Mit einem neuen Kochbuch, das altmodischer kaum sein könnte
Mittlerweile flaut die Lust der Köche, sich mit warmen Gelees, Trockeneisnebeln und anderen Kinkerlitzchen aus dem Chemiebaukasten der Molekularküche wichtig zu machen, selbst in den entferntesten Winkeln der Hochküche langsam ab. Dem Gesetz der Mode nach zu schließen, wonach in einer Wellenbewegung alles Alte irgendwann wieder als ganz neu hochgespült wird, könnte jetzt eigentlich die Wiederentdeckung der Internationalen Küche anstehen.
Da kommt ein neues Kochbuch gerade recht, das altmodischer kaum sein könnte. Culina Classica, soeben im Ullmann Verlag erschienen, nimmt sich die Rezepte der legendären französischen Kochschule "Le Cordon Bleu" vor und fotografiert die Speisen in jenem herrlich nostalgischen goldenen Licht, das bis in die 1970er-Jahre als einzig mögliches für anständige Rezeptfotos galt.
Und was für Rezepte! Hechtklößchen in Krebsensauce, die ohne jede Scham mit Béchamel gratiniert werden; glasierte, nach allen Regeln der Kunst tournierte Gemüse, die wie geschliffene Edelsteine aus der Pfanne leuchten; Eier in der Cocotte mit Räucherfisch und Lauch; und so weiter und so fort. Okay, als neu wird man das alles nicht verkaufen können - das kann aber niemanden hindern, sie sich ganz taufrisch zu kochen. (corti/Der Standard, Printausgabe 17.04.2010)
Culina Classica - Le Cordon Bleu, 703 Seiten, H. F.Ullmann Verlag 2010, € 30,80