AUA ist nicht gegen das Naturereignis versichert - IATA rechnet mit Umsatzeinbußen von täglich 200 Millionen Euro
Der Ausbruch des Vulkans in Island wird für Europas Airlines sehr teuer. Der Luftfahrtverband IATA teilte mit, insgesamt dürften die Airlines
nach gegenwärtiger Einschätzung Umsatzeinbußen von täglich 200
Millionen Dollar erleiden. Hinzu kämen weitere Kosten, etwa für das
Umleiten von Flugzeugen sowie die Versorgung gestrandeter Passagiere.
Ein Branchenexperte in London sagte, den großen Gesellschaften könnten
jeweils Verluste von 11,5 Millionen Euro pro Tag entstehen.
"An einem normalen Tag würden unsere Mitglieder mit Umsätzen von 200
Mio. Euro rechnen", sagte David Henderson, Sprecher des Verbands der europäischen Fluggesellschaften AEA. Da am Freitag aber
rund 60 Prozent der Flüge ausgefallen sind, wären dies allein schon 120
Mio. Euro. Dazu kommt: Die Airlines müssen sich um die Unterbringung
und Verpflegung von gestrandeten Gästen kümmern.
Keine Versicherung
Auch die Austrian Airlines erwarten durch die erzwungene Betriebseinstellung negative
"Auswirkungen in Millionenhöhe", sagte Sprecher Martin Hehemann.
Die AUA sei - wie auch die anderen Fluglinien - nicht dagegen
versichert, das Ereignis falle wohl unter "höhere Gewalt". Genauere Summen wollte Hehemann mit Hinweis auf Wettbewerber
sowie auf die noch nicht feststehende Dauer der Unterbrechung nicht
nennen.
Die größte europäische Fluggesellschaft, AUA-Mutter Lufthansa, konnte zunächst ebenfalls keine
Angaben zu den Schäden machen. Allerdings hatte sie vor den
Pilotenstreiks im Februar hochgerechnet, dass jeder Streiktag mit rund
25 Mio. Euro zu Buche schlage. Nach dem eintägigen Streik mit rund
2.000 ausgefallenen Flügen bezifferte sie den Schaden einschließlich
Spätfolgen auf rund 50 Mio. Euro. Zum Vergleich: Allein am Donnerstag
und Freitag fielen europaweit rund zehnmal so viele Flüge aus wie beim
Lufthansa-Streik.
Aktien im Minus
Bis Freitag, 20 Uhr hat die Lufthansa alle Flüge von und nach Frankfurt abgesagt. Täglich hat Lufthansa
weltweit 1.800 Flüge, die meisten davon werden über die Drehkreuze
Frankfurt und München abgewickelt. Laut der europäischen Luftraumüberwachung Eurocontrol sollen am
heutigen Freitag 60 Prozent der innereuropäischen Flüge gestrichen
werden.
In ganz Europa
gaben die Aktien von Fluggesellschaften am Freitag nach. Betroffen von dem Chaos im Luftverkehr sind aber nicht nur die Airlines, sondern die ganze europäische Volkswirtschaft. Firmen kommen nicht mehr an dringend benötigte Waren, gestrandete Geschäftsreisende müssen in Hotels ausharren. Profiteure der Krise dürften
dagegen die Deutsche Bahn und Autovermieter sein, auf die viele
verhinderte Flugreisende auswichen.
Rechte der Passagiere
Die AUA muss Passagieren, deren Flüge ausgefallen sind, das Ticket refundieren, die betroffenen Fluggäste können sich aber bis zum 22. April dazu entscheiden, ihre Flüge zu einem späteren Zeitpunkt anzutreten. Die Rechte der Passagiere würden von EU-Bestimmungen genau geregelt, sagte Hehemann (siehe dazu auch Artikel). Bisher sind am Freitag 28 AUA-Flüge ausgefallen. Täglich hat die AUA rund 400 Starts und Landungen. (APA/red)