Neustart nach dem Sinkflug

14. April 2003, 19:16
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Vom Personalchef zum Personalberater: Hans Lob hat ein Haus gebaut, er spielt die Djembe, eine westafrikanische Trommel, er war 30 Jahre in Leitungsfunktionen und ist jetzt sein eigener Manager - mehr oder minder freiwillig - Teil 15

Bis zum vorigen Jahr war für Hans Lob, studierter Jurist, verheiratet, eine erwachsene Tochter, die Welt in Ordnung: Er hat sich in knapp 30 Jahren stetig in einem der größten und renommiertesten Unternehmen Österreichs - den Austrian Airlines - hinaufgearbeitet und war praktisch Herr über 8000 Angestellte, vom Flugkapitän zum Bodenpersonal. Er war der Personalchef - bis voriges Jahr.

Da entschied der neue Vorstand - wohl in knappem skandinavischem Understatement -, es müsse etwas Neues, eine Neue, her: Und Hans Lob, der Häuslbauer und Djembe-Spieler hatte ausgetrommelt. Zumindest bei der AUA.

Lediglich ein Konsulentenvertrag, der heuer im Juli ausläuft, und seine in eine Pensionskasse ausgegliederten erworbenen Ansprüche blieben ihm, und dennoch kommt kein böses Wort über seine Lippen, wenn man ihn auf seinen ehemaligen Arbeitgeber anspricht.

Spaß an Hürden

Vielleicht war da am Anfang seines neuen Lebens ein leises Erstaunen darüber, dass Rückrufe nicht mehr so prompt erfolgten wie noch in seiner Personalchef-Zeit und darüber, dass er sich jetzt selbst in der Rolle des Urgierenden üben muss. Aber, so sagt er jetzt: "Es macht Spaß, wenn man diese Hürden überwindet." - Und auch seine neue Karriere scheint ihm Spaß zu machen.

Er sieht sie auf zwei Schienen laufen: einerseits als österreichischer "Statthalter" für die dänische Beratungsfirma "Cutting Edge", für die er bereits 30 Unternehmen an Land gezogen hat. "Es läuft gut", ist er mit der ersten Schiene ganz zufrieden. Dieses 1999 von einem Dänen und einer gebürtigen Österreicherin in Kopenhagen gegründete Management-Consulting-Unternehmen ist paneuropäisch für Banken, Energie-, Hightech- und Pharmaunternehmen aktiv.

Die Spezialität von "Cutting Edge": das "Benchmarking" von Human Resources-Performances. Dazu wurde eine Software entwickelt, die gemeinsam mit einer ganzjährigen Betreuung um 19.500 Euro zu haben ist und Unternehmen einen Überblick über den Stand und die Qualität ihrer Human Resources bietet. - Nach der nicht unlogischen Theorie, dass ein gutes Personalmanagement auch gut für die Bilanzzahlen sein kann ...

"Manager auf Zeit"

Die zweite Schiene der zweiten Karriere des gewesenen Personalchefs ist das Task-Managing, der so genannte "Manager auf Zeit". Dazu gibt es seit Ende 2002 die ATMG (Austrian Task Manager Group), eine von Wirtschaftskammer Österreich, Gewerkschaft der Privatangestellten und anderen gegründete Plattform. Auf dieser Plattform, die nicht gewinnorientiert arbeitet, können sich Führungskräfte - in aufrechtem oder gelöstem Dienstverhältnis - präsentieren und ihre Leistung anbieten.

Hans Lob hat erst kürzlich die dafür notwendige digitale Signatur erhalten und wartet gespannt auf seinen ersten Einsatz als "Manager auf Zeit". Apropos Zeit: Zeit, sagt seine Frau, hat er jetzt mehr als früher - für sie, für den Garten und für seine Djembe-Trommel. (DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.4.2003, pest)

  • Hans Lob, der einstige "Herr über 8.000 AUA-Mitarbeiter", setzt bei seiner zweiten Karriere auf zwei Gleise
    foto: privat

    Hans Lob, der einstige "Herr über 8.000 AUA-Mitarbeiter", setzt bei seiner zweiten Karriere auf zwei Gleise

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