Glioblastom: Versprengte Krebszellen näher untersucht

16. April 2010, 13:33

Sie haben ganz andere Eigenschaften als jene aus dem Zentrum der Wucherung

Bonn - Glioblastome sind die häufigsten bösartigen Hirntumore. Der Tumor lässt sich zwar weitgehend chirurgisch entfernen, jedoch bilden sich später so gut wie immer neue Wucherungen. Grund dafür sind versprengte Krebszellen (Residualzellen), die trotz Operation im Gehirn verbleiben. Diese Zellen haben ForscherInnen der Universität Bonn nun untersucht und ihre Ergebnisse im Journal "Annals of Neurology" veröffentlicht.

Wie die Bonner Studie zeigt, haben die Krebszellen in der Umgebung des Tumors ganz andere Eigenschaften als jene aus dem Zentrum der Wucherung. "Sie sind zum Beispiel beweglicher, sie bilden andere Rezeptoren, sie reagieren anders auf Bestrahlung oder chemotherapeutische Substanzen", so der Neuroonkologe Martin Glas. Diese Entdeckung könnte erklären, warum weder Bestrahlung noch Chemotherapie diese Zellen unschädlich machen. Obwohl Glioblastome intensiv erforscht werden, ist eine Heilung bisher nicht möglich. Nach der Diagnose leben Patienten durchschnittlich nur etwa 15 Monate.

Die neuen Ergebnisse könnten der Medizin helfen, ihr Waffenarsenal gegen die verbleibenden Krebszellen zu schärfen. Bislang wurden Therapien nur an dem entnommenen Tumorgewebe untersucht. Doch selbst wenn ein Medikament den eigentlichen Tumor zerstören kann, muss das nicht auch für die bösartigen Residualzellen gelten. Dieser Aspekt solle im Auge behalten werden. Aber: "Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Für neue Therapieansätze müssen wir zunächst die Biologie dieser Zellen noch besser verstehen", so die ForscherInnen. (red)

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