Habsburg-Recycling

17. April 2003, 19:36
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Nach Karl V. fokussiert das Kunsthistorische Museum Wien auf dessen Bruder Ferdinand I. (1503-1564)...

... und dokumentiert vor allem anhand von Tapisserien, Rüstungen, Kunstkammerobjekten und Porträts "Das Werden der Habsburger Monarchie".

Wien – Auf smaragdgrünem Bildgrund blickt ein schwarzgekleideter Mann missmutig-angestrengt drein. Es stellt Ferdinand I. etwas unorthodox dar – im Grunde eine Wohltat nach rund 30 im Dämmerlicht schlummernden Konterfeis des Habsburgers in der aktuellen Ausstellung Kaiser Ferdinand I. – Das Werden der Habsburgermonarchie in der Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums: Material – hauptsächlich höfische Kunst rund um Rüstungen, Tapisserien und Hofporträts -, das abgefallen ist im Zuge der großen Karl-V.-Schau.

Der zweitgeborene, in Spanien und in den Niederlanden aufgewachsene und streng katholisch-absolutistisch erzogene Ferdinand stand stets im Schatten seines Bruders Karl und bekam nur "Österreich" (damals Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Tirol) übertragen. Bis sechs Jahre vor seinem Tod 1564 regierte Ferdinand auf Geheiß Karls über das ganze Reich.

Deshalb geht Ferdinand I., der zuerst nur über ein Randgebiet herrschte, als Einiger der Habsburgermonarchie – eines Vielvölkerstaates, in dem acht Sprachen gesprochen wurden – in die Geschichte ein. Diese neue Staatengemeinschaft blieb 300 Jahre lang der beherrschende Machtkomplex. Ferdinand war Erzherzog von Österreich, durch seine Heirat mit Anna auch König von Ungarn, von Böhmen sowie schlussendlich römisch-deutscher Kaiser.

Manchmal, aber nicht in der Ausstellung, werden auch die blutigen Bauernaufstände erwähnt, die er niederschlug. Michael Gaismair, den urchristliche Werte wie die Gleichheit aller Menschen propagierenden Tiroler Aufständischen, ließ er 1532 in dessen Exil in Brixen ermorden. Neben Protestanten wurden auch Wiedertäufer hingerichtet, die Gewaltlosigkeit und Gütergemeinschaft predigten.

Was dann wirklich bleibt, ist die Kunst – neben so ulkigen wie nebensächlichen Fakten, dass Ferdinand ein hervorspringendes Kinn und eine dicke, herabhängende Unterlippe hatte, seinen Mund jedoch im Gegensatz zu Karl schließen konnte.

Furcht und Faszination Eine Reihe von Kunstschätzen und Porträts, die Ferdinand, den man auch Verhandlungsgeschick und Klugheit attestierte, in einer eigens gebauten Kunstkammer unterbrachte, illustriert auch die damalige Expansion des Türkischen Reiches. Eine Kultur, von der man gleichermaßen fasziniert war – weniger vielleicht die steirischen Bauern, wie Ausstellungskurator Georg Kugler versichert. Ohne die türkische Gefahr hätte die eiserne Klammer gefehlt, die diese Länder des Donauraumes für mehrere Jahrhunderte zusammenhalten sollte, so Rüstkammer-Experte Matthias Pfaffenbichler.

Ein Ausstellungskapitel widmet sich dem Grabmal für Ferdinands Großvater Maximilian I. in der Innsbrucker Hofkirche. Ferdinand wurde in Prag beigesetzt.

In Ferdinands Kunstkammer, sozusagen dem ersten Museumsbau Österreichs, fand sich auch der Jüngling vom Magdalensberg – eine Kopie des römischen Originals – und viele Arbeiten von Vertretern der Donauschule. Dürer und Altdorfer hatte der Regent persönlich kennen gelernt. Später schätzte er die Italiener, wobei Giuseppe Archimboldo als Hofmaler diente und dem das KHM einige seiner berühmtesten Gemälde verdankt: die aus verschiedensten Gegenständen zusammengesetzten Profilköpfe wie Feuer oder Sommer. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2003)

Von Doris Krumpl

Bis 31.8.

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KHM

  • "Teste composte", zusammengesetzte Köpfe, nannte man Profilköpfe
wie diesen von Giuseppe Archimboldo, einem Hofmaler
Ferdinands I. Aus verschiedensten Elementen, hier rund
um das Thema "Sommer" (1563), entsteht ein manieristisch
anmutendes Vexierbild.
    foto: khm

    "Teste composte", zusammengesetzte Köpfe, nannte man Profilköpfe wie diesen von Giuseppe Archimboldo, einem Hofmaler Ferdinands I. Aus verschiedensten Elementen, hier rund um das Thema "Sommer" (1563), entsteht ein manieristisch anmutendes Vexierbild.

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