"Süddeutsche Zeitung": Von Bagdad nach Damaskus

14. April 2003, 17:40
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"Gegen Israel verbliebene Fronten von hinten aufrollen"

München - Syriens Armee sei veraltet, die Kampfkraft der Truppen gering - und doch stehe das Land auf der "schwarzen Liste" der USA, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (Montag-Ausgabe). "Wie bis vor einer Woche in Bagdad herrscht auch in Damaskus die Baath-Partei. Der syrische und irakische Flügel der Partei sind allerdings seit langem verfeindet. Und im Unterschied zu Bagdad hat das Regime in Damaskus seinen allumfassenden Machtanspruch ein wenig reduziert. (...) Eine militärische Gefahr stellt Syrien für niemanden dar. Die Ausrüstung seiner Armee gilt als veraltet, die Kampfkraft seiner Truppen ist im allgemeinen gering. Und Syrien hat noch weniger Verbindungen zu Osama Bin Ladens al-Qaida als das Saddam-Regime. Vielmehr sind islamistische Gruppen wie die syrischen Moslembrüder vom laizistischen Baath-Regime stets rigoros bekämpft worden."

"Eine Folge des Irak-Feldzugs ist die neue strategische Position, welche die USA in ihrer Auseinandersetzung mit den Gegnern Israels haben. Im sicheren Besitz des Irak und Jordaniens können sie die gegen Israel verbliebenen politischen und militärischen Fronten sozusagen von hinten aufrollen. Der Doppelstaat Syrien-Libanon beherbergt immer noch palästinensische Gruppen, welche von den Amerikanern mit dem Adjektiv 'terroristisch' belegt werden. (...) Das politisch und militärisch umzingelte Syrien und sein kolonialer Annex Libanon sollen mit Gewalt zum Frieden gezwungen werden - zu den Bedingungen Israels und der USA. Der nächste Nahost-Konflikt zeichnet sich ab." (APA)

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