Milch wird teurer

14. April 2003, 20:11
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Die heimische Milch-Branche hat ein schwieriges Jahr hinter sich - Nun zahlt der Konsument - mit Infografik

Wien - Herr und Frau Österreicher werden für Milch und Milchprodukte bald um durchschnittlich drei bis fünf Prozent mehr bezahlen müssen. Diese schlechte Nachricht kommt von der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM). Die rund 100 heimischen Molkereibetriebe mussten 2002 aufgrund von Preisrückgängen ein Umsatzminus von vier Prozent auf 1,73 Mrd. Euro hinnehmen. Es werde daher auch zu einer weiteren Konzentration in der Branche kommen.

Angespannte Situation

"Die wirtschaftliche Situation ist angespannt und wir können kommende Kostenerhöhungen trotz effizienter Wirtschaftsweise nicht tragen", sagte VÖM-Präsident und Alpenmilch-Chef Hans Steiner. Daher würden diese bevorstehenden neuen Belastungen an den Handel weitergegeben werden. "Spätestens im vierten Quartal" sollten das auch die Konsumenten in der Geldtasche spüren.

Teures Roadpricing

Ein besonderer Dorn im Auge ist Steiner das Roadpricing, durch das er einen weiteren Kostenschub für die Molkereien befürchtet. "Die Kilometersätze sind hierzulande um 50 Prozent höher als in Deutschland und sogar um 100 Prozent höher als in Italien", sagte Steiner. Für die Milchwirtschaft sei die Schiene keine Alternative. Anlieferungen würden mit den ÖBB bis zu einem dreiviertel Tag in Anspruch nehmen, die Zeitvorgaben bei Frischeprodukten seien jedoch viel strenger.

Neben der anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU, die "substanzielle Einbußen beim Milchgeld" bringen werde, seien in nächster Zeit vor allem die WTO-Verhandlungen eines der wichtigsten Themen für die heimische Michwirtschaft, sagte Steiner. Die geplante weitere Liberalisierung des Handels werde die Märkte der EU stark unter Druck setzen: "Die Union ist der kaufkräftigste Markt der Welt und daher für zahlreiche Staaten ein interessanter Zielmarkt. Eine Produktion zu Weltmarktpreisen ist in der EU aber nur in den wenigsten Gebieten möglich."

EU-Erweiterung

Weniger Sorgen bereitet die bevorstehende EU-Erweiterung. Zunächst rechnet Steiner weder mit positiven noch negativen Auswirkungen. Mit dem erwarteten steigenden Verbrauch aufgrund des höheren Lebensstandards würden sich sogar Chancen für Österreichs Molkereien ergeben: "Diese liegen vor allem im Biobereich und bei veredelten Produkten." Im Gespräch sei, mit eigenem Sortiment und eigener Marke in die Ostmärkte zu gehen. (Robert Zwickelsdorfer, DER STANDARD Print-Ausgabe, 15.4.2003)

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