Österreichs Betriebe drängen in den Irak

14. April 2003, 17:17
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Heimische Unternehmen scharren bereits in den Startlöchern, um sich ihre ersten Aufträge nach Kriegsende zu sichern - Einziges Problem: Die USA

Wien - Das heiße Ringen um Verträge für den Wiederaufbau des Irak hat auch in Österreich bereits begonnen. Den Leiter der Außenhandelsstelle in Bagdad, Franz Schröder, der kurz vor Kriegsbeginn nach Wien zurückgekehrt ist, erreichte der STANDARD bei der VA Tech in Linz, wo er gerade über das weitere Vorgehen in Sachen Geschäftsanbahnung verhandelte.

Interesse von zwanzig Firmen

"Was der Irak jetzt besonders dringend benötigt, sind Lebensmittel, medizinische Geräte, Pharmazeutika. Neben der humanitären Hilfe müssen Klär- und Trinkwasseraufbereitungsanlagen, aber auch die Stromversorgung neu aufgebaut werden", sagt Schröder. Konkret hätten mindestens zwanzig österreichische Firmen, die bislang im Irak tätig waren, Interesse daran, am Wiederaufbau beteiligt zu werden. "Es gibt derzeit weder Fax noch Telefonleitungen, und die Wasserversorgung ist knapp."

Wie lange es noch dauern werde, bis erste Projekte starten könnten, weiß Schröder jedoch nicht: "Ich schätze, dass wir in der zweiten Jahreshälfte beginnen könnten. Zunächst muss jedoch entschieden werden, mit wem verhandelt wird: Bis man mit den neuen Ministern sprechen wird können, werden noch einige Monate vergehen. Und ohne Einbindung der USA wird es sowieso nicht gehen."

"Keine Euphorie"

Bei der VA Tech selbst hofft man dennoch, bald mit Aufträgen loslegen zu können: "Bei uns herrscht keine Euphorie. Wir wollen bereits in den kommenden Wochen nach Bagdad gehen und dort Verhandlungen starten", erklärt Pressesprecher Wolfgang Schwaiger. Zuletzt war die VA Tech mit einer kleinen Wasseraufbereitungsanlage, die "ein paar Millionen bringen sollte", in Bagdad tätig. Letztes Jahr wurde außerdem ein Umspannwerk um 30 Mio. Euro errichtet.

Auch Fritz Edlinger, Generalsekretär der Österreichisch-Arabischen Gesellschaft und Bruder des ehemaligen Finanzministers, will bei Projekten im Irak mitmischen. Mit der Bauholding Strabag, der BAGS Holding und der Domanig Wassertechnik-Eurotron aus Klagenfurt gründete er im März die Arab Consult, die künftig von der Beratung bis hin zur Projektabwicklung heimischen und arabischen Betrieben zur Seite stehen will.

Fehlende Kontaktleute

Es gäbe derzeit nur ein Problem: "Rund 90 Prozent unserer Kontaktleute im Irak gibt es nicht mehr, wir werden uns mit neuen Kontakten neu orientieren müssen." Alois Neuhold, Chef der Neuhold GmbH aus Gleisdorf, die sich auf Wasseraufbereitung spezialisiert hat, ist skeptisch: "Ich habe Bauchweh, wenn ich daran denke, dass wir eventuell mit den Amerikanern verhandeln müssen: Die haben doch selber wirtschaftliche Probleme und wollen dann alle Aufträge selber lukrieren." (DER STANDARD Print-Ausgabe, 15.4.2003)

Von Judith Grohmann
  • Heimische Firmen haben den Irak bereits fest im Blick.
    montage: derstandard.at

    Heimische Firmen haben den Irak bereits fest im Blick.

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