler gemacht hat das Recht auf Meinungsfreiheit aberkennen?
Zerstört in weniger als 1 Jahr braucht der Wald 100 Jahre um wieder so zu werden - findet das Umweltministerium das etwa nachhaltig?

Elisabeth1201
02
17.4.2010, 00:29
Belomonte gestoppt

Man glaubt es nicht, EINMAL passiert wirklich etwas GEGEN die Grossinteressen, sprich Geld + Macht! Lula hat natürlich recht, dass die 1. Welt ihre Umwelt und Natur ebenfalls kaputtgemacht hat und nun mühsam - teilweise - wieder retourrudert. Aber muss man denn alles nachmachen? Vermutlich ja, denn es sind immer dieselben Grossunternehmen, die weltweit abholzen, unsinnige Kraftwerke bauen (z.B. auch gerne Atom), die Meere leerfischen, usw usw. Nicht zu vergesse, Herr Lula, dass ihre eigene Umweltmihnisterin aus Protest gegen den Belomonte-Wahnsinn zurückgetreten ist!

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