Eigentor Arafats

16. April 2003, 15:06
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Der Palästinenserpräsident tut alles, um die von den USA versprochene Roadmap zu verhindern - Von Gudrun Harrer

Yassir Arafat ist wirklich nicht zu helfen. Am Sonntagabend soll er bei der Debatte im Fatah-Zentralkomitee den Koran zitierend gefleht haben, "Mitleid mit einem alten gefallenen Führer zu haben". Nicht Saddam Hussein war damit gemeint (der übrigens zeitgleich mit dem US-Angriff auf den Irak in ein religiöses Delirium gefallen sein soll), sondern er selbst. Der Palästinenserpräsident setzt sich gegen das vom designierten Ministerpräsidenten Mahmud Abbas (Abu Mazen) - der kein "zionistischer Agent" (Achtung, Ironie), sondern sein alter Weggefährte ist - vorgeschlagene neue palästinensische Kabinett zur Wehr.

Sobald es dieses Kabinett gibt, sollte die inzwischen gar nicht mehr neue Nahost-"Roadmap", mit der EU, UNO und Russland seit Monaten in den USA hausieren gingen, endlich veröffentlicht werden - und zwar hat das kein Geringerer versprochen als US-Präsident George Bush. Und nun tut Arafat alles, um Kabinett und Road map zu verhindern. Ein Eigentor.

Diejenigen politischen Kräfte in Israel, die den neuen Plan zumindest in seiner bisherigen Form unbedingt verhindern wollen, brauchten also wieder einmal nur, wie es das chinesische Sprichwort sagt, zu warten, bis die Leichen den Fluss herunterschwimmen. Dov Weisglass, Kabinettschef von Ministerpräsident Ariel Sharon, sollte am Montag bei Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice vorsprechen, um die israelischen Vorbehalte gegen die Road map vorzubringen: Er konnte mit Nonchalance darauf verweisen, dass sowieso nichts gehen wird, solange Arafat herumkrebst. Und als Gastgeschenk an Bush bringt Weisglass ein Haaretz-Interview Sharons mit, in dem dieser sich - zum Ärger der Rechten und zum ungläubigen Erstaunen der Linken in Israel - nicht nur als kompromissbereit positioniert, sondern prinzipiell den Sinn der israelischen Besetzungspolitik in Frage stellt.(DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2003)

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