Die Stahlstadt und die schönen Künste

14. April 2003, 19:20
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Leoben hat sich mit einer neuen Kulturpolitik von der Verstaatlichtenkrise und der Konsumpleite prächtig erholt

Leoben - "In Leob'n ob'n", sagen Grazer, wenn sie auf die steirische Landkarte blicken. Heute ist die obersteirische Bezirkshauptstadt nicht nur geografisch "oben". Die Stahlstadt hat sich nach den desaströsen Jahren, als die verstaatlichte Industrie in den Boden gefahren wurde und der in Leoben allgegenwärtige "rote Konsum" zerbröselte, prächtigst erholt.

"Es ist ein Märchen wahr geworden", sprudelt es aus dem Leobner SPÖ-Bürgermeister Matthias Konrad euphorisch heraus. Die Stadt habe sich mit einer völligen Neuorientierung der Kommunalpolitik selbst aus der Talsohle herausgeführt. Man habe begriffen, dass Wirtschaftspolitik heute eben mehr bedeute als der Versuch, Betriebe in die Stadt zu locken. Dazu Konrad im STANDARD-Gespräch: "Wir haben begriffen, dass ein Betrieb, ein Manager nur dann kommt, wenn auch das Umfeld, die Lebensqualität stimmt, wenn die Stadt attraktiv ist."

Image der verdreckten Industriemetropole umdrehen

Also habe die Stadt begonnen, das Image der verdreckten alten Industriemetropole umzudrehen. Und das begann bei Umweltprogrammen und endete bei der Kultur. Die stahlgewohnten Leobner entdeckten die schönen Künste, und das Geheimnis, dass damit nicht nur Image, sondern auch Cash gewonnen werden kann.

Vor einigen Jahren zog das Team um Matthias Konrad erstmals eine Großausstellung an Land, es folgten die viel beachtete China-Schau und weitere - in der neuen Kunsthalle gezeigte - hoch professionell gestaltete Präsentationen über die Kultur Perus, des alten Ägypten oder Tibets. Und jetzt die neue Schau: "Samurai + Geisha".

Die Hinwendung zur Kultur brachte der bald 1100 Jahre alten Stadt dreierlei: einen investitionsförderlichen Imagewandel, gutes Geld für die Stadtkasse und eine Belebung der ganzen Umlandregion.

400.000 Euro für Ausstellungen budgetieren

Konrad rechnet vor: Die Stadt müsse jährlich gut 400.000 Euro für die Ausstellungen budgetieren. In Leoben und der Region blieben aber rund 25 Millionen Euro liegen. Konrad: "Wichtig ist, dass wir endlich ein neues Stadtbild haben, etliche Großbetriebe der Region werben bereits mit dem neuen Leoben."

Einem modernen Leoben, das durch neue Forschungszentren der Montanuni und Vorzeigebetriebe wie die Hightech-Schmiede AT & S weiter an Farbe gewann. Neben der Kultur plant Leoben eine zweite neue Schiene: den Wellnesstourismus. Konrads "Au-Vision": ein chinesischer Gesundheitspark. (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2003)

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