Wir wissen, wer unsere Eltern sind (hoffentlich), wir kennen unsere
Großeltern (oft). Wer Glück hat, kennt auch noch seine Urgroßeltern. Der
Rest ist meist ein Schuhkarton mit Schwarz-Weiß-Fotos, deren
Beschriftungen keiner mehr entziffern kann. Was davor war, liegt im Sand
von Ostafrika begraben. Von dort machten sich vor 60.000 bis 30.000
Jahren die Menschen auf - in den Norden, dann in den Osten, dann wieder
eine Schleife in den Westen. Oder sie wurden irgendwo in eine ganz
andere Richtung gelenkt. Was immer geschehen ist - man kann es sichtbar
machen. Man nehme ein Wattestäbchen, schabe damit ein wenig auf der
Innenseite der Wangen, schließe es in eine Phiole und schicke es an das
Labor des Genographic Project. Dort wird die DNA-haltige
Substanz ausgewertet.
Das Genographic Project der National Geographic Society in
Washington sammelt diese Daten, um eine Weltwanderkarte der Menschheit
zu erstellen. Nebenbei zeichnet man dem DNA-Spender seine individuelle
genetische Reiseroute. Über 200.000 DNA-Proben wurden ausgewertet. Jetzt
sind es sieben weitere. Nämlich jene von sieben Mitgliedern der
STANDARD-Redaktion, die aus einer Anzahl von circa 50 Bewerbern gezogen
wurden: Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, Newsroom-Assistent
Alois Pumhösel, die Wirtschaftsredakteurinnen Karin Tzschentke und
Johanna Ruzicka, Chef vom Dienst Erhard Stackl, RONDO-Redakteur Michael
Hausenblas und RONDO-Weinkolumnistin Luzia Schrampf. Fotograf Klaus
Fritsch inszenierte die Reisegefährten und ihre Route. Das neue Wissen
über die genetische Herkunft bietet teils Stoff für neue Mythen über
ihre Vorgeschichte, teils Enttäuschung darüber, nur mit dem Strom vieler
anderen mitgeschwommen zu sein. Was auf jeden Fall entsteht: ein neues
Bewusstsein über die gar nicht so weit entfernte Verwandtschaft zum
Nachbarn. (Bettina Stimeder)