Von der Durchführung des 27. Vienna City Marathons am Sonntag ist auszugehen – von einem neuen Rekord an Teilnehmern und einer ungestörten TV-Übertragung wegen der Behinderungen im Flugverkehr aber nicht
Wien – "Seit Herbst rennt die Organisation wie am Schnürchen. Und jetzt das." Ein tiefer Seufzer entrang sich Wolfgang Konrad, der seit 22 Jahren den Vienna City Marathon schupft, als ihn am Freitagvormittag die Kunde ereilte, dass infolge des Vulkanausbruchs auf Island auch der Flughafen in Wien-Schwechat vor der Sperre stand. In Gedanken hatte sich der 51-jährige Tiroler da schon vom neuen Teilnehmerrekord verabschiedet. Mehr als 32.500 Anmeldung für die insgesamt fünf Laufbewerbe am Sonntag lagen vor, davon mehr als 7500 und also so viele wie noch nie aus dem Ausland durch Läuferinnen und Läufer aus 107 Nationen. Aus Deutschland gab es allein rund 2500 Anmeldungen für den Marathon und den Halbmarathon.
Überwiegend wird von jenseits der Grenzen am Freitag zum Marathon-Wochenende angereist. Wie viele Gemeldete mangels Flug fernbleiben, konnte Konrad nicht sagen. "Die 24.841 Österreicher werden ja laufen. Ich hoffe, dass wir trotzdem so an die 30.000 Menschen am Start haben. Man wird es der Veranstaltung nicht ansehen, aber das ist ein Super-GAU für uns und die Leute, die ja Flug und Hotel gebucht haben."
Für Konrad vermutlich weniger ein finanzieller. Die Frage, ob Startgebühren – zum Beispiel für den Marathon je nach Anmeldezeitpunkt 54 oder 69 Euro – zurückerstattet werden, will Konrad erst nach dem Rennen beantworten. Eher wohl mit Nein. Versicherung gegen ein derartiges Ereignis gebe es keine, "das ist ja höhere Gewalt" . Es werde im Interesse der Zukunft der Veranstaltung für die Verhinderten ein "sympathisches Signal aus Wien" geben.
Mangels Signal könnte auch die TV-Übertragung des Events am Sonntag (ab 8.40 Uhr, ORF 1) leiden. Nämlich dann, wenn das Flächenflugzeug nicht aufsteigen kann, das etwa die Signale von den Kameraleuten in Begleitautos- bzw. auf -motorrädern empfängt. An einer Notvariante mit Hubschraubern bastelt der ORF. Sollte der Luftraum über Wien generell gesperrt bleiben, dürfte es nur Bilder von durch Übertragungswagen abgedeckte Streckenteilen geben. Etwa vom Zielbereich am Heldenplatz.
Dass dort einer der Kenianer Felix Limo (Bestzeit 2:06:14 Stunden), Paul Biwott (2:07:02) und Luke Kibet (2:08:52) als Sieger erwartet wird, dass Günther Weidlinger und Andrea Mayr ihre österreichischen Rekord von 2:10:47 bzw. 2:30:43 ebenda deutlich unterbieten wollen, geriet etwas in den Hintergrund.
Von den Spitzenläufern vermisste Rennleiter Mark Milde nur die Kenianer Wilson Kigen und Nathan Naibei, die aus Amsterdam einfliegen sollten. Auch ohne die beiden hat der 27. Marathon laut Milde "von der Papierform her das stärkste Feld, das wir je in Wien hatten" . Der Streckenrekord bei den Herren, 2008 vom Kenianer Abel Kirui binnen 2:07:38 Stunden aufgestellt, könnte bei idealen Bedingungen fallen.
2000 Kilometer im Bus
Die Behinderung des Flugverkehrs dürfte insgesamt relativ geringe Auswirkungen auf das europäische Sportgeschehen am Wochenende haben. In den von Luftraumsperren betroffenen Ländern müssen etliche Mannschaften mit Bus oder Bahn statt Flugzeug zu Meisterschaftsspielen reisen. Selbiges widerfuhr schon am Mittwoch den Fußballern von Tromsö nach dem 1:1 in Stavanger. Die 2000 Kilometer lange Rückreise erfolgte im Bus. Die wackeren Wikinger sind dem Vernehmen nach schon daheim angekommen, wenn auch nicht gelandet. (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 17.04.2010)