Kirchs Berater? "Mir zu heiß"

15. April 2003, 10:11
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Medienmulti Kirch hatte Beraterverträge mit so manchem deutschen Politiker - auch österreichische Namen tauchen in der Konzerngeschichte auf

München/Wien - "Ich hätte nicht gedacht, dass Dr. Kirch uns Leute von diesem Kaliber anbieten könnte", notiert Erwin Conradi 1989. Er ist Manager des Schweizer Metro- Handelskonzerns, der dem Filmhändler Leo Kirch aus der Patsche helfen soll.

Wie oft und zum letzten Mal 2002 mangelt es der Kirch-Gruppe 1989 an Liquidität. Kirch-Intimus Otto Beisheim (Metro, Media Markt) nimmt ihm für 550 Millionen Mark Filmrechte ab. Unter nicht genau geklärten Umständen als Zwischenhändler zu einer Rocks AG in Vaduz, als deren Eigentümer auch schon Kirch selbst vermutet wurde.

Die "Leute von diesem Kaliber" sollten den Wert der Filmware bestätigen. Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) zitierte aus Metro-Unterlagen, wen Kirch da nannte: einen früheren ARD-Manager, den damaligen ZDF-Intendanten Dieter Stolte und - den damaligen Wiener Bürgermeister und ehemaligen ORF-Fernsehintendanten Helmut Zilk. Zum Zug kam Stolte, Zilks Dienste wurden in dem Fall laut SZ nicht weiter bemüht.

Finger weg

Nun breiten deutsche Medien Informationen über Beraterverträge verschiedener deutscher Politiker mit Kirchs Konzern aus. Wie der STANDARD bereits berichtete, stand Helmut Kohl von 1999 bis 2002 bei dem Medienmulti als Konsulent unter Vertrag. Kohl war nicht mehr deutscher Bundeskanzler, aber Abgeordneter zum Bundestag. Wie mehrere seiner Exminister als Kirch-Berater. Auch Politiker anderer Couleurs hatte er unter Vertrag.

Zählte Helmut Zilk auch zu der illustren Runde? Der ehemalige ORF-Direktor, Unterrichtsminister, Bürgermeister weist das auf Anfrage entschieden zurück. Und die Geschichte mit dem Programmverkauf in die Schweiz? "Ich habe irgendeinen Herrn gekannt, der den Beisheim kannte. Und der hat mich gebeten, ob ich einen Telefonanruf machen kann. Das war das Ganze. Sonst habe ich damit nichts zu tun." Nachsatz: "Leider Gottes. Im Grunde genommen war das ja zu einer Zeit, wo ich schon lange nicht mehr im Dienst, auch nicht mehr Bürgermeister war. Jeder andere hätte sicher gesagt, da müsste eigentlich für mich was rausschauen. Aber ich habe da immer die Finger davon gelassen, mir war das zu heiß. Ich habe gewusst, irgendwann gibt's da dicke Enden."

Foto: STANDARD/Matthias Cremer
Gute Bekannte Leo Kirchs in Österreich: Helmut Zilk (li.) und Gerd Bacher.

Gerd Bacher, ein guter Bekannter Kirchs und zwischen seinen Engagements als ORF-General Berater Kohls sowie Aufsichtsrat beim Kirch-Sender Sat.1, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der ORF war und ist traditionell Großabnehmer von Kirch-Rechten.

Zilk glaubt im STANDARD-Gespräch nicht an Beraterverträge mit Österreichern: "Viele" Landsleute hätten für Kirch gearbeitet, aber alle als Manager. Und Bacher? "Der hat auch keinen gehabt, so weit ich das weiß." (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 15.4.2003)

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    Exminister unter Vertrag beim zerbröselten Medienkonzern Leo Kirchs, zu dem Sat.1, ProSieben, Premiere zählten.

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