Studie als Plädoyer für liebevollen Umgang mit Demenz-Patienten
Washington - Das Gedächtnis schwindet, aber das Gefühl dauert an: Bei Demenzpatienten bleiben Emotionen wesentlich länger bestehend als konkrete Erinnerungen. Dieses Resultat einer US-Studie deutet darauf hin, dass Alzheimer-Patienten von liebevoller Zuwendung emotional stärker profitieren als bisher bekannt.
Stimmung hallt nach
Die Neuropsychologen der Universität von Iowa prüften das Gefühlsleben von fünf Patienten, die wegen einer Schädigung des Hirnareals Hippocampus Erlebnisse nicht mehr im Langzeitgedächtnis abspeichern konnten - ähnlich wie Menschen mit der Alzheimer-Krankheit. An verschiedenen Tagen zeigten die Wissenschaftler den Patienten 20-minütige Sequenzen aus lustigen oder aber traurigen Filmen. Kurz nach deren Ende konnten sich die Teilnehmer zwar kaum noch an eine konkrete Szene erinnern, wie die Forscher in der Zeitschrift "PNAS" berichten. Aber die in den Filmen gezeigte Stimmung hallte nach.
Träuer hält länger als Freude
"Sie fühlten tatsächlich noch die Emotion", sagt Studienleiter Justin Feinstein. "Trauer dauerte etwas länger an als Freude, aber beide Gefühle hielten sich wesentlich länger als die Erinnerung an die Filme." Daraus leitet der Neuropsychologe konkrete Empfehlungen im Umgang mit Demenzkranken ab: "Ein einfacher Besuch oder Anruf von Angehörigen könnte einen bleibenden positiven Einfluss auf die Freude eines Patienten haben, selbst wenn er den Besuch oder den Anruf schnell vergessen sollte. Andererseits kann Vernachlässigung durch das Personal in Pflegeheimen den Patienten traurig, frustriert und einsam machen, auch wenn er sich nicht mehr an den Grund dafür erinnert." (APA)