Sie haben ganz andere Eigenschaften als jene aus dem Zentrum der Wucherung
Bonn - Glioblastome sind die häufigsten bösartigen Hirntumore. Der Tumor lässt sich zwar weitgehend chirurgisch entfernen, jedoch bilden sich später so gut wie immer neue Wucherungen. Grund dafür sind versprengte Krebszellen (Residualzellen), die trotz Operation im Gehirn verbleiben. Diese Zellen haben ForscherInnen der Universität Bonn nun untersucht und ihre Ergebnisse im Journal "Annals of Neurology" veröffentlicht.
Wie die Bonner Studie zeigt, haben die Krebszellen in der Umgebung des
Tumors
ganz andere Eigenschaften als jene aus dem Zentrum der Wucherung. "Sie
sind zum
Beispiel beweglicher, sie bilden andere Rezeptoren, sie reagieren anders
auf
Bestrahlung oder chemotherapeutische Substanzen", so der Neuroonkologe
Martin
Glas.
Diese Entdeckung könnte
erklären, warum weder Bestrahlung noch Chemotherapie diese Zellen
unschädlich
machen. Obwohl Glioblastome intensiv erforscht werden, ist eine Heilung
bisher
nicht möglich. Nach der Diagnose leben Patienten durchschnittlich nur
etwa 15
Monate.
Die neuen Ergebnisse könnten der Medizin helfen, ihr Waffenarsenal gegen die
verbleibenden Krebszellen zu schärfen. Bislang wurden Therapien nur an dem
entnommenen Tumorgewebe untersucht. Doch selbst wenn ein Medikament den
eigentlichen Tumor zerstören kann, muss das nicht auch für die bösartigen
Residualzellen gelten. Dieser Aspekt solle im Auge behalten werden. Aber: "Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Für neue Therapieansätze müssen wir zunächst
die Biologie dieser Zellen noch besser verstehen", so die ForscherInnen. (red)