Weltweit mehr als zwei Billionen Euro jährlich - Weltkongress der Allianz gegen altersbedingte Makula-Degeneration in Wien
Wien - Blindheit kostet: Der volkswirtschaftliche Schaden durch Sehverlust beträgt weltweit im Jahr rund drei Billionen Dollar, das sind rund 2,2 Billionen Euro. Allein in Europa betragen die direkten Kosten durch Sehbehinderung und -verlust rund 377 Mrd. Euro, hinzu kommen noch 134 Mrd. Euro an indirekten Kosten. Das geht aus einer Berechnung der internationalen Allianz gegen altersbedingte Makula-Degeneration hervor, die derzeit in Wien ihren internationalen Kongress abhält.
Präventionsmaßnahmen gefragt
Besonders problematisch, so die Allianz am Freitag in einer Aussendung: Expertenschätzungen zufolge werden diese Belastungen bis zum Jahr 2020 weiter massiv ansteigen, wenn nicht weltweit entsprechende Präventionsmaßnahmen getroffen und Therapien zugänglich gemacht werden. Die errechneten Kosten enthalten unter anderem direkte Gesundheitsausgaben, die Arbeitszeit pflegender Angehöriger oder verloren gegangene Produktivität durch die fehlende Teilnahme Betroffener am Arbeitsmarkt.
"Mit dieser Studie liegen nun erstmals valide Daten über die globalen Kosten vor, die durch den Verlust von Sehvermögen verursacht werden", betonte Alan Cruess, Vorstand der Abteilung für Augenheilkunde an der Dalhousie University in Halifax (Kanada) und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der AMD Alliance International. Penny Hartin, Vorsitzende der Welt-Blinden-Union (World Blind Union): "Wir wissen, dass diese Kosten weiter kontinuierlich ansteigen und die Gesundheitsbudgets übermäßig belasten werden, es sei denn, wir beginnen jetzt, wirksame Präventionsmaßnahmen umzusetzen. Diese bahnbrechende Studie liefert uns die notwendigen Instrumente und Argumente, die wir in unserer Arbeit mit den Vereinten Nationen und den nationalen Regierungen benötigen."
Unterschiedliche Ursachen
Die Ursachen für Sehschäden und Sehverlust sind unterschiedlich. Einerseits sind häufig chronisch Kranke - zum Beispiel Diabetiker - betroffenen, bei denn Netzhautschäden als Folge des Stoffwechselleidens auftreten. Andererseits führt die demografische Entwicklung zu immer mehr Fällen von altersbedingter Makuladegeneration, einer Erkrankung, bei der am Punkt des schärfsten Sehens Schäden auftreten. Erst seit einigen Jahren gibt es hier medikamentöse Behandlungsformen, die allerdings auch wegen der Kosten längst nicht allen Betroffenen zugänglich sind. Hinzu kommen Star-Erkrankungen und Infektionen.
Die Aktivisten der AMD Alliance International und der Welt-Blinden-Union empfehlen konkret die Umsetzung der folgenden fünf Maßnahmen:
- Augen-Screening-Untersuchungen für Diabetiker und ältere Menschen mit hohem Risiko für Netzhauterkrankungen, Makuladegeneration oder Glaukom (Grüner Star)
- Verbesserte Aus- und Fortbildung von Ärzten aus Entwicklungsländern für Katarakt-Operationen (Grauer Star)
- Verbesserter Zugang zu leistbaren Sehbehelfen
- Finanzierung von und Zugang zu Medikamenten gegen Flussblindheit und Trachoma (Bindehautentzündung)
Die aktuelle Studie untersuchte die Kosten von Sehverlust auch im Bezug auf einzelne Erkrankungen. Allein Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) etwa, so der AMDAI-Bericht, verursacht Aufwendungen von 343 Milliarden US-Dollar (254 Milliarden Euro), 255 Milliarden US-Dollar (189 Milliarden Euro) davon sind direkte Gesundheitskosten. In den westlichen Industrieländern machen die AMD-Kosten schon aufgrund der höheren Lebenserwartung und der höheren Kosten der Gesundheitsversorgung einen besonders substanziellen Anteil der Belastung aus. (APA)