Türkei schätzt Risiken im Nordirak mittlerweile als gering ein

14. April 2003, 17:49
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"Kleine, lokale Vorfälle"

Ankara - Die Türkei geht nicht länger davon aus, dass die Entwicklung im Nordirak aus dem Ruder laufen könnte. Ankara habe "nicht die Erwartung", dass es zu gefährlichen Entwicklungen kommen werde, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Abdullatif Sener am Montag nach einer Kabinettssitzung in Ankara. Lange Zeit hatte die Türkei mit einem Einmarsch eigener Truppen gedroht, falls der Nordirak unter die Kontrolle der irakischen Kurden fallen oder sich bürgerkriegsähnliche Zustände ergeben sollten.

"Kleine, lokale Vorfälle mag es geben", sagte Sener, der auch Regierungssprecher ist. Es sei aber "nicht richtig", davon auszugehen, dass diese Entwicklungen ein größeres Ausmaß annehmen und "dauerhaft" sein könnten. In der nordirakischen Stadt Kirkuk waren nach türkischen Fernsehberichten am Sonntagabend vor dem Büro der "Turkmenen-Front" ein Vater und sein Sohn erschossen worden. Dies habe zu Unruhe und Protesten geführt. Die Türkei fühlt sich dem Schutz der Turkmenen im Irak verpflichtet.

Die Türkei verfolge die Geschehnisse weiterhin "systematisch" und aus der Nähe, sagte Sener. Wichtig sei, dass die territoriale Integrität des Iraks gewahrt bleibe und dass die natürlichen Reichtümer allen Irakern gehörten. Nach der Zusicherung der US-Regierung, dass die US-Armee die Lage im Nordirak unter Kontrolle halten werde, hatte die Türkei von der Entsendung eigener Soldaten Abstand genommen. Stattdessen schickte Ankara Verbindungsoffiziere nach Mosul und Kirkuk, die die türkische Führung über die Entwicklung auf dem Laufenden halten sollen. (APA/dpa)

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